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06.06.2014

08:52 Uhr

Anlegerskandal

Prokon-Gründer kämpft mit allen Tricks

VonGertrud Hussla

Carsten Rodbertus wirbt um die Stimmen seiner Anleger. Bei der Gläubigerversammlung des insolventen Windkraftbetreibers will er wieder das Sagen haben. Der Insolvenzverwalter prüft derzeit Schadenersatzansprüche.

Prokon-Geschäftsführer Carsten Rodbertus und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin (rechts) bei einer Pressekonferenz. dpa

Prokon-Geschäftsführer Carsten Rodbertus und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin (rechts) bei einer Pressekonferenz.

DüsseldorfDie Zeiten als Carsten Rodbertus potenzielle Anleger bei Häppchen und Sekt in noble Hotels lud, sind vorbei. Aber aufgegeben hat der Gründer des insolventen Windparkbetreibers Prokon noch lange nicht. Heutzutage bittet der 54-Jährige mit dem grauen Zopf seine Jünger in Vereinsgaststätten, wie etwa am vergangenen Sonntag in den Postillion in Bremen.

Rodbertus kämpft mit bescheideneren Mitteln, aber er kämpft. Er ist auf Stimmenfang und sammelt Vollmachten von Genussrechtsinhabern, vor allem für die Gläubigerversammlung am 22. Juli. Die Prokon Regenerative Energien GmbH hatte mit ihren 75.000 Anlegern und mit 1,4 Milliarden Euro eingesammeltem Anlegergeld am 1. Mai Insolvenz angemeldet.

Verhaltensregeln am grauen Markt

Misstrauen Sie hohen Renditen

Früher galten zweistellige Renditen als suspekt, heute wird es schon bei mancher Solaranleihe mit sechs Prozent Zins kritisch. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen möchten Sparer zwar gerne etwas mehr verdienen. Doch im Moment sind leider die Zinsen auf einem historischen Tief. Wer behauptet, er könnte Festgeldangebote und Anleiheanbieter haushoch überbieten, ist unglaubwürdig.

Lesen Sie alle Unterlagen

Die Entschuldigung „In Finanzdingen kenne ich mich nicht aus“ gilt nicht. Auch Experten brauchen oft Tage, bis sie einen Prospekt komplett verstanden haben. Wenn der Berater nur eine nette Broschüre mitgebracht hat, dann sollte der Anleger im Internet den Prospekt herunterladen (meist unter „Downloads“). Anbieter sind bei Fonds verpflichtet, alle Risiken aufzuzählen. Wer querlesen möchte, sollte zumindest die Prognoseplanung auf Plausibilität überprüfen. Wichtig ist die komplette Lektüre des Zeichnungsscheins.

Nehmen Sie Zeugen mit

Auch einem altbekannten Bankberater ist nicht unbedingt zu trauen. Die Angestellten stehen oft unter hohem Verkaufsdruck. Was besprochen wurde, gehört zwar ins Beratungsprotokoll. Aber auch das sichert im Zweifel eher den Berater ab als den Kunden. Deshalb: lieber einen Bekannten als Zeugen mitnehmen.

Hinterfragen Sie die Kosten

Die einfache Frage: "Was verdient der Berater?" stellen sich viele Anleger gar nicht. Erst hinterher wird ihnen klar, warum ihr Vermittler das eine oder andere Investment so toll fand.

Nun will Rodbertus die Kontrolle über sein Lebenswerk zurückgewinnen. Und verwendet alle Tricks. Die rund 60 Zuhörer in der Gaststube direkt an der Weser erfahren an diesem Tag Erstaunliches: Prokon sei viel mehr wert, als Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin glauben mache. Der wolle den Konzern nur zerschlagen: „Ich will nicht sagen, dass Penzlin lügt, aber er gestaltet die Wahrheit. Es gibt somit stille Reserven.“ Das Zitat hat sich einer der Besucher notiert. Damit holt Rodbertus wieder alte Geschichten hervor: Prokon arbeite wirtschaftlich, die Verluste waren nur vorübergehend, im Prinzip ist ja alles noch da.

Ähnliche Töne wie vor der Insolvenz. Penzlin hatte dagegen zur Eröffnung des offiziellen Insolvenzverfahrens verkündet, dass nach dem aktuellen Stand im Konzern 1,53 Milliarden Verbindlichkeiten nur noch ein Vermögen von 1,05 Milliarden Euro gegenüberstehe. Der Konzern sei also mit 474 Millionen Euro überschuldet.

Solche Daten lassen einen wie Rodbertus nicht kleinlaut werden. Kaum ein gutes Haar lässt er an Penzlins Arbeit, seit der Verwalter Rodbertus Ende März vor die Tür gesetzt hat. Der Verwalter eröffne immer neue Spielwiesen, ohne dass Experten einen Sinn darin sähen, sagt Rodbertus an diesem Nachmittag. Auf der Gläubigerversammlung am 22. Juli könne man Penzlin sogar abwählen, schlägt Rodbertus laut Besucheraussagen an dem Sonntagnachmittag in Bremen vor. Das scheint der wahre Zweck der Veranstaltung zu sein.

Doch auch Insolvenzverwalter Penzlin ist nicht untätig. Er prüft Schadenersatzansprüche gegen Rodbertus. Dessen Geschäftsführung habe bei den Gläubigern bisher Schäden von mehr als einer halben Milliarde Euro verursacht, teilte Penzlin am Freitag in Hamburg mit. „In diesem Zusammenhang lasse ich Schadenersatzansprüche gegen ihn prüfen, schwerpunktmäßig wegen unzureichend besicherter Darlehensvergaben“, erklärte Penzlin.

Kommentare (5)

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06.06.2014, 08:46 Uhr

Der Prototyp der Energiewende.

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06.06.2014, 09:31 Uhr

Diese Lügen und Betrugs Tricks werden ja nicht nur von Hr. Rodbertus beherrscht. Auch ein Asbeck von Solarword beherrscht diese Hinhalte-Ausbeuter-Tricks von Rethorik einer Lügen und Betrugsbranche, der sog. Erneuerbaren Energiebranche.
Und der GRÖßTE Martkfeindliche und Betrug Trick war die Einführung eines asozialen und perfiden EEG (Erneuerbaren Energie Gesetz). Dieses EEG erlaubt es einer Gruppe/Typen von Abzockern, Betrügern und Lügnern, wie es Rodbertus und Asbeck mit Prokon und Solarworld stellvertretende für die sog. Erneuerbaren Energien darstellen, erst richtig, marktfeindlich und damit gegen das Volk und Bürger/Wohlstand, Kasse zu machen.

Energiewende/EEG/Erneuerbare Energien = Abzocke, Lug und Trug, Marktfeindlich und Wohlstandsschädigend für das Gesamte deutsche/europäische Volk. Nicht nur die Anleger werden per EEG hinter das sog. Erneuerbare Energie Licht geführt, sondern die Gesamt Bevölkerung. Nur damit einige (Rodbertus, Asbeck und Co.) weiter Kasse machen können und dies zu Lasten von uns ALLER Bürger!

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06.06.2014, 09:42 Uhr

Es gibt keine erneuerbare Energie, das sagt doch alles über
diesen Staat.

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