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29.03.2017

10:28 Uhr

Anlageskandal

S&K-Gründer zu Haftstrafen verurteilt

Urteil im S&K-Prozess: Die Gründer der Unternehmensgruppe wurden wegen Untreue zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Betrugsvorwürfe wurden fallengelassen – nach der Verkündung waren sie sofort auf freiem Fuß.

Stephan S. (l) und Jonas K. (2.v.r.), die Gründer des Frankfurter Immobilienunternehmens, wurden zu Haftstrafen verurteilt. dpa

Urteil im S&K-Prozess

Stephan S. (l) und Jonas K. (2.v.r.), die Gründer des Frankfurter Immobilienunternehmens, wurden zu Haftstrafen verurteilt.

FrankfurtDie beiden Gründer des Frankfurter Immobilienunternehmens S&K sind wie erwartet wegen Untreue zu Haftstrafen verurteilt worden. Mit je achteinhalb Jahren für Stephan Schäfer und Jonas Köller blieb das Landgericht Frankfurt am Mittwoch am unteren Ende des zuvor mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung verabredeten Strafrahmens.

Die Anklage hatte den Vorwurf des schweren und bandenmäßigen Betrugs fallengelassen, nachdem die Angeklagten die ihnen ebenfalls zur Last gelegte Untreue gestanden hatten. Zwei Mittäter wurden ebenfalls nach Absprachen zu sechs und viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

Geschäftsmodelle von S&K

Die Anfänge

Laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen die S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller zunächst minderwertige Immobilien zu überhöhten Preisen weiterverkauft haben. Dies ist jedoch nicht Gegenstand des Strafverfahrens, das am 24.9.2015 in Frankfurt begonnen hat.

Geschlossene Fonds

Offizieller Geschäftszweck soll das Einsammeln von Anlegergeldern für den An- und Verkauf von Immobilien gewesen sein. Geworben wurde mit bis zu zwölf Prozent Rendite pro Jahr. Hier sollen Hauke B. und Thomas G., Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors, ins Spiel gekommen sein.

Lebensversicherungen

Es soll zwei Modelle gegeben haben: Mal traten Lebensversicherungskunden ihre Rückzahlungsansprüche gegen die Versicherungsgesellschaften ab, mal sollen sie zur Kündigung ihrer Versicherung bewegt worden sein. Der Unternehmer Daniel F. soll maßgeblich mitgewirkt haben.

Fremde Fonds

Von Dritten errichtete Fondsverwaltungsgesellschaften sollen gekauft worden sein, um über die eingesammelten Gelder bestimmen zu können. Betroffen: Fonds der MIDAS-, DCM- und SHB-Gruppe. In den maßgeblichen Gesellschaften soll der leitende S&K-Angestellte Marc-Christian S. mitgewirkt haben.

Das Gericht setzte auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Angeklagten nach mehr als vier Jahren Untersuchungshaft zunächst auf freien Fuß. S. und K. müssen ihre Reststrafen später antreten. Über eine mögliche Aussetzung der Haft nach der Hälfte oder zwei Dritteln der Zeit entscheidet später ein anderes Gericht.

Die Angeklagten waren im Februar 2013 nach einer Großrazzia in Haft genommen worden. Sie sollen rund um S&K ein Firmengeflecht aufgebaut haben, mit dem rund 11.000 Anleger um 240 Millionen Euro gebracht wurden. Der Betrugsvorwurf wurde allerdings vom Gericht nicht aufgeklärt, weil das eine weitere jahrelange Beweisaufnahme bedeutet hätte.

Seit Beginn der Hauptverhandlung im September 2015 wurde an rund 110 Tagen verhandelt. Mal dauerten die Sitzungen nur wenige Minuten, weil Verteidiger den weiteren Ablauf mit Befangenheitsgesuchen gegen die Richter und allerlei Beweisanträgen blockierten, mal dauerten sie bis weit in die Abendstunden.

„Uns allen ist es gelungen, uns auf die Situation einzustellen, gewohnte Feindbilder über Bord zu werfen und der Realität ins Auge zu schauen“, begann Staatsanwalt Noah Krüger am vergangenen Mittwoch sein Abschluss-Plädoyer und meinte damit sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Seite der Angeklagten. Dass es überhaupt dazu kam, ist aber vor allem sein Verdienst. Das sehen auch die Angeklagten und Verteidiger so und überboten sich geradezu mit Lob und Dankesreden.

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Kurz vor Jahreswechsel hatte Krüger die Angeklagten zu Verständigungsgesprächen eingeladen. Seitdem ging alles rasend schnell: Im Eiltempo wurden die letzten Zeugen gehört, das Gericht wurde in die Verständigungen einbezogen, es wurden Deals geschlossen, die Betrugsvorwürfe wurden fallengelassen, die Angeklagten legten Geständnisse zu ihrer Untreue ab.

Krüger war erst im vergangenen Mai zu dem Verfahren gestoßen. Sein Vorgänger, Oberstaatsanwalt Andreas Hohmann, hatte gemeinsam mit Staatsanwalt Thorsten Haas eine 3150-seitige Anklageschrift verfasst, die seit Prozessbeginn für viel Streit gesorgt hatte – schon wegen ihrer Länge, aber auch wegen der Art der Formulierungen. Von einem „ausschweifenden Lebensstil“ der S&K-Gründer Stephan Schäfer (37) und Jonas Köller (35) war darin beispielsweise die Rede, ebenso von „teuren Reisen und Luxusfahrzeugen“ – auch eine Kostenauflistung der Party zu Köllers 30. Geburtstag ist enthalten, mit den Preisen für eine Dame im überdimensionalen Champagnerglas und sowie den Kosten für Zebras plus Elefant.

Kommentare (9)

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Herr Gerald Gantz

29.03.2017, 10:35 Uhr

Ja, so geht heutzutage Rechtsprechung. Ein Kuhhandel jagt den nächsten. Und wo ist das veruntreute Geld? Das haben die Schlimmlinge irgendwo schön gebunkert und sind nach absitzen der Mindeststrafe steuerfrei für ein weiteres Luxusleben verfügbar.
Alle sind trefflich beschäftigt, es wurde recht gut Recht gesprochen und es hat ja keine armen Leute geschädigt. Friede, Freude, Eierkuchen.

Herr Paul Kersey

29.03.2017, 10:39 Uhr

Fluchtgefahr besteht bei Aussicht auf weitere 4 Jahre Gefängnis keine?

Herr Gerd Hohn

29.03.2017, 11:19 Uhr

Ein Urteil "Im Namen des Volkes".
Welches Volk?

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