Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2014

17:49 Uhr

Anlegerrecht

Prokons Stunde der Wahrheit

VonKatharina Schneider

Bis zum 20. Januar sollten sich die Inhaber von Prokon-Genussrechten entscheiden: Kündigen oder dem Windkraftbetreiber treu bleiben. Viele sind schon abgesprungen. Wie es weitergehen könnte und was Anleger tun können.

Firmensitz: Die Fassade im Gebäude des Windkraftherstellers Prokon besteht aus umweltfreundlichen Holz. dpa

Firmensitz: Die Fassade im Gebäude des Windkraftherstellers Prokon besteht aus umweltfreundlichen Holz.

DüsseldorfRien ne vas plus, nichts geht mehr. Für Prokon-Anleger rückt die Stunde der Wahrheit immer näher. Bis zum 20. Januar sollten die etwa 75.000 Inhaber von Genussrechten des Öko-Energie-Anbieters Farbe bekennen: Halten sie an ihren Genussrechten fest oder kündigen sie und nehmen die Insolvenz des Unternehmens in Kauf. So zumindest hat Prokon die Entscheidung am 10. Januar in einem Anschreiben an die Anleger formuliert. Bis zu diesem Montag sollten sie antworten.

Mindestens 95 Prozent des Genussrechtekapitals müssten erhalten bleiben, um eine Planinsolvenz zu verhindern, so das Unternehmen. Nach den zuletzt von Prokon veröffentlichten Zahlen wurde dieses Ziel wohl verfehlt. Mit Stand Montag, 18.30 Uhr, haben gut 39.200 Anleger zugesagt, ihre Genussrechte nicht zu kündigen, rund 757 Millionen Euro könnten Prokon also sicher sein. Doch das entspricht kaum mehr als der Hälfte der insgesamt 1,4 Milliarden Euro Genussrechtskapital.

Wie genau es nun weitergehen wird, ist von Prokon nicht zu erfahren. Auf konkrete Medienanfragen reagiert das Unternehmen nicht. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung wäre der weitere Ablauf gesetzlich klar geregelt. Doch eine neue Mitteilung auf der Internetseite des Windkraftunternehmen sorgt für zusätzliche Verwirrung: Sind die Forderungen der Genussrechte-Inhaber gar nicht fällig und besteht deshalb gar kein Insolvenzgrund? Handelsblatt Online erklärt die möglichen nächsten Schritte, die Folgen für die Genussrechte-Inhaber sowie mögliche Auswege, um die Chancen auf eine Rückzahlung des angelegten Geldes zu erhöhen.

Prokon in Zahlen

Rahmendaten

Gegründet 20. Oktober 1995, beschäftigt Prokon 1306 Mitarbeiter (Stand: Oktober 2013). Zum Portfolio gehören 314 Windparks.

Genussrechtinhaber

75.115

Genussrechtkapital

Knapp 1,4 Milliarden Euro

Gezahlte Zinsen

300,4 Millionen Euro (per 31. Oktober 2013).

Verlust

209,9 Mio. Euro (per 31. Oktober 2013)

Insolvenz muss ein Unternehmen immer dann anmelden, wenn es zahlungsunfähig ist, manchmal auch bei Überschuldung. „Sobald dies erkannt wird, muss das Unternehmen unverzüglich, spätestens aber nach drei Wochen, einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht stellen“, sagt Martin Prager, Insolvenzverwalter bei der Münchener Kanzlei Pluta. Meldet sich der Geschäftsführer zu spät, macht er sich strafbar. Diese dreiwöchige Frist könnte der Grund dafür sein, dass sich die Anleger so schnell bei Prokon zurückmelden sollten. Möglicherweise steht also die Stellung des Insolvenzantrags unmittelbar bevor.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gast

20.01.2014, 16:10 Uhr

Wenn jetzt alle Genussrechtsinhaber klagen, und mal angenommen, sie bekommen recht - woher kommt denn dann auf einmal das Geld? Ist doch auch nicht mehr da wie vorher. Also, etwas weniger natürlich, die Anwälte wollen ja auch bezahlt sein. Vermutlich ist deren Vorderung in jedem Fall vorrangig.

anonym

20.01.2014, 16:17 Uhr

Erst einmal die BaFin verklagen.

Der Hinweis auf den Prospekten, die BaFin hätte "geprüft" ist immer eine Aufwertung des Produktes. Die Anleger gehen davon aus, dass die BaFin den gröbsten Unfug natürlich aussortiert.

Diese hatte die Prospekte der Prokon (sowie der S+K, Infinus, Future Business KGaA u.v.a.) durchgewunken, obwohl von Anfang an das Finanzierungsmodell der Prokon auf Dauer gar nicht tragfähig war.

Jetzt beruft sich die BaFin darauf, sie hätte ja gar keine Kontrollfunktion. So ein Quatsch!

Sie hätte einfach aufgrund des Anfangsverdachts, der auch der BaFin hätte kommen müssen, alles an die Staatsanwaltschaft weiterleiten müssen.

Wenn sie das nicht tat, hat sie sich - trotz besseren Wissens - mitschuldig gemacht.

Account gelöscht!

20.01.2014, 17:22 Uhr

Hoppenstedt hat der Future Business KG mehrmals die Höchstnote bescheinigt.
Das war für mich letztendlich ausschlaggebend dort für ein Jahr in OSV zu investieren, anstelle von Tagesgeld.
Warum diese Dummheit? Weil ich und viele andere Bürger, bedingt durch das Absenken des Leitzins auf 0,5%, dazu verleitet worden sind.
Das Rating von Fubus war überragend (zu den besten 4,8% Unternehmen in Deutschland), kaum negative Einträge im Internet. Selbst Finanzberater, die ich zu Rate gezogen habe, konnten bis auf die fehlende Einlagensicherung keine Mängel feststellen.
Jetzt erfährt man Ende 2013 das die Staatsanwaltschaft seit Mitte 2012 dort ermittelt.
Negative Presse hätten mich und viele andere Bürger davon abgehalten. Wie im Fall Prokon über ein Jahrzehnt.
Jetzt muss ich teuer dafür bezahlen.
Danke an die Staatsanwaltschaft Dresden und Hoppenstedt!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×