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21.02.2013

15:04 Uhr

Anlagebetrug

S&K-Opfer müssen nicht zum Anwalt rennen

Wie viel Schaden die Immobiliengruppe S&K angerichtet hat, ist noch unklar, die Sorge der Anleger um ihre Einlagen ist jedoch groß. Für hektische Aktivitäten sehen Verbraucherschützer aber keinen Anlass.

Anlegerskandal

Großrazzia bei S&K und Partner United Investors

Anlegerskandal: Großrazzia bei S&K und Partner United Investors

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Frankfurt/Düsseldorf Zwei Tage nach der bundesweiten Razzia gegen mutmaßliche Anlagebetrüger um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K ist das genaue Ausmaß des Schadens weiterhin unklar. Man rechne mit tausenden Geschädigten, erklärte Ober-Staatsanwältin Doris Möller-Scheu am Donnerstag in Frankfurt. Schätzungen von Anwaltsbüros, die von bis zu 100.000 Geschädigten berichteten, könne man nicht nachvollziehen.

Möller-Scheu bestätigte Medienberichte, dass es am Mittwoch Nachdurchsuchungen bei einer Fondsgesellschaft in München gegeben hat. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag mit einer bundesweiten Razzia an 130 Orten Beweise für einen der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland gesichert.

Die Amtsgerichte in Frankfurt und Hamburg nahmen die sechs Hauptverdächtigen in Untersuchungshaft, darunter auch die beiden Gründer der Gruppe S&K. Den sechs Männern im Alter zwischen 31 und 70 Jahren wird Untreue sowie gewerbs- und bandenmäßiger Betrug mit Kapitalanlagen vorgeworfen. Sie sollen über ein Schneeballsystem die Anleger um mehr als 100 Millionen Euro geprellt und das Geld mit einem extrem aufwändigen Lebensstil verprasst haben. Die beiden Beschuldigten aus Hamburg sollen in den nächsten Tagen zu Befragungen nach Hessen gebracht, sagte die Oberstaatsanwältin. Insgesamt wird gegen 50 Verdächtige ermittelt.

Anlagetipps: Finger weg von Finanzprodukten, wenn...

Tipp 1

... Renditen von über acht Prozent pro Jahr versprochen werden, gleichzeitig aber ein Drittel der eingeworbenen Summe für Kosten wie Werbung oder Vertrieb draufgeht

Tipp 2

...der Initiator bislang noch keine erfolgreichen Finanzprodukte aufgelegt hat

Tipp 3

...der Initiator nicht nachweisen kann, dass er die versprochenen Renditen im Kerngeschäft erwirtschaftet oder mit Vorgängerprodukten bereits erzielt hat

Tipp 4

...das Objekt, in das investiert werden soll, noch nicht feststeht oder das Anlegergeld als Kredit an andere Gesellschaften weitergereicht wird, der Anleger sich also nicht direkt an einer Immobilie oder einem Schiff beteiligt

Tipp 5

...Anleger Geld nachschießen müssen, falls das Unternehmen zum Sanierungsfall wird

Für die Opfer besteht aus Sicht des Verbraucherschutzes kein Grund für hektische Aktivitäten. „Man muss nicht sofort zum Anwalt rennen. Erst einmal gilt es, Ruhe zu bewahren und die Entwicklung der Geschehnisse zunächst zu beobachten“, sagte der Kapitalmarktexperte Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen der Nachrichtenagentur dpa.

Fallstricke bei geschlossenen Fonds

Vermögenslage

Anteile an geschlossenen Fonds oder Unternehmensbeteiligungen sind in der Regel nur etwas für Anleger, deren Vermögen im sechsstelligen Bereich liegt und die bereits Aktien, Anleihen, Festgeld und ein eigenes Häuschen besitzen. Der Anteil geschlossener Fonds sollte maximal 30 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen.

Laufzeit

Die Beteiligungen laufen in der Regel zehn Jahre und länger. Der Anleger muss somit in der Lage sein, über viele Jahre auf dieses Geld zu verzichten. Ein vorzeitiger Verkauf ist zwar beispielsweise bei Schiffen über den Zweitmarkt möglich. Die Preise dort schwanken jedoch stark – insbesondere seit der Finanzkrise.

Steuern

Steuerliche Aspekte spielen im Gegensatz zu früheren Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle beim Kauf von geschlossenen Fonds. Viele populäre Anlagemodelle wie die in den 90er-Jahren – etwa Ost-Immobilien mit hohen Sonderabschreibungen – gibt es längst nicht mehr.

Trends

Wie viele andere Anlageklassen unterliegen auch die geschlossenen Fonds und Unternehmensbeteiligungen gewissen Modetrends. Beliebt sind aktuell Fonds im Bereich Flugzeugleasing. Zudem ist zu beobachten, dass die Anleger wieder risikofreudiger werden. Sogar Private-Equity- und Projektentwicklungsfonds finden wieder Käufer. Das war vor zwei Jahren noch nahezu undenkbar.


Derzeit seien viele Anwaltsbüros unterwegs, um in dem Fall mit mehreren tausend Geschädigten neue Mandanten zu gewinnen. Für die Geschädigten sei nicht ganz einfach zu erkennen, wer ihre Interessen besonders gut vertreten könne und ob bei den mutmaßlichen Betrügern überhaupt etwas zu holen sei, das den Aufwand rechtfertige. „Ich warne vor Kanzleien, die eine Garantie aussprechen, dass man sein Geld auf jeden Fall zurückbekommt“, sagte Feck.

Das könne zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös beurteilen. „Ein schönes Urteil nutzt wenig, wenn dann nichts zu holen ist. Das Verfahren ist einfach kein Selbstläufer“, warnte der Fachanwalt.

Feck verwies auf die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die auch etliche Vermögenswerte sichergestellt hat. „In einigen Wochen ist es sicher sinnvoll, über einen Anwalt Einsicht in die Ermittlungsakte zu verlangen“, sagte der Verbraucherschützer. Auf dieser Grundlage müsse dann das weitere Vorgehen geplant werden. Verjährungsfristen drohten vorerst nicht, da die Verdachtsmomente gerade erst bekanntgeworden seien.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Tacheles

21.02.2013, 18:33 Uhr

Wo waren die Bafin, die Justiz, die Polizei und Staatsanwälte?
Sie kommen erst wenn der Schaden zu groß ist und die Beute über alle Berge.
(...)

Mann kann von Deutschland nicht erwarten, dass hier ernsthaft eingegriffen wird! Wo würde denn sonst die Demokratie und Freiheit hinkommen!

Die gleiche Freiheit die sich damals bei den Nazis zu erkennen gab. Richter, Ärzte, Politiker und viele andere hoben die Hand zum Gruß und verurteilten, enteigneten, und machten Versuchen an Menschen und danach war keiner dabei und wieder mit dem Arsch auf sicherem Posten.

(...)

Auge um Auge Zahn um Zahn.

Deutschland war und ist ein Verbrecherstaat mit wenigen Ausnahmen.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

22.02.2013, 06:33 Uhr

...tja, aber wer will diese Wünsche in Gesetzestexte kleiden???

Gerecht

23.02.2013, 14:19 Uhr

Wo werden wir enden, wenn alle Menschen so denken würden und Gleiches mit gleichem zu beurteilen oder zu vergelten. Es ist schon traurig, Vertrauen zu missbrauchen,um zu betrügen und sich an anderen Menschen Gelder,zu bereichern. Erstaunlich dreist.

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