Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.12.2014

15:03 Uhr

Anlegerrecht

Geduldsspiel Honorarberatung

Die Honorarberater sollen Kunden unabhängig bei der Geldanlage beraten. Dafür wurde sogar ein Gesetz etabliert. Noch tut sich der Markt schwer, der Trend ist laut Experten dennoch unaufhaltbar.

Honorarberatung: Trotz vieler Skandale ist das Vertrauen der Anleger in Provisionsberatung groß. dpa

Honorarberatung: Trotz vieler Skandale ist das Vertrauen der Anleger in Provisionsberatung groß.

BerlinDie Idee ist simpel und das Ziel klar: Verbraucher sollen bei Geldanlagen stärker auf unabhängige Berater setzen können, die - losgelöst von Produkt- und Provisionsinteressen - mit Kunden ein Honorar vereinbaren. Eine Alternative zum verbreiteten Provisionsmodell, bei dem Vermittler vom Verkauf von Finanzanlagen profitieren und nicht immer die passenden Produkte veräußern. Um einer fairen Finanzberatung gegen ein fest vereinbartes Entgelt zum Durchbruch zu verhelfen, wurde das Honoraranlageberatungsgesetz auf den Weg gebracht. Es trat zum 1. August 2014 in Kraft - die erhoffte Trendwende aber blieb bisher aus. Die Zulassungszahlen jedenfalls sind mehr als bescheiden. Bei der Finanzaufsicht Bafin sind gerade einmal 14 Honorar-Anlageberater registriert, beim Vermittlerregister des DIHK waren Ende September nur 45 Honorar-Finanzanlageberater gemeldet.

Zum Vergleich: Bis 30. September 2014 waren nach Erhebungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gut 241.000 Versicherungsvermittler registriert, mehr als 41.217 Berater hatten eine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach der Gewerbeordnung. Die Honorarberatung fristet also weiter ein Nischendasein. Und das bei zweigeteilter Aufsicht: Einmal nach dem Kreditwesengesetz durch die Bafin und nach der Gewerbeordnung durch Gewerbeämter. Für Verbraucherschützer ist die Sache klar: „Das Gesetz ist schlecht“, sagt Dorothea Mohn. Als einen Grund nennt die Finanzexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die Begrenzung auf wenige Produkte. So sei nur die Beratung zu Wertpapieren und Vermögensanlagen geregelt. Andere Kapitalanlagen wie Versicherungen oder Spareinlagen seien ausgenommen.

Wovor sich Anleger hüten sollten

Falsche Sicherheit

Fühlen sie sich nicht zu sicher - denn dieses Gefühl kommt immer vor bösen Überraschungen.

Rendite ohne Risiko

Es gibt keine Rendite ohne Risiko. Was man dagegen oft bekommt: Risiko ohne Rendite.

Zocken mit dem Sparschwein

Ersparnisse aus 35 Jahren harter Arbeit in eine Geldanlage zu stecken, die man nur 15 Minuten analysiert hat - böser Fehler.

Ungeduld

Hin und her macht Taschen leer: Hibbelige Finger sind der schnellste Weg, sein Geld zu verbrennen.

Halbwissen

Finger weg von Investments, die man nicht versteht. Der Test: Können Sie das Investment einem Schüler der vierten Klasse erklären?

Übersteigertes Selbstbewusstsein

Zu viel Selbstsicherheit hat noch nie gut getan. Wer meint, alle Gewinne beruhten auf Können, alle Verluste aber seien Pech, ist auf der falschen Fährte.

Daytrading

Man hat keine Chance gegen den Zufall und Super-Computer, die innerhalb von Millisekunden mehr Entscheidungen treffen als ein Anleger in einem ganzen Leben.

Crashpropheten

Hören Sie besser nicht auf Menschen, die ständig vor dem Untergang warnen. Es soll Leute geben, die 128 der letzen zwei Crashs richtig vorhergesagt haben...

