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15.03.2016

08:27 Uhr

Amazon-Patent

Bezahlen per Selfie

Tech-Unternehmen suchen für Alternativen für die immer unsichereren Passwörter. Amazon will sich nun ein Verfahren patentieren lassen, bei dem Kunden mit Selfie-Videos ihre Identität unter Beweis stellen können.

Amazon testet neue Wege, mit denen die Kunden ihre Identität bestätigen können. Reuters

Selfie

Amazon testet neue Wege, mit denen die Kunden ihre Identität bestätigen können.

San FranciscoDer US-Versandriese Amazon will sich ein Patent sichern, durch das Nutzer beim Einkaufen per Smartphone nicht mehr mit einem Passwort ihre Identität bestätigen, sondern mit Selfie-Videos. In einem nun bekannt gewordenen Patentantrag argumentiert der Konzern, dass eine Kombination aus Gesichts- und Gestenerkennung eine höhere Sicherheit für Kundenkonten garantiere als ein Passwort.

Demnach soll die Smartphone-Kamera Video-Schnipsel aufnehmen, um die Identität des Nutzers zu überprüfen. So soll der Kunde beispielsweise aufgefordert werden, bestimmte Bewegungen oder Gesten zu machen – „zu lachen, zu zwinkern oder den Kopf zu neigen“, erklärt Amazon in dem Patentantrag, den der Konzern Ende vergangenen Jahres eingereicht hat.

Google „Hands Free“: Bezahlen per Selfie oder Fotoabgleich

Google „Hands Free“

Bezahlen per Selfie oder Fotoabgleich

Mastercard will es Kreditkartennutzern ermöglichen, sich mit Selfies auszuweisen. Google ist selbst das noch zu viel: Mobiles Bezahlen soll sogar ohne Griff zum Smartphone möglich werden.

Die Sicherheit von Kundenkonten werde damit verbessert, da es schwierig für Betrüger sei „das Gesicht eines Nutzers dreidimensional zu kopieren“, heißt es darin weiter. Die Gesichtserkennung bei Bezahlvorgängen ist ein Zukunftsthema für viele Firmen. Auch der chinesische Internetriese Alibaba und die Kreditkartenfirma Mastercard sollen an einer solchen Technologie arbeiten.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Von

afp

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