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08.12.2016

17:49 Uhr

Anlagebetrügereien bei S&K

Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Tüv-Süd

Die S&K-Gründer stehen wegen schwerem und bandenmäßigen Betrug vor Gericht. Nun liegen der „Wirtschaftswoche“ interne Mails von Mitarbeitern der Prüfgesellschaft Tüv-Süd vor, die vor Haftungsrisiken gewarnt haben sollen.

Frankfurt/MünchenIm Ermittlungskomplex um millionenschwere Anlagebetrügereien beim Frankfurter Immobilienunternehmen S&K sind neue Vorwürfe gegen die Prüfgesellschaft Tüv Süd bekannt geworden. Der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ liegen interne Mails von Tüv-Mitarbeitern vor, die bereits Monate vor der großen S&K-Razzia im Februar 2013 vor Haftungsrisiken gewarnt haben sollen – ohne dass das Unternehmen dann darauf reagiert habe.

Der Tüv Süd hielt am Donnerstag hingegen an seiner Auffassung fest, dass sich sämtliche Mitarbeiter rechtskonform verhalten hätten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin gegen Tüv-Mitarbeiter wegen des Verdachts der Beihilfe zum schweren Betrug.

S&K in Zahlen

240.000.000

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen die S&K-Gründer und ihre Komplizen Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

11.000

Die S&K-Unternehmensgruppe verfolgte unterschiedliche Geschäftsmodelle. Beispielsweise wurden geschlossene Fonds aufgelegt und Rückzahlungsansprüche von Lebensversicherungskunden erworben. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen rund 11.000 Anleger geschädigt worden sein.

3150

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Frankfurt umfasst 3150 Seiten. Darin wurden sieben Personen angeschuldigt. Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt und Notar Igor P. wurde vom Landgericht Frankfurt jedoch abgetrennt.

2200

Nach Angaben hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden bei den Ermittlungen 2200 Bankkonten ausgewertet.

1774

Zu Beginn der Hauptverhandlung muss ein Teil der Anklageschrift verlesen werden. Dieser sogenannte Anklagesatz umfasst rund 1774 Seiten.

1200

Am 19. Februar 2013 waren 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte zu einer deutschlandweiten Razzia gegen die S&K Unternehmensgruppe und verbundene Unternehmen ausgerückt.

150

Zur S&K-Gruppe sollen 150 verbundene Unternehmen gehört haben.

50

Bei Eröffnung der Hauptverhandlung hat die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt zunächst 50 Verhandlungstage angesetzt.

22

Laut Aushang am ersten Verhandlungstag werden die sechs Angeklagten insgesamt von 22 Anwälten vertreten.

9

An der Hauptverhandlung nehmen neun Richter teil: drei Berufsrichter – der Vorsitzende und zwei beisitzende Berufsrichterinnen – sowie zwei Schöffen (Laienrichter). Zudem sind zwei weitere Berufsrichter als sogenannte Ergänzungsrichter und zwei weitere Schöffen als Ergänzungsschöffen vor Ort.

6

Auf der Anklagebank sitzen die beiden S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller und vier weitere Beteiligte: Der ehemalige leitende S&K-Angestellte Marc-Christian S., der Unternehmer Daniel F. sowie Hauke B. und Thomas G., ehemals Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors.

Die S&K-Gruppe hatte für ihre Immobilienzertifikate mit einem TÜV-Siegel geworben. Das Münchner Unternehmen hat den Ermittlungen zufolge zwar 90.000 Euro Honorar erhalten, will aber kein zu veröffentlichendes Zertifikat verteilt haben. Die S&K-Gründer stehen wegen schwerem und bandenmäßigem Betrug in Frankfurt vor Gericht.

Von

dpa

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