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16.01.2014

16:01 Uhr

Anlegerrecht

Warum niemand Prokon gestoppt hat

VonJens Hagen

Eine Insolvenz des Windkraftunternehmens Prokon käme nicht überraschend. Seit Jahren gibt es kritische Berichte. Warum konnte weder die Regierung noch die Aufsicht ein mögliches Anlegerfiasko verhindern?

Firmensitz: Die Fassade im Gebäude des Windkraftherstellers Prokon besteht aus umweltfreundlichen Holz. dpa

Firmensitz: Die Fassade im Gebäude des Windkraftherstellers Prokon besteht aus umweltfreundlichen Holz.

DüsseldorfObwohl die Insolvenz von Prokon noch längst nicht beschlossen ist, sucht das Unternehmen bereits nach möglichen Schuldigen. Mal ist es die Presse, die angeblich eine „Hetzkampagne“ gegen das Unternehmen führen soll. „Ihr macht doch alle einen Scheißjob“, erklärte Prokon-Gründer Carsten Robertus zuletzt den Medienvertretern. „Ihr schickt uns in die Insolvenz“.

Ein anderes Mal sind es „vermeidliche Anlegerschützer“ wie der Schutzverein der Kapitalanleger (SdK), der angeblich „ganz gezielt die Angst schürt“. SdK-Verantwortliche, so Prokon weiter, „werden mit negativen Kursverläufen und Insolvenzen von Unternehmen in Verbindung gebracht“.

Bei der Selbstanalyse zeigt sich das Management weniger lautstark. „Statt sich Geld bei den Banken für vier oder fünf Prozent zu leihen, hat Prokon Genussrechte zu einem Zins von bis zu acht Prozent ausgegeben“, sagt etwa Daniel Bauer von der kritisierten Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) im Interview mit Handelsblatt Online. „Zudem wurden sehr langfristige Investitionen mithilfe einer sehr kurzfristigen Finanzierung getätigt. Ein klarer Management-Fehler.“

Prokon in Zahlen

Rahmendaten

Gegründet 20. Oktober 1995, beschäftigt Prokon 1306 Mitarbeiter (Stand: Oktober 2013). Zum Portfolio gehören 314 Windparks.

Genussrechtinhaber

75.115

Genussrechtkapital

Knapp 1,4 Milliarden Euro

Gezahlte Zinsen

300,4 Millionen Euro (per 31. Oktober 2013).

Verlust

209,9 Mio. Euro (per 31. Oktober 2013)

Bedenken, dass die betriebswirtschaftliche Rechnung nicht aufgehen könnte, sind schon lange bekannt. Stiftung Warentest hatte schon in der April-Ausgabe aus dem Jahr 2010 berichtet, dass der Windkraftkonzern „für seine riskanten Genussrechte als sichere Anlage werbe“. Das Landgericht Itzehoe untersagte in einem nicht rechtskräftigen Urteil dem Unternehmen nicht einseitig für die Vorteile zu werben, ohne auf die Risiken hinzuweisen (Az: 5O66/10).

Auch Medienberichte im Handelsblatt, NDR oder Stern stellten dem Windkrafthersteller kein gutes Zeugnis aus. Prokon steht auf der Warnliste der Stiftung Warentest, wie auch FSE Platinum, der Genussrechte unter den Namen Epeku, Eupek und Platinum vertrieb und bereits im November 2011 Insolvenz anmelden musste. Laut Stiftung Warentest war bereits Ende 2012 das Eigenkapital des Konzerns und der Genussrechtsgesellschaft negativ, der Fehlbetrag lag bei 128,8 Millionen Euro. Laut Zwischenbilanzen zum 31. Oktober 2013 sei das Stammkapital aufgezehrt. Prokon war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Angesichts einer solchen Vielzahl an Warnsignalen fragen sich Anleger, warum weder Politik noch Aufsichtsbehörden aktiv wurden. Die Recherchen von Handelsblatt Online zeigen, dass Bundes- und Länderministerien von dem Problem mangelhafter Regulierung von Unternehmen wie Prokon wissen mussten und sie trotzdem nichts unternommen haben - und dass die Finanzaufsicht Bafin keine rechtliche Handhabe hatte. Ein Blick auf den Markt von Finanzprodukten belegt, dass es immer noch zahlreiche Anlageprodukte gibt, die unzureichend überwacht werden.

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

16.01.2014, 16:37 Uhr

"Warum das Ministerium unter der Vorgängerregierung sich nicht längst für entsprechende Regulierungen des Kapitalmarktes beantwortet das Ministerium ebenso wenig wie die Frage..."
Der Handelsblatt-Leser ahnt so ungefähr, was der Artikelschreiber uns sagen möchte. Nur, warum soll Maas die Politik seiner Vorgängerin Leutheuser-Schnarrenberger erklären?

klareKante

16.01.2014, 16:43 Uhr

Da gibt's keine Politik zu erklären. Die ist schlicht und ergreifend falsch:


Aus objektiver Sicht von Investoren ist ganz klar die naive Energie- Wende- Initiative schon vom Ansatz her falsch. Wie kann man denn eine Energiewende mit Windenergie und Fotovoltaik als politische Zielsetzung eines Industrielandes propagieren, wenn von vorn herein klar ist, dass weder die Grundlast noch die Versorgungssicherheit für industrielle Produktionsprozesse damit gewährleistet werden kann.

Das Ganze dann auch noch mit einer völlig unausgegorenen Förderpolitik mittels EEG-, KWK- Umlagen und ähnlichem Unsinn durchsetzten zu wollen, die von willkürlichen und ungerechten Ausnahmeregelungen nur so strotzt, zeugt schon von besonderer Naivität.

Der Rest der Welt setzt auf moderne und vor allem CO2-freie Kernkraftwerke, die nach höchsten Sicherheitsstandards betrieben werden.

Fakt ist, dass wir den Strom dort kaufen, wo er am preiswertesten ist: z. B. bei unserem Nachbarn Frankreich, wo zu 70% Strom aus Kernkraft produziert wird. Oder wir erzeugen Strom in den klassischen Braunkohle- Kraftwerken mit im Mix - da weniger Kernenergei - noch mehr CO2- Ausstoss als bisher.

USA, CHINA und JAPAN bauen munter neue, moderne Kernkraftwerke. Und Deutschland fällt technologisch zurück ins Windmühlen- Zeitalter....

Übrigens: Fukushima war ein kostengetriebener und vermeidbarer Standortfehler, der an Japans Westküste - dort gibts keine Tsunamis - nie passiert wäre.

Und komme mir keiner mit weiteren Bedenken: im Strassenverkehr sterben in der EU jedes Jahr ca. 30.000 Menschen!

Merkwuerdig

16.01.2014, 16:56 Uhr

wieso wird mitten in einem solchen Artikel die Anzeige "12%-Geldanlge in Holz" veröffentlicht? Neues Spiel, neues Glück?

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