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29.09.2015

10:43 Uhr

Abgas-Skandal bei VW

Wie viel Schaden übernimmt die Versicherung?

6,5 Milliarden Euro Rückstellungen, vielleicht 18 Milliarden US-Dollar Bußgeld: Der Abgas-Skandal wird teuer für VW. Top-Manager können solche Summen nicht zahlen. Doch auch die Versicherung kommt nicht für alles auf.

Klagewelle kommt ins Rollen

Abgas-Skandal: Auch Volkswagen AG stellt Strafanzeige

Klagewelle kommt ins Rollen: Abgas-Skandal: Auch Volkswagen AG stellt Strafanzeige

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DüsseldorfNach dem Abgas-Skandal sucht der VW-Konzern nach den Verantwortlichen für die Manipulation. Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte D&O-Versicherung, die Manager bei Verfehlungen und Versäumnissen vor Regressforderungen ihrer Arbeitgeber schützen soll. Experten rechnen aber damit, dass die Versicherer VW nur einen Bruchteil des milliardenschweren Schadens erstatten. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist die D&O-Versicherung?
Fehler und Versäumnisse in der Chefetage können gerade in großen Unternehmen immense Schäden nach sich ziehen. Vorstände und Aufsichtsräte haften dafür, was in ihrem Verantwortungsbereich geschieht. Großkonzerne, aber auch viele mittelständische Unternehmen sichern ihre Spitzenkräfte daher mit einer Directors- and Officers-Versicherung (D&O) ab. Sonst müssten die Manager Schadenersatzforderungen ihres Arbeitgebers aus ihrem Privatvermögen begleichen.
VW beziffert den Schaden aus dem Abgas-Skandal bislang auf 6,5 Milliarden Euro. Zudem droht dem Autobauer in den USA ein Bußgeld von bis zu 18 Milliarden US-Dollar. Solche Summen könnten selbst Spitzenmanager nicht aufbringen. Auch Versicherer teilen sich die Last: Bei Deckungen für Großkonzerne sind gleich mehrere von ihnen mit im Boot, bei VW unter anderem die Allianz und laut „Börsen-Zeitung“ der Schweizer Versicherer Zurich.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Deckt die Versicherung jeden Schaden ab, den Manager anrichten?
Die Manager-Haftpflichtversicherung steht für Vermögensschäden gerade, die Vorstände oder Aufsichtsräte durch Fehler im Unternehmen anrichten. Dies können Kosten sein, die dem Unternehmen direkt entstehen – etwa Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kunden. Oder ein Imageschaden, der erst in Zukunft auf Umsatz und Gewinn drückt. Selbst Bußgelder, wie sie VW in den USA drohen, seien in guten Policen mit versichert, sagt D&O-Makler Michael Hendricks aus Düsseldorf.
In bestehenden Policen im Markt seien diese aber oft ausgeklammert, sagt Marcel Roeder, Chef der D&O-Versicherung des Maklers Aon in Hamburg. Die Verlagerung von Bußgeldern auf Manager oder deren Versicherung sei auch haftungsrechtlich umstritten, da die Strafe dann ihre Wirkung verfehle. Auch für wissentlich verursachte Verstöße steht die Versicherung nicht gerade.

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