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17.10.2013

15:03 Uhr

Abgeltungsteuer

Wie teuer wird's für Sparer?

VonKatharina Schneider

Die Absage für Schwarz-Grün dürfte zumindest für Sparer eine Erleichterung sein. Doch auch der mögliche Koalitionspartner SPD will die Abgeltungsteuer erhöhen. Was die Steuerzahler erwarten könnte.

Wie gewonnen, so zerronnen: Mit der Abgeltungsteuer bedient sich der Staat an Kapitalerträgen. dpa

Wie gewonnen, so zerronnen: Mit der Abgeltungsteuer bedient sich der Staat an Kapitalerträgen.

DüsseldorfSteuerzahler können erst einmal aufatmen: Die Sondierungsgespräche zwischen der Union und den Grünen sind gescheitert. Damit ist nun auch die Idee vom Tisch, Kapitaleinkünfte wieder dem Einkommensteuersatz und nicht mehr der 2009 eingeführten Abgeltungsteuer zu unterwerfen. Das hätte für Sparer richtig teuer werden können – doch auch der mögliche Koalitionspartner SPD möchte an der Abgeltungsteuer drehen.

Aktuell funktioniert die Abgeltungsteuer so: Pro Jahr können Sparer 801 Euro Kapitaleinkünfte erzielen, ohne dafür Steuern zu zahlen. Paare haben den doppelten Pauschbetrag von 1602 Euro. Jeder Euro, der darüber liegt, muss versteuert werden. Seit 2009 führen Banken automatisch 25 Prozent Abgeltungsteuer an den Fiskus ab. Doch wer einen persönlichen Einkommensteuersatz von weniger als 25 Prozent hat, kann die Kapitaleinkünfte bei der Einkommensteuererklärung angeben, um eine sogenannte Günstigerprüfung bitten und sich so die zu viel gezahlten Steuern zurückholen.

„Für die Finanzverwaltung und die Banken war die Einführung der Abgeltungsteuer mit hohen Bürokratiekosten verbunden und das Verfahren hat sich gerade erst richtig eingespielt“, sagt Frank Hechtner, Professor für Steuerlehre an der Freien Universität Berlin. „Nun das komplette System wieder umzustellen, würde erneut zu zusätzlichen Kosten führen und wäre schon deshalb keine sinnvolle Alternative.“

Was sich alles von der Steuer absetzen lässt - und was nicht

Hochwertige Oldtimer

Nein, die kann man nicht absetzen. So entschied das Finanzgericht Baden Württemberg, dass Autoliebhaber die Kosten eines teuren Oldtimers als Betriebsausgaben nicht geltend machen können (Az. 6 K 2473/09). Die Richter meinten, diese unangemessenen Repräsentationsaufwendungen seien als Betriebsausgaben nicht abzugsfähig.

Luxusauto

Geht nicht immer, aber manchmal schon. Unternehmer sollten eher davon absehen, sich einen teuren Firmenwagen zuzulegen. Die Richter des Finanzgerichts Nürnberg meinten, ein zweisitziger Mercedes 500 SL deute eher auf einen privaten Fahrspaß hin, als auf Geschäftsfahrten und erkannten die Betriebsausgaben nicht an (Az. I 111/2003). Anders die Richter des Niedersächsischen Finanzgerichts, sie ließen einen Mercedes Roadster 500 SL durchgehen. 75.000 Euro wurden hier anerkannt (Az. 6 K 547/95).

Augenlasern

Hier zahlt der Fiskus teilweise mit. Nach dem deutschen Steuerrecht sind nämlich ärztliche Behandlungen und auch notwendige Operationen außergewöhnliche Belastungen, sofern sie eine bestimmte Zumutbarkeitsgrenze überschreiten. Was wiederum von der Familiensituation abhängig ist. Nach der Rechtsprechung und den Anweisungen der Finanzdirektionen wird eine Augenlaserbehandlung als eine solche außergewöhnliche Belastung anerkannt. Man muss in seiner Steuerklärung einen Beweis für die entstandenen Kosten erbringen und kann diese somit von der Steuer absetzen.

