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28.09.2015

16:39 Uhr

Abschiedsfeier und Steuern

So unterstützt der Fiskus die Partykasse

VonConstanze Elter

Veranstaltet ein Arbeitnehmer bei einem Jobwechsel eine Abschiedsfeier für Kollegen und Geschäftspartner, kann er die Kosten steuerlich geltend machen. Bei Partys aus anderen Anlässen macht der Fiskus aber nicht mit.

Manche Feiern können von der Steuer abgesetzt werden. dpa

Gedeckter Tisch

Manche Feiern können von der Steuer abgesetzt werden.

MünsterGeht man im Guten, kann man einen Abschied auch mit den bisherigen Kollegen und Vorgesetzten feiern. Eine nette Runde, Wein und gutes Essen: Das macht den Weggang für alle ein bisschen leichter. Ob die Kosten für eine solche Feier allerdings steuerlich abzugsfähig sind, ist nicht immer ganz klar. Denn der Bundesfinanzhof rechnet andere Einladungen von Arbeitnehmern – etwa anlässlich eines Dienstjubiläums oder eines Geburtstags – dem privaten Bereich zu.

Vor dem Finanzgericht Münster stritt sich nun ein Diplom-Ingenieur mit seinem zuständigen Finanzamt. Mehrere Jahre war er im Unternehmen als leitender Angestellter beschäftigt, nun wechselte er an eine Fachhochschule, um dort eine Lehrtätigkeit im Fachbereich Maschinenbau aufzunehmen.

Was sich alles von der Steuer absetzen lässt - und was nicht

Hochwertige Oldtimer

Nein, die kann man nicht absetzen. So entschied das Finanzgericht Baden Württemberg, dass Autoliebhaber die Kosten eines teuren Oldtimers als Betriebsausgaben nicht geltend machen können (Az. 6 K 2473/09). Die Richter meinten, diese unangemessenen Repräsentationsaufwendungen seien als Betriebsausgaben nicht abzugsfähig.

Luxusauto

Geht nicht immer, aber manchmal schon. Unternehmer sollten eher davon absehen, sich einen teuren Firmenwagen zuzulegen. Die Richter des Finanzgerichts Nürnberg meinten, ein zweisitziger Mercedes 500 SL deute eher auf einen privaten Fahrspaß hin, als auf Geschäftsfahrten und erkannten die Betriebsausgaben nicht an (Az. I 111/2003). Anders die Richter des Niedersächsischen Finanzgerichts, sie ließen einen Mercedes Roadster 500 SL durchgehen. 75.000 Euro wurden hier anerkannt (Az. 6 K 547/95).

Augenlasern

Hier zahlt der Fiskus teilweise mit. Nach dem deutschen Steuerrecht sind nämlich ärztliche Behandlungen und auch notwendige Operationen außergewöhnliche Belastungen, sofern sie eine bestimmte Zumutbarkeitsgrenze überschreiten. Was wiederum von der Familiensituation abhängig ist. Nach der Rechtsprechung und den Anweisungen der Finanzdirektionen wird eine Augenlaserbehandlung als eine solche außergewöhnliche Belastung anerkannt. Man muss in seiner Steuerklärung einen Beweis für die entstandenen Kosten erbringen und kann diese somit von der Steuer absetzen.

Internate

Auch hier macht der Fiskus mit. Aber nur, soweit es um den Unterricht geht. Kost und Logis müssen schon die Eltern selbst zahlen. Abzugsfähig sind laut Bund der Steuerzahler grundsätzlich 30 Prozent, höchstens aber 5000 Euro.

Füllfederhalter

Eine Luxus-Füllfeder ist ebenfalls steuerlich absetzbar. In einem konkreten Fall ging es um die Anschaffung einer Mont­blanc-Füllfeder samt Etui in der Höhe von 460 Euro. Der Betroffene betonte, dass die Füllfeder ausschließlich aus beruflichen Gründen angeschafft worden sei. Eine private Nutzung sei mangels Veranlassung ausgeschlossen, vielmehr benötige er das Schreibgerät zum Setzen von Unterschriften, Planungen und Arbeitsvorbereitungen für Mitschriften bei Konferenzen und Seminaren. Dies sei insbesondere in Hinblick auf die durch einfache Schreibwaren hervorgerufene Unleserlichkeit der Handschrift geboten. Einen Haken hat die Sache allerdings, bisher gibt dazu nur ein Urteil in Österreich. Bei entsprechender Erklärung, könnte das aber auch in Deutschland klappen.

