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14.06.2013

12:40 Uhr

Rat von den US-Großbanken

Raus aus Anleihen, rein in Aktien!

JP Morgan, Goldman Sachs und andere Großbanken raten ihren Kunden umzuschichten. Anleihen seien zu anfällig für die Politik der Fed. Aktien seien die bessere Alternative. Doch auch diese hängen am Tropf der Notenbanken.

Die Kurstafel des Dax. Großbanken raten Aktien im Depot stärker zu gewichten als Anleihen. dpa

Die Kurstafel des Dax. Großbanken raten Aktien im Depot stärker zu gewichten als Anleihen.

FrankfurtDie größten Anleihehändler der Wall Street raten ihren Kunden, aus den meisten Festverzinslichen auszusteigen und in US-Aktien umzuschichten. Zunehmende Bedenken im Hinblick auf einen bevorstehenden Abbau der expansionsfördernden Maßnahmen der amerikanischen Notenbank setzen die Anleihemärkte unter Druck wie zuletzt 2011.

JP Morgan, seit 2007 die aktivste Konsortialbank bei der Emission von Unternehmensanleihen, schloss sich vergangene Woche Barclays, Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs an und gab Aktien den Vorzug gegenüber Anleihen. Die Erträge aus Aktien übertreffen diejenigen von Unternehmensanleihen so deutlich wie seit mindestens 1997 nicht mehr. Der Bank of America Merrill Lynch U.S. Corporate & High Yield Index hat seit Jahresbeginn 0,73 Prozent eingebüßt. Dem steht ein 15,1-Prozent-Anstieg beim Aktienindex Standard & Poor's 500 gegenüber.

Die Anfälligkeit von Anleihen gegenüber einem etwaigen Entzug der Stimulierungsmaßnahmen, mit denen die Fed seit 2008 über 2,5 Billionen Dollar in das Finanzsystem gepumpt hat, betrifft Treasuries ebenso wie Junkbonds. Anleihen sind „weiterhin am engsten an die Suche nach Rendite gekoppelt” und unterliegen bei steigenden Zinsen einer höheren Volatilität als Aktien, schrieben die Strategen von JPMorgan um Jan Loeys in einer Studie vom vergangenen Freitag.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

„Inzwischen sehen wir ein bisschen Umschichtung weg von Anleihefonds”, sagte Hans Mikkelsen, Leiter Investmentgrade-Kreditstrategie bei Bank of America in New York. Er hält „eine sehr schnelle Umstellung bei der Anlageallokation bei Privatanlegern” für denkbar, „mit der die Institutionellen nicht Schritt halten können.”

Zwischen dem 22. Mai - dem Tag, an dem der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke vor Kongressabgeordneten andeutete, dass die Notenbank in einer ihrer nächsten Sitzungen mit der Verringerung der Stimulierungsmaßnahmen beginnen könnte - und dem 11. Juni gaben Dollaranleihen von Unternehmen aller Bonitätsklassen um 2,2 Prozent nach.

Die Volatilität von Treasuries ist laut dem MOVE Index von Bank of America Merrill Lynch seit dem am 9. Mai erreichten Tiefstand von 48,87 um 68 Prozent geklettert, auf 82,3.

Die Heftigkeit der Marktreaktion auf das „pure Ansprechen” eines Abbaus des Anleihekaufprogramms der Fed gebe „eine Vorstellung davon, wo die Anfälligkeiten gegenüber einer tatsächlichen Umkehr der Geldpolitik liegen”, schrieben die JPMorgan-Strategen, die vom Fachmagazin „Institutional Investor” im vergangenen Jahr als bestes Anleiheteam eingestuft wurden. „Aktien gegenüber Anleihen im Allgemeinen überzugewichten, ist die offensichtlichste Konsequenz.”

Kommentare (3)

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gerry

14.06.2013, 13:52 Uhr

Ich denke der Verfall des Goldpreises hat gezeigt, daß es nicht erfolgreich ist Assets quasi zu Höchstpreisen zu erwerben. Auch wenn jetzt bereits deutlich Luft aus Munis, TBonds und Reits etc. abgelassen wurde - sie werden sicher weiter fallen. Aber Aktien eben auch, weil jetzt zurückgezahlt wird - die Kreditspekulation wird aufgelöst. Dankbare Abnehmer werden gesucht und man verbreitet sogar so etwas wie Gier bei Privatmann - er hat angeblich einen Vorteil:

Zitat: Er hält „eine sehr schnelle Umstellung bei der Anlageallokation bei Privatanlegern” für denkbar, „mit der die Institutionellen nicht Schritt halten können.”

Na diese Chance läßt man sich doch nicht entgehen, oder?

Account gelöscht!

14.06.2013, 14:13 Uhr

Rat von mir: rein in Anleihen (oder was auch immer), raus aus Aktien. Wie ich darauf komme?

Folgende Geschichte ist die Grundlage: es gab in Persien mal einen hochbezahlten Hofpropheten, der machte entsprechend seines Amtes schöne Prophezeiungen, die aber alle leider nicht eintrafen. Während erlangte ein Bauernprophet Berühmheit, indem er - wie der Teufel es wollte - immer richtige Prophezeiungen machte. Der dadurch komplett frustrierte Hofprophet beschloß daher dem Bauernpropheten seine Methode abzukaufen. Nachdem sie sich geeinigt hatten sagte der Bauernprophet: nun, lieber Hofprophet, ich warte immer auf Deine Prophezeiung und sage dann das genaue Gegenteil.

Ich möchte aber betonen, daß im Gegensatz zu manchen modernen "Propheten" der unglückliche Hofprophet aber ernsthaft bemüht war, richtige Prophezeiungen zu machen und nicht seine Gläubigen dadurch zu schädigen, daß er auch noch gegen sie wettet.

GegenDenStromInDerLeitung

14.06.2013, 15:00 Uhr

Man beachte, nur die ausgelutschten Verfahren werden öffentlich gemacht.

Übersetzt heißt das: es will jemand bei Aktien abcashen und damit bei Anleihen einsteigen...

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