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10.02.2014

17:51 Uhr

1600 Genussrechteinhaber betroffen

Windwärts meldet Insolvenz an

Genau wie Prokon sammelte der Windkraft-Projektierer Windwärts Geld für den Bau von Windanlagen bei Privatpersonen ein – und hat nun auch Insolvenz angemeldet. Noch ist eine Rettung möglich.

Ein Windrad der Windwärts Energie GmbH mit bunten Leuchtfeldern bei Sehnde-Müllingen (Region Hannover). dpa

Ein Windrad der Windwärts Energie GmbH mit bunten Leuchtfeldern bei Sehnde-Müllingen (Region Hannover).

HannoverNach dem Windenergie-Unternehmen Prokon hat auch der niedersächsische Windkraft-Projektierer Windwärts Insolvenz angemeldet. Windwärts sammelte ebenso wie Prokon bei Privatpersonen Geld für den Bau von Windanlagen ein, allerdings in deutlich kleineren Dimensionen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Römermann haben rund 1600 Inhaber von Genussrechten etwa 18,9 Millionen Euro investiert. Römermann sagte am Montag in Hannover, er sei aber vorsichtig optimistisch, was die Zukunft des Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitern angehe.

Grund für den Insolvenzantrag sind nach Angaben von Römermann Verzögerungen bei diversen Projekten, die eigentlich im vergangenen Jahr abgeschlossen werden sollten. So hätten Naturschützer in der Nähe einer geplanten Anlage das Nest eines Roten Milans entdeckt, dadurch habe es monatelange Verzögerungen gegeben. In einem anderen Fall sei eine Anlage unter einer Überflugstrecke der Bundeswehr geplant gewesen, die aber aus Gründen der militärischen Geheimhaltung in keiner Karte verzeichnet gewesen sei. Mit dem Fall Prokon sei Windwärts nicht zu vergleichen.

„Es gibt keine gescheiterten Projekte, sondern nur verzögerte“, erklärte der Insolvenzverwalter. Deswegen habe es Windwärts an Liquidität gefehlt, auch um Zinsen an Anleger auszuzahlen. „Wir werden die Projekte jetzt so schnell wie möglich vorantreiben, dann kriegen wir das Unternehmen auch wieder auf gesunde Füße.“ Die Mitarbeiter seien sehr motiviert, gutes Know-How vorhanden. Es gebe seiner Einschätzung nach keine strukturellen Schwierigkeiten beim Projektmanagement.

Die 1994 gegründete Firma Windwärts hatte für ihre Projekte unter anderem auch Geld durch Genussrechte eingeworben. Daneben sammelt Windwärts Kapital aber auch über geschlossene Fonds ein und realisiert Projekte mit großen institutionellen Anlegern. Die Fonds sind nach Windwärts-Angaben nicht von der Insolvenz betroffen, da sie rechtlich eigenständig sind. Insgesamt errichtete Windwärts bisher knapp 150 Windräder, 38 Photovoltaik- und eine Biogasanlage.

Aufgrund der Schwierigkeiten hatte Westwärts nach eigener Darstellung bereits Ende vergangenen Jahres ein Restrukturierungsprogramm eingeleitet und sich unter anderem aus dem Photovoltaikmarkt zurückgezogen. Trotzdem hätten im Dezember und Januar Zinsen auf und planmäßige Rückzahlungen von Genussrechtskapital in Höhe von insgesamt 3,3 Millionen Euro nicht geleistet werden können. Als ein im Rahmen von Bank-Gesprächen erstelltes Gutachten zu dem Schluss kam, dass diese Ansprüche bei der Prüfung der Zahlungsunfähigkeit mit zu berücksichtigen seien, reichte die Firma demnach am vergangenen Freitag sofort einen Insolvenzantrag ein.

Erst vor wenigen Wochen hatte die vorläufige Insolvenz des schleswig-holsteinischen Windparkfinanzierers Prokon für Aufmerksamkeit gesorgt. Das Unternehmen hatte durch den Verkauf von Genussrechten etwa 1,4 Milliarden Euro von rund 75.000 Anlegern eingenommen. Nachdem viele Geldgeber begonnen hatten, ihre Einlagen zurückzufordern, war Prokon in Turbulenzen gestürzt.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

10.02.2014, 14:48 Uhr

Ich würde immer die Finger von Firmen lassen, die so auftreten, wie das Windrad am Anfang des Artikels.

Das erinnert immer an bunte, heile Welt und alles wird gut.

VG
Marvel

Mazi

10.02.2014, 15:32 Uhr

Der nächste Fall und schon wieder die Frage nach der BaFin.

Wäre es nicht ein schöner Zug, wenn die GRÜNEN-Abgeordneten unter sich sammeln und die Anleger entschädigen? Schließlich waren sie es, die die Anleger zu solchen Investments verleitet haben. Einschließlich dem EEG-Gesetz, dass sie verbrochen haben - zum Zucker für den Tiger!

Account gelöscht!

10.02.2014, 18:16 Uhr

Noch ein Ausbeuter weniger.

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