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29.04.2014

23:59 Uhr

Anlegerbetrug

Versicherer Ergo war seit Jahren vor Infinus gewarnt

VonMassimo Bognanni, Ozan Demircan

ExklusivEin Provisionskarussell trug dazu bei, Infinus-Zahlen aufzublähen. Die Illusion platzte, viele Sparer bangen um ihr Geld. Nun stellt sich heraus: Versicherer Ergo war seit Jahren vor Deals mit der Finanzfirma gewarnt.

Verschiedene Abteilungen des Versicherungskonzerns Ergo warnten seit Jahren vor Risiken, die Geschäfte mit Infinus mit sich brächten. dpa

Verschiedene Abteilungen des Versicherungskonzerns Ergo warnten seit Jahren vor Risiken, die Geschäfte mit Infinus mit sich brächten.

DüsseldorfDer Düsseldorfer Versicherungskonzern Ergo hat bis in den Herbst 2013 Millionengeschäfte mit der Skandalfirma Infinus betrieben - trotz interner Warnungen. Das berichtet die digitale Tageszeitung "Handelsblatt Live" unter Berufung auf einen Berichtsentwurf der Ergo-Konzernrevision und Aussagen beteiligter Personen.

Sehenden Auges nährte Ergo demnach mit über 70 Millionen Euro ein Provisionskarussell der Infinus-Gruppe, mit dem das Dresdner Unternehmen laut Staatsanwaltschaft Anleger betrogen haben soll. Schon im Jahr 2002 hatte die Ergo-Tochter Victoria Leben einen Detektiv engagiert, um das Geschäftsmodell eines Unternehmens der Infinus-Firmengruppe zu überprüfen. Der Ermittler warnte unter anderem davor, dass es sich um Geldwäsche handeln könnte.

Doch die Geschäfte liefen weiter. Auch Warnungen eines Risiko-Managers der Ergo im Jahr 2012 blieben folgenlos. Er hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass die Geschäftsbeziehung ein Reputationsrisiko berge. Auch die Frage nach Konflikten mit gesetzlichen Vorschriften sei gestellt worden.

Obwohl jahrelang immer wieder über die Risiken der Infinus-Deals gesprochen wurde, schloss Ergo weitere Verträge in Millionenhöhe mit der Finanzfirma, den letzten am 1. Oktober 2013, wenige Wochen bevor die Staatsanwaltschaft Dresden mit einer Razzia bei Infinus dem Geschäft ein Ende bereitete.

Der Deal zwischen Ergo und Infinus lief nach dem folgenden Muster ab: Infinus schloss Lebensversicherungen mit Laufzeiten von meist 30 Jahren ab – als versicherte Personen der Policen trugen sie ihre eigenen Mitarbeiter und deren Angehörige ein. Die Jahresbeiträge gingen teilweise in die Millionen. Die durchschnittlichen Provisionen für die Geschäfte in Höhe von fünf Prozent flossen zurück an Infinus-Firmen.

Mit den Eigengeschäften, so vermuten es die Staatsanwälte in Dresden heute, habe Infinus einen "künstlichen Ertrag" in den Bilanzen dargestellt. Mit solch aufgeblähten Zahlen soll die Infinus-Mutter "Future Business" (Fubus) Anleger für ihre Orderschuldverschreibungen begeistert haben. Heute bangen die Sparer um ihr Geld. Laut dem Fubus-Insolvenzverwalter Bruno Kübler sind vier Fünftel der 720 Millionen Euro wohl verloren.

Ergo gibt sich unwissend: „Im Nachhinein und im Licht der aktuellen Erkenntnisse müssen wir leider feststellen, dass Infinus unsere Produkte offenbar zweckwidrig eingesetzt und – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – im großen Umfang Dritte geschädigt hat“, sagte ein Konzernsprecher.

„Per saldo überwogen aus damaliger Sicht die Argumente für eine Fortsetzung; negative Einzelinformationen oder Einzelmeinungen, die es durchaus gegeben hat, waren letztlich nicht verifizierbar, ihnen standen mehrfach weitere Informationen gegenüber.“

Den ganzen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Handelsblatt Live“.

Kommentare (7)

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30.04.2014, 10:18 Uhr

Risiko-Handbücher als wohlmeinende Unternehmensprosa: auch eine Idee.

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30.04.2014, 10:37 Uhr

Aber keiner muss dafür haften. Es wird manipuliert, getrogen und die Kleinanleger beschissen. So eine Meldung ist mittlerweile "normal".

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30.04.2014, 10:48 Uhr

Und Blackrock wird auch vmtl. noch wegstecken.
Ab bestimmten Bilanzsummen haben andere ein Problem und nicht man selbst.

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