Internate

Auch hier macht der Fiskus mit. Aber nur, soweit es um den Unterricht geht. Kost und Logis müssen schon die Eltern selbst zahlen. Abzugsfähig sind laut Bund der Steuerzahler grundsätzlich 30 Prozent, höchstens aber 5000 Euro.

Füllfederhalter

Eine Luxus-Füllfeder ist ebenfalls steuerlich absetzbar. In einem konkreten Fall ging es um die Anschaffung einer Mont­blanc-Füllfeder samt Etui in der Höhe von 460 Euro. Der Betroffene betonte, dass die Füllfeder ausschließlich aus beruflichen Gründen angeschafft worden sei. Eine private Nutzung sei mangels Veranlassung ausgeschlossen, vielmehr benötige er das Schreibgerät zum Setzen von Unterschriften, Planungen und Arbeitsvorbereitungen für Mitschriften bei Konferenzen und Seminaren. Dies sei insbesondere in Hinblick auf die durch einfache Schreibwaren hervorgerufene Unleserlichkeit der Handschrift geboten. Einen Haken hat die Sache allerdings, bisher gibt dazu nur ein Urteil in Österreich. Bei entsprechender Erklärung, könnte das aber auch in Deutschland klappen.

Samenspende

Funktioniert. Mag sein, dass der entsprechende Eintrag auf der Steuererklärung nicht ganz leicht fällt. Doch es lassen sich Steuern sparen. Wer krankheitsbedingt zeugungsunfähig ist, kann die Kosten für Spendersamen laut einem Urteil steuerlich geltend machen, und zwar als außergewöhnliche Belastung. Dann sind die Aufwendungen abzugsfähig, entschied der Bundesfinanzhof (Az. VI R 43/10)

Bordellbesuche

Es war zu vermuten. Nein, die sind nicht absetzbar. Aber es wurde bereits versucht, und der Bundesfinanzhof hatte darüber zu entscheiden (Az. III R 21/86 ). Argumentiert wurde wie folgt: Eine steuerlich absetzbare Bewirtung als Betriebsausgaben im Sinne des Einkommenssteuergesetzes liegt nur dann vor, wenn die Darreichung von Speisen oder Getränken eindeutig im Vordergrund steht. Beim betrieblichen Bordellbesuch geht es jedoch anders als bei einem Restaurantbesuch nicht um die Schaffung eines angenehmen Rahmens für geschäftliche Gespräche. Das persönliche Vergnügen tritt zu sehr in den Vordergrund. Entsprechende Aufwendungen sind somit nicht von der Steuer absetzbar.

Fitnessstudio

Geht. Sport kann von der Steuer abgesetzt werden. Bei medizinischer Notwendigkeit macht der Fiskus mit. Das Finanzgericht München entschied einen entsprechenden Fall (Az. 1 K 2183/07). So kann das Fitness-Studio von der Steuer abgesetzt werden, wenn der Patient Rückenbeschwerden hat, die durch gezielten Sport eine Verbesserung nach sich ziehen würden. Wichtig ist aber eine Bescheinigung vom Amtsarzt. Dieser muss klarstellen, dass hier eine medizinische Notwendigkeit für den Sport vorliegt.

Beitrag für den Golfclub

Nein, das geht nicht. Der Golfclubbeitrag ist nicht steuerlich absetzbar. Das Finanzgericht Köln hat entschieden, dass ein Händler von Sportartikeln auch nicht anteilig seinen Mitgliedsbeitrag für einen Golfclub steuerlich geltend machen kann (Az. 10 K 3761/08). Die Ausübung einer Trendsportart wie Golf betreffe in erheblichem Umfang die private Lebensführung. Deswegen lässt sich hier nichts absetzen.

Wie hoch die steuerliche Mehrbelastung aussehen würde, hat der Bund der Steuerzahler für zwei Beispielfälle berechnet. Nach geltender Rechtslage müsste ein lediger Arbeitnehmer mit einem Bruttojahreseinkommen von 40.000 Euro und einem Kapitalertrag von 2000 Euro derzeit rund 316 Euro Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag zahlen. Würde sein persönlicher Steuersatz auf die Kapitaleinkünfte angewandt, müsste er rund 402 Euro zahlen – 106 Euro mehr.

