Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.05.2012

11:21 Uhr

Aktionäre vor Gericht

Chancen und Risiken von Anlegerprozessen

Mit Aktien kann man viel Geld verlieren. Betroffene Aktionäre versuchen durch Klagen dieses zurückzubekommen. Welche Aussichten die wichtigsten Anlegerprozesse in Deutschland haben.

Demonstranten in Hamburg nach der Lehman-Pleite. Der Prozess gegen das Bankhaus Lehman Brothers zieht sich über Jahre hin. dpa

Demonstranten in Hamburg nach der Lehman-Pleite. Der Prozess gegen das Bankhaus Lehman Brothers zieht sich über Jahre hin.

DüsseldorfDas Frankfurter Oberlandesgericht hat die Musterklage eines Kleinanlegers gegen die Deutsche Telekom auf Schadenersatz am Mittwoch abgelehnt. Der Anwalt des Klägers kündigte umgehend Beschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) an. Insgesamt fordern gut 16.000 Kleinanleger von der Telekom zusammen 80 Millionen Euro Schadenersatz, da sie aufgrund falscher Informationen die T-Aktie gekauft und dann Kursverluste erlitten hätten.

Dies ist nicht der einzige Anlegerprozess, der vor deutschen Gerichten verhandelt wird. Musterprozesse ziehen sich aufgrund ihrer hohen Bedeutung über Jahre. Doch welche Chancen haben Anleger überhaupt bei diesen Mammut-Prozessen und wie hoch ist das Risiko, dass sie leer ausgehen. Eine Übersicht der größten Anlegerprozesse.

IKB Deutsche Industriebank

Der Skandal: Von der US-Immobilienkrise sei sie „lediglich mit einem einstelligen Millionenbetrag“ betroffen, verkündet die IKB am 20. Juli 2007. Von wegen: Nur acht Tage später muss das Institut zugeben, dass es Milliardenrisiken aufgetürmt hat. Die Staatsbank KfW und mehrere Banken schnüren ein Rettungspaket, die IKB-Aktie fällt binnen eineinhalb Jahren von mehr als 20 auf unter einen Euro.

Rund 150 Aktionäre fordern Schadensersatz von der IKB. Viele haben nach der Pressemitteilung vom 20. Juli 2007 Aktien gekauft, einige bereits im Vorfeld. Diese Gruppe moniert nun, dass die IKB viel früher über Risiken hätte aufklären müssen.

Börsenprospekt: Kleinanleger verlieren im Telekom-Prozess

Börsenprospekt

Kleinanleger verlieren im Telekom-Prozess

Das OLG Frankfurt sah keine gravierenden Fehler im Börsenprospekt aus dem Jahr 2000.

Die Chancen: Nach dem strafrechtlichen Urteil nicht schlecht. Die Hoffnungen der Aktionäre ruhen auf dem BGH, der noch verhandelt. Der Kläger hat am 26. Juli 2007 für 24 000 Euro IKB-Aktien gekauft, die aktuell noch rund 500 Euro wert sind. Das OLG Düsseldorf wies die Klage seinerzeit ab.

„Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der BGH die OLG-Argumentation uneingeschränkt übernimmt“, sagt Katharina Diwischek von Rotter Rechtsanwälte in München. Im strafrechtlichen Urteil gegen Ex-Bankchef Ortseifen habe Karlsruhe „ungewöhnlich deutliche Worte gewählt und dem Ex-IKB-Chef eine Falschinformation des Kapitalmarkts vorgeworfen“.

Für die jetzige Klage ist ein anderer Senat des BGH zuständig, der elfte Zivilsenat um den Vorsitzenden Ulrich Wiechers. Der gilt als anlegerfreundlich und hat eine Revision zugelassen, obwohl das OLG Düsseldorf die „Nichtzulassung“ beantragt hatte.

Das Risiko: Für einen Prozesserfolg des Klägers würde es allerdings nicht reichen, wenn Wiechers & Co. sowie die Strafrichter eine vorsätzliche Manipulation konstatierten. Der Kläger muss die Richter außerdem davon überzeugen, dass die falsche Pressemitteilung der Auslöser für den Aktienkauf war („Kausalität“). Eine Aufgabe, an der schon mancher Anlegeranwalt gescheitert ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×