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12.12.2013

06:55 Uhr

Anlagebetrug

Der nächste Madoff kommt bestimmt

VonKatharina Schneider

Vor fünf Jahren flog das Betrugssystem von Bernard Madoff auf. Der Börsenmakler verursachte mehr als 50 Milliarden Dollar Schaden. Einen Teil erhalten Anleger zurück, doch die Kontrollen der Branche sind noch zu schwach.

Es fehlen Kontrollen gegen Anlagebetrüger

Video: Es fehlen Kontrollen gegen Anlagebetrüger

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DüsseldorfNach außen war es ein gut laufender Investmentfonds eines angesehenen Finanz- und Börsenmaklers. Doch dahinter verbarg sich ein hoch komplexes Schneeballsystem, das mehr als 50 Milliarden Dollar Schaden verursachte. Vor fünf Jahren war der Betrug von Bernard Madoff aufgeflogen. Geprellte Anleger hoffen nun, zumindest einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen.

Angefangen hatte Madoff in den 1960er Jahren mit einem Investmentunternehmen. Er gehörte dann zu den Vorreitern beim elektronischen Wertpapierhandel und betrieb schließlich jahrzehntelang ein riesiges System, in dem Anlegerkapital von einer Ecke in eine andere verlagert wurde.

Dabei wurden die Gelder der Anleger gar nicht investiert, sondern neue Einzahlungen genutzt, um die Ausschüttungen an frühere Investoren zu zahlen. Vor fünf Jahren ist der heute 75jährige Madoff verhaftet worden, nachdem er seinen Söhnen den Betrug gestanden hatte. Er wurde von einem US-Gericht zu 150 Jahren Haft verurteilt.

Was Kunden, Banker und Regierung tun sollten

Handlungsempfehlung für Kunden

Was müssen Privatkunden beachten, damit sie sich für das richtige das richtige Finanzprodukt abschliessen? Elf Vorschläge von Julius Reiter, Professor für Banking & Finance an der FOM-Hochschule für Oekonomie und Management und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf.

Verbesserung des Finanzproduktverständnisses

Kunden müssen alle Konsequenzen im Rahmen eines Finanzgeschäfts beurteilen können. Ist dies nicht gegeben, sollten sie auf den Vertragsabschluss verzichten.

Überprüfung der Vertragsdetails

Kunden profitieren bei der Auswahl des geeigneten Finanzprodukts von einer kritischen Prüfung des Vertragswerks. Kunden gewinnen langfristig, wenn sie neben den Chancen und Risiken auch die Gebührenstruktur eines Finanzprodukts kritisch beim Erwerb hinterfragen.

Umgang mit persönlichen Daten

Kunden sollten kritisch hinterfragen, welche Informationen sie dem Finanzberater preisgeben. Weiterhin sollten sie den Umgang mit ihren persönlichen Daten, insbesondere im Internet, restriktiv handhaben. Öffentlich zugängliche personenbezogene Daten können von der Finanzbranche strategisch und in der Beratung verkaufspsychologisch genutzt werden.

Handlungsempfehlung für Banken

Banken sollten für eine erfolgreiches wirtschaften folgende Ratschläge beachten.

Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinen sind im Kaufentscheidungsprozess für Bankkunden eine wichtige Informationsquelle. Eine Suchmaschinenoptimierung erscheint erforderlich, um Kunden entsprechende Informationen zur Verfügung stellen zu können.

Abstimmung des Filial- und Internetangebots

Banken profitieren von einem auf das Kundenbedürfnis ausgerichteten Angebot im Internet. Die Optimierung des Vertriebsweges Internet bei gleichzeitiger Abstimmung mit lokalen Angeboten erscheint sinnvoll.

Optimierung der Vergütungsstruktur

Die Gruppe der Selbstentscheider und der Online-Käufer wächst. 25% der Kunden lassen sich in Banken und bei Finanzdienstleistern beraten, kaufen aber die Finanzprodukte im Anschluss online. Dies steht im Zusammenhang mit gestörtem Vertrauen in die Unabhängigkeit und Kompetenz der Finanzberatung. Entlohnungssysteme im Rahmen der Beratung sollten überprüft und die Qualität der Beratung gegenüber den Kunden deutlicher herausgestellt werden.

