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27.02.2015

16:02 Uhr

Anlegerschutz

Auch Verbraucher in der Pflicht

Die Bundesregierung sieht beim geplanten Schutz der Anleger vor hochriskanten und unseriösen Finanzprodukten auch Verbraucher in der Pflicht. Das Gesetz sieht mehr Transparenz vor.

Anbieter und Vermittler müssen künftig mehr und aktuellere Informationen zu Anlagen in Verkaufsprospekten veröffentlichen. imago stock&peopleimago

Mehr Anlegerschutz

Anbieter und Vermittler müssen künftig mehr und aktuellere Informationen zu Anlagen in Verkaufsprospekten veröffentlichen.

BerlinDie Bundesregierung sieht beim geplanten besseren Schutz der Anleger vor hochriskanten und unseriösen Finanzprodukten auch Verbraucher in der Pflicht. Es gehe um die Balance zwischen Regulierung und Eigenverantwortung, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, Michael Meister (CDU), am Freitag im Bundestag bei der ersten Lesung des Kleinanlegerschutzgesetzes. Justizminister Heiko Maas (SPD) sprach von einem neuen Koordinatensystem für den „Grauen Kapitalmarkt“.

Das Gesetz sieht mehr Transparenz vor, Werbeverbote und Warnhinweise für Geldanlagen sowie eine stärkere Aufsicht über Anbieter und Produkte. Hoffnung ist auch, unzulässige „Schneeballsysteme“ einzudämmen, mit denen Anleger häufig geprellt wurden. Auslöser für die strengeren Vorgaben war auch die Insolvenz des Windparkfinanzierers Prokon. Dort hatten 75 000 Anleger etwa 1,4 Milliarden Euro in hochriskante Genussrechte investiert. Experten schätzen, dass Anleger jährlich zwischen 50 und 100 Milliarden Euro durch Falschberatung und den Verkauf unseriöser Produkte verlieren.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Anbieter und Vermittler müssen künftig mehr und aktuellere Informationen zu Anlagen in Verkaufsprospekten veröffentlichen. Die Prospektpflicht wird auf alle Vermögensanlagen ausgedehnt. So sind Anbieter von Nachrangdarlehen und ähnlichen Angeboten zu Prospekten verpflichtet. Da solche Darlehen auch für Kapitalsammeln per Internet („Crowdfunding“) sowie bei sozialen und gemeinnützigen Projekten genutzt werden, soll es Ausnahmen geben. Öffentliche Werbung in Bussen und Bahnen oder auf Plakaten ist unzulässig. In Printmedien bleibt sie erlaubt, wird aber eingeschränkt.


Von

dpa

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