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14.05.2012

14:43 Uhr

Karriere

Wann eine Versetzung droht

VonJens Hagen

Wer beim Chef in Ungnade fällt, muss nicht gleich mit einer Kündigung rechnen. Unternehmen, die unliebsame Mitarbeiter loswerden und eine teure Abfindung vermeiden wollen, versuchen es nicht selten mit einer Versetzung.

Jeder Chef wünscht sich flexible Mitarbeiter. Und fast jede Führungskraft behauptet wohl von sich, dass sie flexibel und anpassungsfähig sei. In der Praxis passen beide Sichtweisen aber häufig nicht zusammen. Etwa dann, wenn unangenehme Veränderungen im Unternehmen anstehen.

Viele Szenarien bedrohen den Status der Führungskraft. Neue Strukturen können Positionen wegfallen lassen. Bei einem Wechsel des Eigentümers oder Geschäftsführers möchte der neue Chef seine Vertrauten an wichtige Schalthebel setzen. Aber auch ein Wechsel in der Produktpalette kann den Job von Leitenden bedrohen. „In der Praxis werden viele in Ungnade gefallene Führungskräfte mit der Zwangsversetzung aufs Abstellgleis bedroht“, sagt Christoph Abeln, Inhaber der gleichnamigen Berliner und Frankfurter Kanzlei mit Spezialgebiet Arbeitsrecht. „Mit vergifteten Angeboten möchte man den Leitenden dann loswerden“.

Auf dem Abstellgleis: Unliebsame Mitarbeiter werden nicht selten versetzt. dapd

Auf dem Abstellgleis: Unliebsame Mitarbeiter werden nicht selten versetzt.

Das Problem für die Chefs: Der Mitarbeiter mag wohl begrenzt leistungsfähig oder den Kollegen kaum vermittelbar sein. Als Kündigungsgründe gelten solche Einschätzung aber nicht. Eine potenzielle Abfindung wäre daher bei Führungskräften, die schon seit Jahrzehnten im Unternehmen sind und obendrein lange vertragliche Kündigungsfristen vereinbart haben, viel zu teuer.

„Rechtsstreitigkeiten um Aufgabenänderungen sind daher bei Führungskräften deutlich häufiger anzutreffen als Kündigungsschutzverfahren“, sagt Abeln. Soll der Mitarbeiter nicht wirklich mit neuen Aufgaben betraut werden, könne das Unternehmen ihn mit einer taktisch gut platzierten Versetzung weich kochen, bis dieser selbst das Handtuch wirft.

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