Noch deutlicher wäre die Mehrbelastung bei einem Bruttojahreseinkommen von 100.000 Euro und einem Kapitalertrag von 5.000 Euro ausgefallen: Statt 1107 Euro wären 1860 Euro fällig, also rund 753 Euro mehr. Grundlage für die Berechnungen ist jeweils der Einkommensteuertarif 2013, ohne Kirchensteuer und unter Berücksichtigung des Sparerpauschbetrags, des Werbungskostenpauschbetrags sowie der Vorsorgeaufwendungen.

Kommentare (28)

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Wutbuerger

17.10.2013, 15:19 Uhr

Wenn die Steuer für Sparer noch weiter erhöht wird, dann wird nicht mehr gespart und dann wird das Geld auch außerhalb von Europa ausgegeben (Urlaub) damit Deutschland und Europa nichts mehr davon sehen!!!
Sollen die Politiker und Firmen erst ein mal richtig Steuern zahlen!!! Ich wäre für Vermögenssteuer ab 50.000 Euro und Reichensteuer ab 100.000 Euro und Super-Reichensteuer ab 1.000.000 Euro. Die reichen werden immer reicher weil sie überall sparen oder was abschreiben und Geld anders anlegen können als wir kleinen. WEHRT EUCH!!!

Account gelöscht!

17.10.2013, 15:26 Uhr

Wenn der persönliche EK-Steuersatz angewendet werden soll, müssen aber auch Verluste aus Kapitaleinkünften mit allen Einkommensarten verrechnet werden können. Die Splittung in Sektoren (Aktien, Derivate, Arbeiseinkommen etc.), mit der Schäuble den Steuersatz auf Kapitaleinkünfte in der Praxis über die derzeitigen 28% erhöht muss dann weg.

Außerdem muss die (reale nicht die vom Staat schön gerechnete) Inflation steuerfrei gestellt werden, denn diese ist ja kein Einkommen sondern ein vermiedener Verlust. Zur Vereinfachung würde ich auch den Freiberag für Kapitaleinkübfte einfach auf den Grundfreibetrag aufschlagen. Das spart den Bürgern und Banken viel Arbeit mit der Krümelkackerei der Freistellungsaufträge.

investival

17.10.2013, 16:18 Uhr

>> Kapitaleinkünfte wieder dem Einkommensteuersatz und nicht mehr der 2009 eingeführten Abgeltungsteuer zu unterwerfen <<
Wenn man dann auch 'wieder' die Steuerfristen und das Halbeinkünfteverfahren neben dem alten Freibetrag einführt - wäre das in Reflexion der in jeder Hinsicht kontraproduktiven Steinbrück-Steuer mal ein Rückschritt, den man als Fortschritt begreifen könnte.
Steinbrück's coole Begründung 'Lieber 25 % von x als nix' war mit der flächendeckenden Implementierung der Spekulations-G/V-Rechnung bankenseits kurz vorher schon damals obsolet.

Ohne dem wäre es eine Steuererhöhung und damit erneut ein CDU-Wortbruch - zudem eine Erhöhung einer volkswirtschaftlich selten dämlich-masochistischen Inflationsbesteuerung, die es in anderen westlichen Ökonomien wohlweislich als solche nirgends gibt.
Da würde dann auch keine Erhöhung eines zuvor mehrfach gesenkten Sparerfreibetrags um einen Alibibertrag helfen - für so dumm sollte man Leute, die noch Kapital anzulegen haben resp. vorsorgen wollen, nun wirklich nicht (mehr) halten, nur weil sie in Medien und bei Verbandsfunktionären keine Lobby haben wie die Banken, die sich vor einer effektiven Besteuerung ihrer Derivategeschäfte erfolgreich winden.

Auf den nächsten coolen Finanzministerspruch zur Rechtfertigung könnte man dann noch gespannt sein, und vl. noch auf das nächste (CDU-)Wahlergebnis - bevor man als leistungfähiger und -williger Deutscher besser das Weite sucht.

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