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09.08.2011

17:52 Uhr

Ratlose Experten

Börsenprofis haben Angst vor „Lehman II“

Die sogenannten Experten tun sich mit Vorhersagen momentan schwer. Banken senken reihenweise ihre Dax-Prognosen. Viele Analysten wollen am liebsten gar keine neuen Ziele nennen.

Angesichts der täglichen Kurseinbrüche sind selbst Börsenexperten ratlos, wo der Dax zum Jahresende stehen wird. Quelle: Reuters

Angesichts der täglichen Kurseinbrüche sind selbst Börsenexperten ratlos, wo der Dax zum Jahresende stehen wird.

FrankfurtDie Panikverkäufe an den Aktienmärkten machen den Börsenpropheten das Leben schwer. Nur wenige Wochen alte Prognosen, die den Dax zum Jahresende bei rund 7600 Punkten sahen, sind inzwischen Makulatur. Die Deutsche Bank senkte ihre Prognose für den deutschen Leitindex Ende Dezember am Dienstag auf 6.800 Punkte. Manche Experten warnen sogar vor einem Einbruch wie in der Finanzkrise 2008. „Wenn die EU-Staaten eine Zahlungsunfähigkeit Italiens nicht verhindern, wäre das wie Lehman II“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Die Commerzbank hatte ihre Prognose für den Dax Ende 2011 bereits in der vergangenen Woche von 8.200 auf 7.500 Punkte gesenkt. Damit müsste der deutsche Leitindex, der heute zeitweise um über sieben Prozent auf 5503 Punkte fiel, bis Jahresende knapp 2000 Punkte aufholen. „Die Märkte werden sich allerdings erst nachhaltig erholen, wenn klar ist, wie sich die Schuldenkrise entwickelt“, warnte Krämer. Sein Kollege Christian Gattiker, der die Research-Abteilung der Schweizer Bank Julius Bär leitet, geht davon aus, dass die Märkte bis „tief in den Herbst 2011 hinein“ schwierig bleiben werden.

Der Tag an den Märkten (Stand: 18:00 Uhr)

Dax

+3,3 Prozent

SMI (Schweiz)

+5,0 Prozent

CAC 40 (Frankreich)

+2,9 Prozent

FTSE 100 (Großbritannien)

+/- 0 Prozent

ASE (Griechenland)

+0,3 Prozent

Ibex 35 (Spanien)

+3,6 Prozent

MIB (Italien)

-1,0 Prozent

Eurostoxx 50

+2,9 Prozent

Dow Jones

+2,6 Prozent

Nasdaq

+3,3 Prozent

S&P 500

+2,9 Prozent

Nikkei

-0,6 Prozent

CSI 300 (China)

+1,5 Prozent

Gold

-1,9 Prozent

Silber

-0,6 Prozent

Öl (Brent)

+1,5 Prozent

Dollar

1 Euro = 1,422 Dollar / +0,5 Prozent

CDS Deutschland

+85 Basispunkte

CDS USA

+54 Basispunkte

CDS Frankreich

+ 174 Basispunkte

Bundesanleihen (10 Jahre)

+/- 0 Basispunkte

US-Staatsanleihen (10 Jahre)

+5 Basispunkte

Griechische Staatsanleihen (10 Jahre)

+8 Basispunkte

Spanische Staatsanleihen (10 Jahre)

-5 Basispunkte

Italienische Staatsanleihen (10 Jahre)

-6 Basispunkte

Investoren fürchten derzeit neben den Nachwehen der Herabstufung der US-Bonität durch die Ratingagentur Standard & Poor's einen Rückfall der Wirtschaft in die Rezession. Sie warnen, dass der Sparkurs vieler schuldengeplagter Staaten die Weltkonjunktur abwürgen könnte. „Der Ausverkauf wird wegen schwacher makroökonomischer Daten und der Risiken durch die Schuldenkrise in den Industriestaaten weitergehen“, erklärte Deutsche-Bank-Analyst Lars Slomka.

Markus Reinwand von der Helaba, der mit 6500 Punkten vor der jüngsten Talfahrt den niedrigsten Endstand 2011 prognostizierte, will an seiner Vorhersage vorerst festhalten. „Wir haben erwartet, dass es eine Korrektur geben wird, sind aber vom Ausmaß und Tempo überrascht“, sagte er zu Reuters. Falls die Staatsschuldenkrise eskaliere und stark auf die Realwirtschaft durchdrücke, werde er sein Kursziel gegebenenfalls senken.

Kommentare (8)

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KriminelleMachenschaften

09.08.2011, 17:39 Uhr

Viele Analysten im Angestelltenverhaeltnis werden hier zitiert. Egal was sie so progonstizieren, den Gehalts-Scheck zahlt der Steuerzahler.

Sie revidieren ihre Meinung. Soso. Aber diesmal sind sie sich ganz sicher mit ihrer Analyse? Witzig. DDR 2.0

Account gelöscht!

09.08.2011, 17:48 Uhr

Die Daseinsberechtigung dieser Analysten ist mir nie klar geworden, schon gar nicht deren exorbitante Bezahlung.

Da kann mein Wellensittich den DAX-Jahresendstand zuverlässiger vorhersagen.

Account gelöscht!

09.08.2011, 19:21 Uhr

Gerade deutsche Aktien waren besonders stark eingebrochen, obwohl sie gewiss weniger stark von einer amerikanischen Rezession betroffen sind als US-Aktien. Manche deutsche Aktien waren in der letzten Zeit enorm gestiegen. So stehen z.B. BASF oder Linde nach dem herben Einbruch immer noch höher als bei ihrem Höchststand 2007 vor der damaligen Krise. Wenn Dax-Prognosen gesenkt werden, ist dies zum Teil eine normale Korrektur, bei der die Rezessionsangst nun vorgeschoben werden kann. Es wurde das schöne Wort "deutsche Qualitätsaktien" verwendet, um Anleger zu immer höheren Kursen anzustacheln.
Es gibt zwar auch einen Zusammenhang zur Rating-Abstufung der USA und der Schuldenproblematik, aber dies ist nicht die alleinige Ursache für das Chaos der vergangenen Tage. Das Chaos kommt teils auch durch fragwürdige Regeln, z.B. "Nie in ein fallendes Messer greifen, sondern Bodenbildung abwarten." Diese Regel kann fatale Folgen haben, aber die Börsenprofis wollen die Politik und andere externe Ursachen als alleinigen Grund vorschieben, damit sie weiter ihre fragwürdigen Praktiken anwenden können. Und die Medien machen dabei leider oft mit.

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