Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.04.2014

14:00 Uhr

Anlegerschutz

Infinus-Skandal weitet sich aus

Schnelle Autos, teure Uhren, schicke Motorboote – die Infinus-Manager lebten in Saus und Braus. Heute wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Anlegerskandal ist deutlich größer als bislang vermutet.

Briefkasten: Die Dresdner Finanzfirmengruppe Infinus ist insolvent. dpa

Briefkasten: Die Dresdner Finanzfirmengruppe Infinus ist insolvent.

Je größer der Erfolg, desto tiefer der Absturz. Noch vor wenigen Monaten lebten die Infinus-Chefs in Saus und Braus. Zum Vermögen des Beschuldigten Gesellschafters Jörg Biel gehörte etwa einen Bentley Continental GT ein Porsche Cayenne Turbo und drei Volvos. Außerdem: Goldbarren, teure Uhren, ein Motorboot Benaco 909 „Maurice" im Wert von 250 000 Euro.

Die Prasserei ist vorbei. Heute wurde das Insolvenzverfahren über die Holdinggesellschaft Future Business, besser bekannt als Infinus, eröffnet. Die erste Pressekonferenz zu Infinus dürfte für viele Anleger ein Schock sein. Der Insolvenzverwalter Bruno Kübler korrigierte die Zahlen der geschädigten Anleger deutlich nach oben.

Der Unternehmensgruppe wird vorgeworfen, Anleger im großen Stil betrogen zu haben. Die Gläubigerforderungen bezifferte Kübler auf eine Milliarde Euro, zuvor war lediglich von rund 400 Millionen Euro die Rede. Allein bei der Fubus stünden nach derzeitigem Erkenntnisstand normalrangige Insolvenzforderungen in Höhe von 684 Millionen Euro zu Buche, hauptsächlich aus Orderschuldverschreibungen, in die knapp 30 000 Anleger investiert hätten. Sie können nach Angaben Küblers darauf hoffen, bis zu 20 Prozent ihres Geldes zurückzuerhalten. Insgesamt wurde die Zahl der betroffenen Anleger nach oben korrigiert – von 25.000 auf 40.000.

Beschlagnahmte Vermögenswerte des Infinus-Chefs

Luxuskarossen

Im Ermittlungsverfahren wegen Betrugs wurden Vermögensgegenstände des Beschuldigten Jörg Biel, persönlich haftender Gesellschafter der Future Business KGaA gesichert. In der Liste Liste aus dem Bundesanzeiger fanden sich unter anderem einige Autos, etwa einen Bentley Continental GT (Wert: 129.500€), Porsche Cayenne Turbo (Wert: 63.650€) und drei Volvos.

Gold

Biel saß zwischenzeitlich in der Justizvollzugsanstalt Dresden in Untersuchungshaft. Im Sicherungsvermögen befinden sich auch 24 Goldbarren im damilgen Wert von 691 000€

Bargeld

Ausserdem wurde Bargeld in Höhe von 14 380€ sichergestellt.

Aktien

Und tausende Aktien in unterschiedlichen Stückelungen.

Armbanduhren

Die Liste zeigt auch 18 Luxusuhren, unter anderem von Lange & Söhne (Platin), Rolex Oyster Yacht Master und Daytona, Jaeger-Le-Coultre MasterControl. Auch Houte Couture-Ware von Gucci oder Cartier war dabei.

Motorboote

Die Staatsanwälte sicherten auch zwei Motorboote. Eine Frauscher Benaco 909 „Maurice" (Wert: 250 000€) und eine Atlantis 47 HT „Princess II" (Wert: unbekannt).

Derzeit wird gegen zehn Verantwortliche der Future Business-Gruppe ermittelt, darunter auch gegen den Steuerberater und den Wirtschaftsprüfer. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, eingeworbene Anlegergelder nach Art eines Schneeballsystems in Lebensversicherungen und Goldsparpläne investiert zu haben. Dabei wurden über verdeckte Provisionsabreden wesentliche Teile der von Dritten bezahlten Provisionen im Konzern vereinnahmt. Das wurde den Anlegern aber nicht offengelegt.

Anfang November 2013 gab es eine Razzia der Staatsanwaltschaft Dresden und des Landeskriminalamts Sachsen bei Future Business. Betroffen waren 30 Betriebe an verschiedenen Standorten in Deutschland und in Österreich. Gegen sechs Beschuldigte in Deutschland erging Haftbefehl. Einer davon befindet sich wieder auf freiem Fuß.

Vermögensverwalter im Interview: „Heute ist Ihr Glückstag!“

Vermögensverwalter im Interview

„Heute ist Ihr Glückstag!“

Ein Anlegerskandal reiht sich an den nächsten. Ein Vermögensverwalter erklärt, wie Vertriebler zweifelhafte Produkte verkaufen, wann Anleger misstrauisch werden sollten und berichtet von einem Treffen mit Infinus.

Der Anlegerskandal zieht auch mehrere Versicherer in den Bann. Töchter der Ergo-Versicherung haben fragwürdige Lebensversicherungen mit Unternehmen aus der Infinus-Gruppe geschlossen. Auch die Gothaer Versicherung und die österreichische Assekuranzen Uniqa und Wiener Städtische sind in den Anlegerskandal Skandal involviert.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

01.04.2014, 15:46 Uhr

Wenn ERGO, Gothaer und co wirklich mit drin stecken sollten, könnte noch mehr Geld zurückgeführt werden.
Das wird noch spannend.
Denn dann weiss man wo das Geld hingeflossen ist.

Account gelöscht!

02.04.2014, 13:26 Uhr

Wenn ich "ERGO" lese,
weiss ich schon Bescheid... die "Brüder" waren und sind schon immer suspekt!

Wer bei infinus Geld investierte, hat den Verlust verdient. Naivität und Dummheit hat sich in Geldgeschäften seit Judas Ischkariot nicht ausgezahlt (ja, das war die übergierige Nase mit den Silberlingen)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×