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02.12.2016

13:43 Uhr

Anlagebetrug

Erstes S&K-Urteil steht bevor

Im Betrugsprozess um die Frankfurter Immobilien-Gruppe S&K könnte es bald das erste Urteil geben. Ein Angeklagter könnte schon bald aus der Haft entlassen werden. Dahinter soll aber kein „Deal“ stehen.

FrankfurtIm Prozess um die mutmaßlichen Millionenbetrügereien des Immobilien-Unternehmens S&K ist nach knapp eineinhalb Jahren das erste Urteil gegen einen der sechs Angeklagten in Sicht. Voraussichtlich am Montag werden Staatsanwaltschaft und Verteidiger im Fall des Fondsvertreibers Hauke B. plädieren. Die Urteilsverkündung soll dann noch in der kommenden Woche stattfinden.

Das Verfahren gegen den 50-jährigen war vor einigen Wochen wegen dessen eingeschränkter Verhandlungsfähigkeit abgetrennt worden. Um die Wirtschaftsstrafkammer sowie den gesundheitlich angeschlagenen Angeklagten nicht noch mehr zu belasten, schlug die Staatsanwaltschaft vor, zahlreiche Vorwürfe gegen ihn fallen zu lassen und die Anklage auf neun Untreue-Vorwürfe mit einem Volumen in einstelliger Millionenhöhe zu beschränken. Die Richter stellten dem Angeklagten eine Haftstrafe von fünf bis fünfeinhalb Jahren in Aussicht, die durch die knapp vierjährige Untersuchungshaft nahezu verbüßt wäre.

S&K in Zahlen

240.000.000

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen die S&K-Gründer und ihre Komplizen Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

11.000

Die S&K-Unternehmensgruppe verfolgte unterschiedliche Geschäftsmodelle. Beispielsweise wurden geschlossene Fonds aufgelegt und Rückzahlungsansprüche von Lebensversicherungskunden erworben. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen rund 11.000 Anleger geschädigt worden sein.

3150

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Frankfurt umfasst 3150 Seiten. Darin wurden sieben Personen angeschuldigt. Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt und Notar Igor P. wurde vom Landgericht Frankfurt jedoch abgetrennt.

2200

Nach Angaben hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden bei den Ermittlungen 2200 Bankkonten ausgewertet.

1774

Zu Beginn der Hauptverhandlung muss ein Teil der Anklageschrift verlesen werden. Dieser sogenannte Anklagesatz umfasst rund 1774 Seiten.

1200

Am 19. Februar 2013 waren 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte zu einer deutschlandweiten Razzia gegen die S&K Unternehmensgruppe und verbundene Unternehmen ausgerückt.

150

Zur S&K-Gruppe sollen 150 verbundene Unternehmen gehört haben.

50

Bei Eröffnung der Hauptverhandlung hat die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt zunächst 50 Verhandlungstage angesetzt.

22

Laut Aushang am ersten Verhandlungstag werden die sechs Angeklagten insgesamt von 22 Anwälten vertreten.

9

An der Hauptverhandlung nehmen neun Richter teil: drei Berufsrichter – der Vorsitzende und zwei beisitzende Berufsrichterinnen – sowie zwei Schöffen (Laienrichter). Zudem sind zwei weitere Berufsrichter als sogenannte Ergänzungsrichter und zwei weitere Schöffen als Ergänzungsschöffen vor Ort.

6

Auf der Anklagebank sitzen die beiden S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller und vier weitere Beteiligte: Der ehemalige leitende S&K-Angestellte Marc-Christian S., der Unternehmer Daniel F. sowie Hauke B. und Thomas G., ehemals Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors.

Hauke B. hatte in dem seit September 2015 laufenden Prozess zwar eine umfangreiche Erklärung verlesen, dabei aber kein Geständnis abgelegt. Die von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagene Lösung könne deshalb auch nicht als „Deal“ verstanden werden, meinte Staatsanwalt Noah Krüger am Freitag auf Anfrage. Der Prozess gegen die übrigen fünf Angeklagten - darunter die S&K-Gründer Stephan S. und Jonas K. - wird fortgesetzt. Vier von ihnen sitzen noch in Untersuchungshaft. Es geht um Wirtschaftsstraftaten im Volumen von rund 240 Millionen Euro.

Von

dpa

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