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12.12.2013

12:39 Uhr

Quantitative Easing

Deutsche Bank erwartet massive Anleihekäufe der EZB

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank rechnet damit, dass die EZB dem Vorbild der amerikanischen Notenbank folgt und massiv Wertpapiere kauft. Dies sei das einzige durchschlagende Mittel, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. dpa

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

FrankfurtDie Deutsche Bank erwartet bei einer andauernden Wirtschaftsflaute in der Euro-Zone massive Wertpapierkäufe der EZB nach dem Vorbild der USA. "Wenn das Wachstum unter zwei Prozent bleibt, dann wird es enormen Druck auf die EZB geben, Quantitative Easing (QE) zu betreiben", sagte der Chefvolkswirt des Branchenprimus, David Folkerts-Landau, am späten Mittwochabend in Frankfurt.

Andere Instrumente, mit denen die Europäische Zentralbank (EZB) versuchen könnte, die maue Erholung der Konjunktur in der Euro-Zone zu unterstützen, dürften seiner Ansicht nach keine durchschlagende Wirkung entfalten. "Am Ende wird die EZB wohl echtes 'Quantitativ Easing' betreiben müssen."

Die Deutsche Bank ist das erste große deutsche Institut, dass eine solche Prognose wagt. Zuvor hatte die französische Großbank BNP Paribas von der EZB ein Kaufprogramm für Staatsanleihen nach US-Vorbild gefordert, sollten die Risiken zunehmen, dass die Euro-Zone in eine Spirale nachgebender Preise und sinkenden Wirtschaftswachstums abgleiten. Unlängst hatte EZB-Direktor Benoit Coeure davor gewarnt, "spektakuläre Schritte" von der Zentralbank zu erwarten.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

Folkerts-Landau räumte allerdings ein, dass es sich um ein ziemlich extremes Szenario handele, bei dem er so weitgehende Schritte der Notenbank nicht ausschließen möchte. Zudem müssten bis dahin noch enorme politische Widerstände überwunden werden, etwa aus Deutschland und vor allem von Seiten der Bundesbank, die 'Quantitative Easing' vehement ablehnt.

Die EZB hatte im November ihrem Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gekappt und sich ausdrücklich die Tür für weitere Maßnahmen offen gehalten, um die Konjunktur auf Trab zu bringen. Denkbar sind etwa negative Zinsen, also Strafgebühren für Banken, die keine Kredite vergeben, weitere Geldspritzen für das Finanzsystem oder eben der Ankauf von Wertpapieren.

Kommentare (23)

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Seismograph

12.12.2013, 13:09 Uhr

Ach nein, brauchts das? Allen voran das HB toent seit Wochen, dass die Krise vorueber sei und ueberall in Europa Wachstum zu verzeichnen ist!
Ist schon ein ekelhafter Journalismus der hier betrieben wird. Freunde, dieser Schuss wird fuer euch nach hinten los gehen! nur das ist sicher!

puenktli

12.12.2013, 13:17 Uhr

Amerikanische Verhältnisse hat folgenschwere Konsequenzen: Vernichtung des Mittelstandes, Stärkung der To-Big-To-Fail-Banken und eine rein elektronisch manipulierte Wirtschaftsstatistik, die nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Die EU folgt also den USA in den Abyss. Feiner Plan!

Republikaner

12.12.2013, 13:23 Uhr

Die EZB wäre damit endgültig eine Filiale der FED. Und Staatsfinanzierung mit der Notenpresse ging noch nie gut. Das Thema wird wohl erst dann interessant, wenn es zu spät ist.

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