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14.05.2014

11:54 Uhr

Anlagebetrug

Deutsche gehören zu Madoffs Hauptopfern

Wen hat der Anlagebetrüger Bernard Madoff um sein Geld gebracht? Einer Liste des Opferfonds des US-Justizministeriums zufolge gibt es mehr Opfer und höhere Entschädigungsforderungen als gedacht - auch aus Deutschland.

Bernard Madoff nach einer Anhörung vor Gericht (Archivfoto von 2009). Rund 51.700 Anträge auf Entschädigung gingen bei den Behörden ein - viele davon aus Deutschland. Reuters

Bernard Madoff nach einer Anhörung vor Gericht (Archivfoto von 2009). Rund 51.700 Anträge auf Entschädigung gingen bei den Behörden ein - viele davon aus Deutschland.

WashingtonDer Wall-Street-Betrüger Bernard Madoff hat auch viele Deutsche um ihr Geld gebracht. Das legt eine am Dienstag vom Opferfonds des US-Justizministeriums veröffentlichte Liste nahe. Danach haben lediglich US-Amerikaner mehr Schadensfälle geltend gemacht. Es folgen Deutsche, Italiener, Franzosen und Schweizer. Insgesamt gingen 51.700 Anträge aus 119 Ländern auf Entschädigungen ein - deutlich mehr als erwartet.

„Es scheint, als ob mindestens doppelt so viele Investoren wie zuvor gedacht in dem Madoff-Betrug Geld verloren haben“, erklärte Richard Breeden, der den „Madoff Victim Fund“ verwaltet. „Nur wenige Plätze auf dieser Erde wie die Wüste Gobi und die Polkappen scheinen von diesem Betrug verschont geblieben zu sein.“ Madoff hatte Anleger über Jahrzehnte mit Traumrenditen gelockt, die er aber mit dem frischen Geld anderer Investoren zahlte. 2008 in der Finanzkrise brach das Schneeballsystem zusammen und Madoff wurde zu 150 Jahren Haft verurteilt.

Treuhänder Irving Picard, der Madoffs Firma seitdem abwickelt, geht von einem Schaden von 20 Milliarden Dollar aus. Bei Fondsverwalter Breeden gingen jedoch Anträge über die doppelte Summe ein. Diese müssten zwar noch auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft werden, doch gehe er von „wesentlich höheren Verlusten aus als bislang dokumentiert“.

Anträge auf Entschädigung aus dem „Madoff Victim Fund“ (MVF) mussten bis zum 28. Februar in einem komplexen Verfahren eingereicht werden. Experten waren davon ausgegangen, dass viele Opfer ihr Geld bereits abgeschrieben hätten. Die Gruppe der Betrogenen ist „auffallend größer“ und habe viel umfangreichere Verluste erlitten als bisher angenommen, erklärte MVF-Chef Richard Breeden. Im Zusammenhang mit Madoffs Insolvenz hatten sich nur etwa ein Drittel so viele Geschädigte gemeldet.
Abgesehen von der Wüste Gobi und den Polkappen gibt es offenbar kaum Orte auf der Welt, die von der Plage dieses Betrugs verschont wurden“, resümierte Breeden. Rund 58 Prozent der Ansprüche stammten aus den USA. Unter den zehn Ländern mit den meisten mutmaßlichen Betrugsopfern seien acht europäische - am weitesten oben auf der Liste stünden Deutschland, Italien und Frankreich. Die Forderungen an den MVF, die bis 30. April eingereicht werden mussten, wurden den Angaben zufolge bisher nicht auf tatsächliche Anspruchsberechtigung, mögliche Doppelungen oder übertriebene Summen geprüft. Es sei davon auszugehen, dass eine nennenswerte Zahl der Einreichungen entsprechend eingestuft werde, erklärte der MVF.

Der Fonds hat die Aufgabe, insgesamt gut vier Milliarden Dollar, die aus Madoffs untergegangenem Finanzimperium gerettet wurden, an die Betrugsopfer auszuzahlen. Der einstige Starinvestor war im Dezember 2008 festgenommen worden, nachdem er über Jahre hinweg mit Hilfe eines ausgeklügelten Schneeball-Systems und phantastischen Renditeversprechen Anleger um geschätzte 65 Milliarden Dollar geprellt hatte. 2009 wurde er zu 150 Jahren Haft verurteilt; seither sitzt der heute 76-Jährige im Gefängnis.

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