Handlungsempfehlung für Gesetzgeber

Juristen sollten die sich nachfolgenden Tipps zu Herzen nehmen.

Reduzierung Vertragskomplexität bei Finanzprodukten

Die Transparenz bei Finanzprodukten ist nicht gegeben. Die Komplexität sollte reduziert und die Transparenz, insbesondere in Bezug auf Kosten und Provisionen, muss erhöht werden. Bei gesetzlicher Verpflichtung der Anbieter zur Offenlegung aller Kosten einer Kapitalanlage in Euro und Cent könnte der Anleger unter Berücksichtigung dieser Kosten von sich aus prüfen, welcher absolute Betrag seiner Anlagesumme überhaupt in die Substanz des Produktes fließt und wie viel „weiche Kosten“ keinem Gegenwert entsprechen.

Unabhängige Beratung fördern

Der Trend zum Selbstentscheider und Online-Kauf bei Finanzprodukten nimmt zu. Dies steht im Zusammenhang mit dem Vertrauensverlust in die Finanzberatung. Ein Fünftel der Befragten kann sich unter Honorarberatung, also unabhängiger Beratung ohne Provisionsvergütung, nichts vorstellen. Es sollte durch den Gesetzgeber ein Berufsbild des Honorarberaters mit qualifizierter Berater-Ausbildung und verbindlichen Qualifikationsanforderungen etabliert werden. Die Verpflichtung für Anbieter, Finanzprodukte als Alternativangebot mit provisionsfreien Nettotarifen anzubieten, könnte den Markt für unabhängige Beratung fördern.

Finanzbildung

Die Finanzbildung sollte als fester Bestandteil in die Schulausbildung integriert werden.

Das System aus mehreren ineinander verschachtelten Fonds war so komplex, dass letztlich kaum ein Privatanleger eine direkte Geschäftsbeziehung zu Madoff hatte. Deshalb konnten sie ihre Forderungen nicht direkt im Insolvenzverfahren geltend machen.

„Madoff-Insolvenzverwalter Irving Picard hat knapp zehn Milliarden Dollar eingesammelt und zum Teil bereits an geschädigte Fonds ausgezahlt“, sagt Annerose Tashiro, Rechtsanwältin und Leiterin des Cross-Border-Teams bei der Kanzlei Schultze und Braun.

Das Geld müssen die Fonds zwar an die Anleger weiterleiten, „aber dennoch haben einige Anleger noch kein oder erst wenig Geld erhalten“, so Tashiro. Neue Hoffnung macht nun ein Topf, den das US-Justizministerium für die Geschädigten zur Verfügung gestellt hat. Dieser wurde mit beschlagnahmtem Vermögen aus den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Madoff und beispielsweise seinen Familienangehörigen gefüllt.

Kommentare (10)

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hundezahn

12.12.2013, 07:36 Uhr

Die französische Kralle Lagarde will sowieso alle enteignen. Besser, man hat Schulden!

Account gelöscht!

12.12.2013, 07:56 Uhr

Erst hat man die Bevölkerung in Riester-/Rürupsparverträge getrieben, jetzt, mit der Niedrigzinspolitik, treibt man das Volk in Aktien und somit die Arme auch in die Arme eben jener Anlagebetrüger, den Zockerbanken

Jens

12.12.2013, 08:13 Uhr

Madoff hat den Fehler gemacht, das Umlageverfahren der gesetzlichen Sozialversicherungen zu kopieren. Er hätte wissen müssen, daß solche Schneeballsysteme nur funktionieren, wenn sie von Wohlfahrtsstaaten organisiert werden. Oder im staatlichen Fall dann das ganze einfach soziale Gerechtigkeit und nicht Anlagebetrug genannt wird.

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