Vor allem: Die Entgelte für den Honorarberater müssen laut Mohn mit Provisionen auch vergleichbar sein. Was bisher aber nicht möglich sei wegen fehlender Transparenz bei der Provisionsberatung. Provisionen müssten eindeutig und separat auf den Tisch gelegt werden: „Solange kein klares Preisschild an der Provisionsberatung hängt, wird der Wettbewerb unterbunden.“ Die Ursprungsidee - so das Fazit von vzbv-Expertin Mohn - sei bisher nicht umgesetzt worden. Im Grunde ist schon der Begriff das Problem. Mit dem Gesetz wurde zwar ein eigenes Berufsbild des unabhängigen Honorarberaters im Anlagebereich geschaffen. Viele Verbraucher können mit dem Namen „Honorarberater“ aber kaum etwas anfangen.

Ist das jemand, der zu Honoraren berät - so ganz allgemein ? Weil der Steuerberater zu Steuern berät und der Ernährungsberater zur Ernährung. An Finanzanlagen denkt man beim „Honorarberater“ nicht automatisch.Entsprechend ernüchternd fällt auch eine Studie des Private Finance Institutes der EBS Business School aus. Danach kann von den mehr als 1000 befragten Verbrauchern mehr als Hälfte mit dem Thema nichts anfangen. Von den 46 Prozent, die schon mal von Honorarberatung gehört haben, konnte laut PFI nicht einmal jeder Dritte das Konzept richtig beschreiben. Ganze 2,5 Prozent der Befragten hätten bisher ein Honorarberatungsangebot genutzt.

Und noch etwas ergab die Studie: Die meisten Verbraucher hätten keine Ahnung über die Höhe von Abschlussprovisionen klassischer Anlage- und Vorsorgeprodukte. Erfahrungen von Finanzberatern zeigen auch, dass Kunden sich bei Geldanlagen natürlich gern neutral beraten lassen, aber dafür ungern - anders als etwa beim Steuerberater - auch eine anständige Vergütung zahlen. Die Branche ist dennoch optimistisch. „Deutschland wird noch fünf bis sechs Jahre brauchen, dann hat sich die Honorarberatung auch hierzulande etabliert“, sagt Karl Matthäus Schmidt, Chef der Quirin Bank und Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands deutscher Honorarberater. Der Glaube an die Provisionsberatung sei trotz aller Skandale zwar ungebrochen. „Dennoch ist der Trend nicht aufzuhalten“, gibt sich Schmidt im Branchenblatt „Der Honorarberater“ optimistisch. Dafür würden neue Vorgaben der EU sorgen.

Auch Union und SPD haben eine Reform vereinbart. Honorarberatung könnte dann für alle Finanzprodukte vorangetrieben werden. Was die Forderung nach mehr Transparenz bei der Provisionsberatung betrifft, ist Verbraucherschützerin Mohn weniger hoffnungsvoll: „Da wird die Finanzlobby noch mächtig dagegenhalten.“

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Norman Argubi

05.01.2015, 14:04 Uhr

Warum werden die Artikel nach wie vor suggestiv ausgestaltet? Es wird immer noch pauschal behauptet, man könne einfach nur gegen Honorar unabhängig beraten. Warum???
Ich bin selber Jurist und seit 25 Jahren Anlageberater. Würde ich nicht für meine Kunden arbeiten, sondern nur - wie von den VZ vorgegaukelt - nur der Provisionsmaximierung folgend, dann hätte ich seit 10 Jahren kein Unternehmen mehr.
Vielmehr hat doch ein Honorarberater kaum ein Interesse daran eine Anlage mit 6 % Zins statt mit nur 2 % zu finden, denn was der Kunde bekommt, ist dem Honorarberater zumeist egal. Der kriegt immer den gleichen Stundenlohn.
Ist das jetzt wirklich die objektive und gewollte Zielsetzung für mehr Finanzbildung in Deutschland?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×