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25.03.2012

09:58 Uhr

Anlegerrecht

Stiftung Warentest will kein Finanz-TÜV sein

Die Politik erhöht die Förderung für die Warentester, die sollten dafür Finanzprodukte testieren. Doch die Stiftung dämpft die Erwartungen. Ein wirksamer Schutz für Geldanleger kann so nicht entstehen.

Stiftung Warentest: Die Organisation vergleicht auch Finanzprodukte. dpa

Stiftung Warentest: Die Organisation vergleicht auch Finanzprodukte.

Die Bundesregierung muss einen weiteren Rückschlag in ihrer Verbraucherpolitik hinnehmen. Die Stiftung Warentest will die vom Bund zugesagten zusätzlichen 1,5 Millionen Euro im Jahr zum Ausbau ihrer angestammten Geldanlage-Bewertungen nutzen. „Ein Finanz-TÜV, der Produkte zulassen und aus dem Verkehr ziehen kann, werden wir weiterhin nicht sein“, sagte Stiftungs-Vorstand Hubertus Primus. „Wir können mehr testen, Untersuchungen ausweiten, mehr in die Tiefe gehen, Frequenzen von Tests erhöhen.“ Auftragsforschung solle es nicht geben. „Wir werden souverän entscheiden, was wir machen.“

Die schwarz-gelbe Koalition will die Stiftung von 2013 an mit 1,5 Millionen Euro mehr ausstatten, um den Verbraucherschutz bei Finanzprodukten zu stärken. Derzeit erhält sie 3,5 Millionen Euro im Jahr vom Bundesverbraucherministerium. Dies soll ein Ausgleich dafür sein, dass ihre „Test“- und „Finanztest“-Publikationen auf Werbeanzeigen verzichten. Das Stiftungskapital wurde zudem kürzlich um 50 Millionen auf 75 Millionen Euro aufgestockt.

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Die Stiftung Warentest soll Geldanlageprodukte zertifizieren. Die Verbraucherschützer laufen Sturm.

Ein Schwerpunkt der erweiterten Aktivitäten soll sein, die Umsetzung der „Beipackzettel“ für Finanzprodukte zu untersuchen, wie Primus sagte. Zudem könnten Geldanlagen nach Kategorien eingestuft werden wie „geeignet zur Altersvorsorge“ oder „nur für spekulative Anleger“. Es seien aber keine neuen Siegel geplant. „Wir bleiben bei unseren Qualitätsurteilen.“ Mit der Bewertung von Finanzprodukten sind derzeit 56 Mitarbeiter befasst, das Jahresbudget dafür liegt bei rund zehn Millionen Euro.

Damit ist die Hoffnung vieler Anleger und Verbraucherschützer nach mehr Transparenz und Anlegerschutz bei der Geldanlage vorerst gescheitert. Die Bundesregierung tue nichts für eine „Finanzaufsicht mit Biss“,
klagte etwa der Chef des „Verbraucherzentrale Bundesverbandes“ (vzbv) Gerd Billen in Berlin. Sie versetze die Verbände auch nicht in die Lage, als starke Finanzmarktwächter aufzutreten. Die Gesetzespläne von Finanzminister Wolfgang Schäuble für eine Verbesserung der Finanzaufsicht kritisierte er scharf: „Das ist eher ein Gesetzentwurf zur Schwächung der Finanzaufsicht aus Verbrauchersicht“.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner begrüßte noch die Beschlüsse des Koalitionsausschusses zum Schutz der Konsumenten vor falscher Beratung und ungeeigneten Finanzprodukten. „Das ist ein
starkes Signal für den Verbraucherschutz“, erklärte die CSU-Politikerin. Ihre Erwartungen an Stiftung Warentest waren hoch. Die Erhöhung der Förderung würde zu mehr Tests und einer besseren Beratung im Bereich
Finanzprodukte führen. „Damit wird die Entscheidung über die am besten geeignete Geldanlagen oder Altersvorsorge und die Bewertung der vielen Finanzprodukte, die es auf dem Markt gibt, für die Verbraucherinnen und Verbraucher erleichtert“, sagte sie nach dem Beschluss.

Verbraucherschützer laufen Sturm. Die Rechte der Konsumenten blieben im Finanzbereich hinter vielen anderen Branchen zurück. „Wir sollen in Zukunft nicht wissen dürfen, welche Anbieter uns übers Ohr hauen. Wir sollen nicht wissen dürfen, welche Banken und Sparkassen Misswirtschaft betreiben und das Geld der Verbraucher versenken“, beklagte Billen. Er forderte die Regierung auf, einen neuen Entwurf vorzulegen, der die Aufsicht explizit darauf verpflichte, sich für die Verbraucheranliegen verantwortlich zu fühlen.

Das Finanzministerium verteidigte sich. Die geplante Reform der nationalen Finanzaufsicht habe sehr wohl das Ziel, mehr für den Verbraucherschutz zu tun. Geschehen solle dies unter anderem durch einen neuen Verbraucherbeirat bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Der Referentenentwurf gebe im Übrigen die Gelegenheit, darüber auch mit den zuständigen Verbänden ins Gespräch zu kommen.

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Kommentare (12)

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Mazi

25.03.2012, 10:12 Uhr

Alle Achtung vor den verantwortlichen der "Stiftung Warentest", dass sie der verlockenden Ehre widerstanden haben.

Ist es nicht hoheitliche Aufgabe der BAFin den Finanzmarkt zu überwachen und ist der "Auftrag" der Bundesregierung an eine Zeitschrift nicht eine schallende Ohrfeige für den ausgeschiedenen Präsidenten der BAFin.

Noch nicht einmal 100 Tage hat man seiner Nachfolgerin zugestanden sich im Amt zurecht zu finden.

Eigenartig! Oder kommt hier schon die blanke Not aus den Augen.

Letzteres glaube ich nicht. Es scheint eher dem Gehorsam der Kanzlerin geschuldet zu sein, Nebelkerzen zu werfen, um von den großen, eigentlichen Problemen, ihr, abzulenken. Es ist schwierig für die CDU eine Antwort auf die Frage zu finden: "Wieviel geht noch?"

Account gelöscht!

25.03.2012, 10:41 Uhr

Herzlichen Glückwunsch Stiwa!
Der Job, Geldanlagen TÜV-mäßig auf Ja/Nein oder absolute Kategorien zu reduzieren, ist einfach nicht hinzukriegen, egal mit wieviel Geld.
Der richtige Weg ist es IMHO, die Anleger so fit zu machen, dass sie selber feststellen können, welche Anlagen ihren Wünschen entsprechen.
Das macht ihr schon recht gut, aber da ist noch Luft nach oben und die 1,5 Millionen mehr pro Jahr werden euch da sicher helfen.

B.Giertz

25.03.2012, 13:38 Uhr

Man sollte die Stiftung-Warentes, bei allen ihren Verdiensten auch nicht
das Primat der Unfehlbarkeit anhängen!

Ich erinnere mich gut daran wie die Berufsunfähigkeitsversicherung
von Cosmos-Direkt dort regelmäßig Spitzenplätze ergatterte,
obwohl jeder Insider wusste wie sehr die Vertragsbedingungen
vor Fallstricken und Einschränkungen trotzten !!

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