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14.05.2012

14:49 Uhr

Compliance

Wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter richtig kontrollieren

VonJens Hagen

Korruption verhindern, Diebstähle aufklären: Viele Führungskräfte müssen sich auch um den Bereich Compliance kümmern – keine leichte Aufgabe. Was ist erlaubt und was nicht?

Nicht immer sorgen Verstöße gegen die guten Sitten im Geschäftsleben für so viel Wirbel wie im Falle der Deutschen Bundesbahn. Eine Mitarbeiterin hatte Detektive beauftragt und E-Mails der Kollegen ausspähen lassen. Auch wen sie weit übers Ziel hinausschoss, handelte sie im guten Willen. Ihre Aufgabe war es, Korruptionsverdachte aufzuklären und so ihr Unternehmen vor Schaden zu bewahren. Als die Presse von „Spitzel- und Stasimethoden“ berichtete, erhielt die leitende Mitarbeiterin aus dem Bereich Compliance die Kündigung.  

Viele Führungskräfte müssen sich auch um den Bereich Compliance kümmern – und bewegen sich mit dieser Aufgabe auf dünnem Eis. Sie sollen Vetternwirtschaft, Nötigung oder kleine Diebstähle aufklären und sich gleichzeitig nicht strafrechtlich oder wirtschaftsethisch angreifbar machen. „In solchen Positionen verursachen Führungskräfte immer wieder Imageschäden für das Unternehmen und riskieren ihren Job“, sagt Christoph Abeln, Inhaber der gleichnamigen Berliner und Frankfurter Kanzlei mit Spezialgebiet Arbeitsrecht. Ermitteln sie zu harsch stehen sie als Spitzel dar. Forschen sie zu lasch wird ihnen mangelnde Sorgfalt vorgeworfen.

Überwachungskamera: Manche Kontrollmethoden gehen zu weit. dpa

Überwachungskamera: Manche Kontrollmethoden gehen zu weit.

Dabei bedeutet Compliance nichts anderes, als sich an Recht und eigene Regeln zu halten. „Corporate Compliance“ gibt es bereits seit vielen Jahren in nahezu allen größeren Unternehmen. Dabei muss sich zunächst jeder Mitarbeiter an die gesetzlichen und ethischen Vorgaben halten, die ihm sein Arbeitgeber aufgibt. Kritiker meinen deshalb, dass Compliance im Grunde nichts anderes bedeute, als dass man sich an Recht und Gesetz zu halten habe. Heikel wird Compliance für Führungskräfte aber im Bereich der Haftung. Denn neben der normalen Haftung, die jeden Arbeitnehmer betrifft, bedeutet Compliance-Haftung eine besondere Verantwortung.

Compliance-Beauftragte stehen mit ihrer Aufgabe, Rechtsverstöße aus dem Unternehmen heraus zu verhindern, schnell im Feuer. Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte delegieren diese unangenehme Aufgabe an sie weiter. Nur wirklich fachkundige Mitarbeiter sollten diesen Job übernehmen und sich den persönlichen Risiken bewusst sein. Das Resümee eines Compliance-Beauftragten bei einer Tagung der „Association of Corporate Counsels“ zeigt, was der Job in der Praxis bedeutet: „Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, den Vorstand aus dem Gefängnis herauszuhalten.“ Das bedeutet auch: Wenn etwas schief läuft, geht nicht der Vorstand, sondern der Compliance-Officer.

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