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11.08.2012

13:30 Uhr

Achtung, Internetfalle!

Das miese Geschäft mit Kundenbewertungen

VonMoritz Schröder

Mit immer dreisteren Methoden versuchen Kriminelle, gefälschte Kundenbewertungen im Netz zu verbreiten. Die Portale setzen auf schärfere Zugangskontrollen. Ein neuer Betrugsfall zeigt, warum sie trotzdem oft versagen.

Gefälschte Bewertungen

Betrug beim Kauf im Internet

Gefälschte Bewertungen: Betrug beim Kauf im Internet

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Düsseldorf„Top Ware und günstigster Preis“… „Note 1+ für schnelle Abwicklung“… „Reibungsloser Ablauf“. So viel Begeisterung steckt an. Gerhard Löffler zögerte nicht lange und klickte auf „Bestellen“. Heute sagt er: „Da hat mein Verstand ausgesetzt.“ Der 3D-Fernseher aus dem Elektronikshop „my-store-365.de“ war vielleicht unschlagbar günstig, nur ist er nie beim Kunden angekommen. Dass er seine gut 350 Euro nochmal wiedersieht, glaubt Gerhard Löffler nicht. Hinter dem hochgelobten Onlinehändler steckte ein Betrüger. Die Seite ist längst offline, sein Betreiber unauffindbar.

Mit dem Schaden ist Löffler nicht allein. Mehr als 600 Kunden sind auf die seriöse Online-Präsenz und die zuckersüßen Kundenbewertungen reingefallen. Die Polizei konnte einiges von dem erschlichenen Geld sicherstellen. Der Rest – rund 40.000 Euro – hat der Täter längst von seinen Konten geholt.

E-Commerce in Zahlen

Der Handel

Im Jahr 2011 machte der elektronische Handel 14 Prozent am Gesamtumsatz der Unternehmen in der Europäischen Union aus. Das zeigen Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat. In Deutschland sind die Firmen mit einem Anteil von 17 Prozent überdurchschnittlich online-affin. Die Tschechische Republik liegt mit 25 Prozent an der Spitze.

Der Einkauf

Laut Studienergebnissen des IT-Verbands Bitkom kaufen bereits neun von zehn Internetnutzern Waren und Dienstleistungen im Internet ein. Demnach haben knapp 40 Prozent der User bereits Eintrittskarten für Theater, Konzerte oder Ähnliches online gekauft. Knapp darunter landet der Kauf von Flügen (38,2 %), gefolgt von Musik (36,6 %), Büchern (32,3 %) und Übernachtungen, z.B. im Hotel (30,4 %).

Online-Reisebüros

Mehr als fünf Millionen Bundesbürger buchen Reisen und Hotels grundsätzlich über die Websites der Anbieter, so Ergebnisse einer Bitkom-Erhebung. Besonders beliebt ist demnach das Buchen von Hotelzimmern und Übernachtungen, womit etwa 23 Millionen Deutsche bereits Erfahrungen gemacht haben.

Die Produktinformationen

Studienergebnisse des Verbands Bitkom bzw. der Statistikbehörde Eurostat zeigen, dass 70 Prozent der Deutschen Informationen über Waren und Dienstleistungen im Internet sammeln, bevor sie tatsächlich kaufen. Auch, wer Computer, Smartphones oder Flachbildfernseher im Internet ersteht, informiert sich oft bereits dort über Preise und Qualität der Produkte. Mehr als 90 Prozent der Internetnutzer suchen laut weiteren Umfrageergebnissen von Bitkom online nach entsprechenden Informationen, meist direkt bei den Shops. Mit 62 Prozent ist der Fachhandel bei der Kaufberatung deutlich abgeschlagen.

Die Bewertungen

Jeder zweite Internetnutzer schaut sich Bewertungen anderer Kunden vor dem Kauf an, zeigen Daten von Bitkom. Eine direkte Auswirkung auf die Kaufentscheidung haben die Nutzerkommentare demnach bei jedem Dritten. Eigene Bewertungen zu Produkten und Dienstleistungen schreibt rund ein Fünftel der Internetnutzer.

Die Urteile der Kunden sollten ursprünglich ein Stückchen Wahrheit bringen ins marketinggeflutete Internet. Denn sie wecken Vertrauen: Nach aktuellen Zahlen des IT-Verbands Bitkom lässt sich bereits jeder dritte Internetnutzer bei seiner Kaufentscheidung von Bewertungen anderer Käufer beeinflussen. Mit dieser vermeintlichen Sicherheit machen die Online-Abzocker Kasse.

Nicht nur der Fall „my-store-365.de“ zeigt, dass Kundenmeinungen oft zum digitalen Lockstoff verkommen sind. Verbreitet sind Fakes zum Beispiel auch bei Online-Rezensionen über neue Filme, verrät ein Insider. „Dass Labels unter Pseudonym eigene DVDs bewerten, ist Gang und Gäbe“, so der Inhaber einer Filmproduktionsfirma. „Wenn zehn Prozent der Kommentare manipuliert sind, ist das auch nicht das Problem. Da ist der Wettbewerb noch nicht verzerrt.“

In diesem Glauben habe auch er mehrere Jahre lang manipulierte Texte schreiben lassen, meist von Mitarbeitern oder Bekannten. Doch irgendwann kamen Gewissensbisse: „Das hat in der Branche einfach Überhand genommen. Heute mache ich lieber Fair-Play."

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

02.08.2012, 07:51 Uhr

Deshalb sollte man auch nicht die positiven Berichte, sondern vornehmlich die negativen Berichte lesen.

eigene_dummheit

02.08.2012, 08:25 Uhr

sorry, aber ich bin einfach dahingehend immer wieder überrascht, wie schnell auch jeder seinen "glauben" verlieren kann, nur weil man irgendwo über irgendeine Seite nochmal 10 EUR sparen kann. wer kauft auch schon bei my-store-365?!?!? da bleibt man eben mal etwas konservativer und kauft bei amazon - nur da weiss ich wenigstens, dass es den laden gibt. oder lasse mich eben auf dieses Risiko ein. sorry, kein Verständnis. kommt genauso wie mit den pishing emails (Artikel auch vor ein paar tagen auf HB online) - etwas eigene Dummheit und Naivität ist eben auch schon immer mit dabei.

MacFly

02.08.2012, 08:51 Uhr

Genau Richtig! Das größte Problem ist in der Regel der Verbraucher selbst und man kann kaum jemanden vor sich selbst schützen!

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