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03.11.2014

16:10 Uhr

Anleger warten vergeblich

Keine Anklage im Infinus-Skandal

Vor einem Jahr wurden sechs Manager der Dresdner Infinus-Finanzfirmengruppe festgenommen. Sie sollen Zehntausende Anleger betrogen haben. Doch die rechtliche Aufarbeitung zieht sich hin - zum Ärger der Anleger.

Der Sitz der Finanzfirmengruppe Infinus in Dresden: Für die sechs angeklagten Manager steht immer noch kein Urteil aus. dpa

Der Sitz der Finanzfirmengruppe Infinus in Dresden: Für die sechs angeklagten Manager steht immer noch kein Urteil aus.

DresdenEin Jahr nach der Festnahme von sechs Managern des Dresdner Infinus-Finanzkonzerns ist noch kein Termin für eine Anklage in Sicht. Die Staatsanwaltschaft Dresden verweist auf die Komplexität der Ermittlungen wegen Anlagebetrugs und die Zahl der Firmen, gegen die sich die Vorwürfe richten. „Ein Termin für die Anklageerhebung ist deshalb noch gar nicht absehbar“, sagte Staatsanwalt Jan Hille.

Fünf der sechs am 5. November 2013 festgenommenen Infinus-Manager sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft. Die nächste Haftprüfung steht im Dezember an. Ein sechster zunächst Festgenommener war nach einem Geständnis im Februar freigekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, nach einem Schneeballsystem Zehntausende Anleger um Hunderte Millionen Euro betrogen zu haben.

Seit Bekanntwerden der Vorwürfe und der Beschlagnahme umfangreicher Vermögenswerte sind die meisten Firmen aus dem rund zwei Dutzend Unternehmen zählenden Geflecht zahlungsunfähig geworden. Die Forderungen belaufen sich nach Angaben der Insolvenzverwalter auf insgesamt über eine Milliarde Euro.

Wann Anleger misstrauisch werden sollten

Vorsicht Vermittler

Viele Finanz- und Versicherungsvermittler haben vor allem eines im Sinn: Die eigene Provision. Die Verbraucherzentrale NRW zeigt, wann Anleger misstrauisch werden sollten.

Interessen kennen

Seien Sie sich darüber im Klaren, dass es keine kostenlosen Beratungen gibt. Aufgrund des Provisionsinteresses ist jede „Beratung“ durch eine Bank oder einen Finanzvertrieb in Wirklichkeit ein Verkaufsgespräch.

Gier vermeiden

Lassen Sie sich von den angepriesenen Renditechancen nicht blenden, sondern hinterfragen Sie kritisch auch die mit dem Anlageprodukt verbundenen Risiken.

Heitere Gelassenheit

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn man Ihnen keine Zeit lassen will, um das Angebot nochmals zu überdenken und zu prüfen, dann hat der Anbieter etwas zu verbergen.

Gefährliche Formulierungen

Prüfen Sie das Beratungsprotokoll und achten Sie darauf, dass nicht irgendwelche Formulierungen enthalten sind, mit denen Ihnen im Streitfall die Verantwortung zugeschoben wird – beispielsweise mit Formeln wie „auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden“ oder Risikohinweisen, die im Gespräch überhaupt nicht auf den Tisch gebracht worden sind.

Schneller Rücktritt

Nutzen Sie beim Abschluss eines Vertrags in den eigenen vier Wänden die Widerrufsfrist, um das Geschäft nochmals zu überdenken. Zögern Sie im Zweifelsfall nicht, von Ihrem Rücktrittsrecht auch Gebrauch zu machen.

Ausdauer

Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, wenn Sie das Finanzprodukt nicht voll und ganz verstanden haben.

Fürsorge

Helfen Sie mit, ältere Menschen vor Finanzhaien zu schützen, indem Sie innerhalb Ihrer eigenen Familie Aufklärungsarbeit leisten und Ihren Eltern bei ihren Finanzgeschäften Unterstützung anbieten.

Initiative

Machen Sie sich in Finanzfragen nicht von externen Beratern abhängig, sondern eignen Sie sich Grundwissen über die wichtigsten Anlageformen an. Die Verbraucherzentralen bieten hierzu leicht verständliche und praxisnahe Ratgeber.

Strategie

Stellen Sie immer die Finanzplanung an die erste Stelle und entscheiden Sie erst danach, welche Produkte überhaupt infrage kommen. So vermeiden Sie spontane Anlageentscheidungen, die langfristig nicht zu Ihrer Lebensplanung passen. Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Im Insolvenzverfahren gegen die Konzernmutter, die Future Business KGaA (Fubus), hat das Amtsgericht Dresden die Gläubigerversammlung für den 18. Dezember anberaumt. Zweimal musste sie schon verschoben werden, wie Insolvenzverwalter Bruno Kübler sagte. Zunächst müssten die Inhaber von Orderschuldverschreibungen in mehr als 4800 Serien über die Wahl beziehungsweise Nichtwahl eines gemeinsamen Vertreters abstimmen.

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