Samenspende

Funktioniert. Mag sein, dass der entsprechende Eintrag auf der Steuererklärung nicht ganz leicht fällt. Doch es lassen sich Steuern sparen. Wer krankheitsbedingt zeugungsunfähig ist, kann die Kosten für Spendersamen laut einem Urteil steuerlich geltend machen, und zwar als außergewöhnliche Belastung. Dann sind die Aufwendungen abzugsfähig, entschied der Bundesfinanzhof (Az. VI R 43/10)

Bordellbesuche

Es war zu vermuten. Nein, die sind nicht absetzbar. Aber es wurde bereits versucht, und der Bundesfinanzhof hatte darüber zu entscheiden (Az. III R 21/86 ). Argumentiert wurde wie folgt: Eine steuerlich absetzbare Bewirtung als Betriebsausgaben im Sinne des Einkommenssteuergesetzes liegt nur dann vor, wenn die Darreichung von Speisen oder Getränken eindeutig im Vordergrund steht. Beim betrieblichen Bordellbesuch geht es jedoch anders als bei einem Restaurantbesuch nicht um die Schaffung eines angenehmen Rahmens für geschäftliche Gespräche. Das persönliche Vergnügen tritt zu sehr in den Vordergrund. Entsprechende Aufwendungen sind somit nicht von der Steuer absetzbar.

Fitnessstudio

Geht. Sport kann von der Steuer abgesetzt werden. Bei medizinischer Notwendigkeit macht der Fiskus mit. Das Finanzgericht München entschied einen entsprechenden Fall (Az. 1 K 2183/07). So kann das Fitness-Studio von der Steuer abgesetzt werden, wenn der Patient Rückenbeschwerden hat, die durch gezielten Sport eine Verbesserung nach sich ziehen würden. Wichtig ist aber eine Bescheinigung vom Amtsarzt. Dieser muss klarstellen, dass hier eine medizinische Notwendigkeit für den Sport vorliegt.

Beitrag für den Golfclub

Nein, das geht nicht. Der Golfclubbeitrag ist nicht steuerlich absetzbar. Das Finanzgericht Köln hat entschieden, dass ein Händler von Sportartikeln auch nicht anteilig seinen Mitgliedsbeitrag für einen Golfclub steuerlich geltend machen kann (Az. 10 K 3761/08). Die Ausübung einer Trendsportart wie Golf betreffe in erheblichem Umfang die private Lebensführung. Deswegen lässt sich hier nichts absetzen.

Anlässlich dieser beruflichen Veränderung lud er Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzte, Kunden, Geschäftspartner, Behördenvertreter und Wissenschaftler zu einem Essen in einem Hotel ein. Die Kosten für die Feierlichkeiten – inklusive der Band – in Höhe von rund 5200 Euro machte er als Werbungskosten geltend.

Das lehnte das Finanzamt ab. Die Auswahl von Gästen, Örtlichkeit und zeitlichem Rahmen lieferten genug Hinweise auf einen privaten Anlass. Allein die Anrede der Gäste mit „liebe Weggefährten“ in der Einladung zeige, dass der Kläger ihnen auch privat verbunden sei.

Das Finanzgericht Münster schlug sich jedoch auf die Seite des Steuerzahlers und legte in der Urteilsbegründung ausführlich dar, wann eine solche Feier als beruflich veranlasst gelten könne und die Kosten damit abzugsfähig seien (Az.: 4 K 3236/12 E). Zunächst der Anlass der Feier: Ähnlich wie eine Verabschiedung in den Ruhestand sei auch ein Arbeitgeberwechsel der letzter Akt des aktiven Dienstes im Unternehmen. Damit habe die Feier beruflichen Charakter. Da dieses Indiz zwar hilfreich, aber nicht ausreichend sei, müssten weitere Punkte betrachtet werden...

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