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14.01.2014

16:27 Uhr

Anlegerschutz

Staat begünstigt schwarze Schafe

VonKatharina Schneider, Jens Hagen, Jessica Schwarzer

Zehntausende Anleger bangen um ihr Geld, das sie in Prokon-Genussrechte investiert haben. Gelockt wurden sie durch den Hype um die Erneuerbaren Energien. Schon andere staatliche Förderungen gingen nach hinten los.

Wo Geld zu verdienen ist, da tauchen unter den Anbietern meist auch schwarze Schafe auf. Getty Images

Wo Geld zu verdienen ist, da tauchen unter den Anbietern meist auch schwarze Schafe auf.

DüsseldorfWindkraft, Solaranlagen, Blockkraftwerke – kurz: Erneuerbare Energien. Diese Begriffe waren spätestens seit Inkrafttreten des Erneuerbare Energien-Gesetzes im Jahr 2000 in aller Munde. Und wenn sogar die Bundesregierung Öko-Strom in großem Stil fördert, warum sollte dann nicht auch der Privatanleger von diesem Boom profitieren?

Der Öko-Energie-Anbieter Prokon hat mit seinen Genussrechten den Nerv der Zeit getroffen. Angesichts der sinkenden Bankzinsen suchten Anleger nach renditestarken Alternativen. Prokon lockte nicht nur mit Renditen von mindestens sechs, teilweise sogar acht Prozent, sondern sprach zudem noch das ökologische Gewissen an: Geld anlegen und zugleich etwas Gutes für die Umwelt tun.

Insgesamt hat Prokon seit 2007 mit Genussrechten knapp 1,4 Milliarden Euro von mehr als 75.000 Anlegern eingesammelt. Jahrelang schien das Konzept aufzugehen, das Unternehmen zahlte bis 2013 zuverlässig seine Zinsen. Nun aber droht die Insolvenz. Verbraucherschützer hatten das Geschäftsmodell schon lange infrage gestellt und mangelnde Transparenz beklagt. Zudem kritisierten sie, dass den Verbrauchern vorgetäuscht werde, die Anlage sei so sicher wie ein Sparbuch. Die Firma selbst stellt sich nun jedoch als Opfer einer Kampagne dar. Anleger seien verunsichert worden, hätten ihre Genussrechte gekündigt und nun fehle es an flüssigen Mitteln, um die laufenden Kosten zu decken.

Verhaltensregeln am grauen Markt

Misstrauen Sie hohen Renditen

Früher galten zweistellige Renditen als suspekt, heute wird es schon bei mancher Solaranleihe mit sechs Prozent Zins kritisch. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen möchten Sparer zwar gerne etwas mehr verdienen. Doch im Moment sind leider die Zinsen auf einem historischen Tief. Wer behauptet, er könnte Festgeldangebote und Anleiheanbieter haushoch überbieten, ist unglaubwürdig.

Lesen Sie alle Unterlagen

Die Entschuldigung „In Finanzdingen kenne ich mich nicht aus“ gilt nicht. Auch Experten brauchen oft Tage, bis sie einen Prospekt komplett verstanden haben. Wenn der Berater nur eine nette Broschüre mitgebracht hat, dann sollte der Anleger im Internet den Prospekt herunterladen (meist unter „Downloads“). Anbieter sind bei Fonds verpflichtet, alle Risiken aufzuzählen. Wer querlesen möchte, sollte zumindest die Prognoseplanung auf Plausibilität überprüfen. Wichtig ist die komplette Lektüre des Zeichnungsscheins.

Nehmen Sie Zeugen mit

Auch einem altbekannten Bankberater ist nicht unbedingt zu trauen. Die Angestellten stehen oft unter hohem Verkaufsdruck. Was besprochen wurde, gehört zwar ins Beratungsprotokoll. Aber auch das sichert im Zweifel eher den Berater ab als den Kunden. Deshalb: lieber einen Bekannten als Zeugen mitnehmen.

Hinterfragen Sie die Kosten

Die einfache Frage: "Was verdient der Berater?" stellen sich viele Anleger gar nicht. Erst hinterher wird ihnen klar, warum ihr Vermittler das eine oder andere Investment so toll fand.

Prokon wäre nicht das erste Unternehmen aus der Branche der Erneuerbaren Energien, das Insolvenz anmelden muss. Zuletzt sorgten beispielsweise die Fälle Solon, Solar Millennium und Windreich für Schlagzeilen. Allerdings ist Prokon der größte Anbieter ökologischer Kapitalanlagen und die Summe der investierten Gelder ist enorm. Ob und wie viel Anleger im Falle einer Insolvenz zurückbekommen würden, lässt sich bisher schwer absehen.

„Es hängt im Wesentlichen davon ab, wie viel Vermögen tatsächlich noch da ist und wie gut der Insolvenzverwalter arbeitet“, sagt Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus München. Doch die Position der Genussrechteinhaber ist ungünstig: Wenn die Ansprüche der Gläubiger im Insolvenzverfahren befriedigt werden, sind sie als Letzte an der Reihe.

Anlegerschützer zu  Prokon: „Geld nachlegen wäre verrückt“

Anlegerschützer zu Prokon

exklusiv„Geld nachlegen wäre verrückt“

Der Fall Prokon schreckt Anleger auf: Angelockt von hohen Zinsen haben sie fast 1,4 Milliarden Euro in die Windkraftfirma investiert. Nun steht das Geld auf dem Spiel. Ein Anlegerschützer erklärt, was jetzt zu tun ist.

Dass Zehntausende Anleger nun um ihr Geld bangen müssen, hat ein Stück weit auch der Staat mit zu verantworten. Schließlich haben insbesondere die staatlichen Förderungen die Erneuerbaren Energien für Finanzdienstleistern und Anlegern so attraktiv gemacht. So wird Öko-Strom beispielsweise bei der Einspeisung ins Stromnetz bevorzugt und die Vergütung ist staatlich gesichert.

Daneben gibt es beispielsweise auch einen staatlichen Bonus für die Installation von Solaranlagen. „Der Staat gibt durch sein Handeln – sei es durch Steuervorteile, Förderungen oder andere Kampagnen – bestimmten Finanzprodukten Rückenwind. Natürlich beeinflusst das die Entscheidungen der Anleger“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Kommentare (30)

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Account gelöscht!

14.01.2014, 15:15 Uhr

Wenn Anlegern 1% auf dem Tagesgeld nicht genug ist und in GENUSSRECHTE von einem undurchsichtigen Unternehmen investiert wird, muss man auch das entsprechende Risiko tragen.

Das ging nun nach hinten los - selbst schuld...

HofmannM

14.01.2014, 15:22 Uhr

Die ganze politisch diktierte Energiewende auf Basis des Zwangs-EEG ist Abzocke und Verarsche am deutschen Bürger/Wähler!
Energiewende/Energieeinsparparolen = Markenzeichen einer verarmten und mangelhaften sozialistischen Gesellschaft (DDR 2.0)! Der größte Abzocker am deutschen Bürger ist der Staat und hier steht die Bundesregierung mit der Merkel an erster Stelle!

Tschu

14.01.2014, 15:47 Uhr

Sorry, aber ich habe kein Mitleid mit den Anlegern, wenn ich was nicht verstehe, kaufe ich es nicht... Und rein von der Logik her, wenn seriöses Unternehmen sich Geld von Banken für 3% leihen kann, warum sollen sie dann bitte 6-8% zahlen?

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