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27.02.2014

06:42 Uhr

Anlegerskandal

Wie die Aufseher S&K gewähren ließen

VonJens Hagen

ExklusivTausende S&K-Anleger bangen um ihr Geld. Die Finanzaufsicht Bafin hätte früher misstrauisch werden können. Aus Rücksicht auf Ermittlungen griff sie nicht ein. Kritiker bemängeln fehlenden Spürsinn.

Bild aus besseren Tagen: Der ehemalige S&K-Chef Jonas Köller mit Begleitung.

Bild aus besseren Tagen: Der ehemalige S&K-Chef Jonas Köller mit Begleitung.

Auf den Urlaubsbildern aus Dubai wirkt Jonas Köller mit seiner blonden Freundin noch ganz entspannt. Die sehr persönlichen Bilder zeigen einen jungen Mann in Urlaubsstimmung, turtelnd mit einer Blondine: Ein junges Liebespaar, sich küssend im Museum, in Badesachen an einem traumhaften Strand, richtig schick bei einem Glas Wein im Restaurant. Köller wirkt gelöst und sorgenfrei.

Solche Bilder sind vielleicht die letzten Zeugnisse des Luxuslebens der ehemaligen S&K-Chefs. Ein Leben auf der Überholspur, scheinbar naiv und sorgenfrei und doch auf Sand gebaut. Denn nach den Aufnahmen endete der Traum vom sagenhaften Luxus auf Kosten anderer abrupt.

Um diese Produkte geht es im S&K-Fall

Liste der Rechtsanwalt-GmbH PIA

Die Rechtsanwalt-GmbH PIA, ein Zusammenschluss der beiden großen Kanzleien Nieding und Barth in Frankfurt und Tilp in Tübingen, hat eine Liste mit Fonds und anderen Produkten erstellt, die von dem mutmaßlichen Betrug der S&K betroffen sind. Nachfolgend wird diese Liste dargestellt.

S&K Real Estate Value Added Fondsgesellschaft mbH & Co. KG

Über eine Treuhandkommanditistin der United Investors Gruppe wurden hier die Gelder der Anleger, ausweislich des Prospektes, in andere S&K Gesellschaften investiert, die sich wiederum an weiteren S&K Zweckgesellschaften beteiligen sollten. Diese sollten dann in Immobilien aus Zwangsversteigerungen investieren.

Deutsche S&K Sachwerte GmbH & Co. KG

Bei dieser Beteiligung wurden Anlegergelder des Fonds als Darlehen an die Deutsche S&K Sachwert AG vergeben, welche die Gelder dann auf dem deutschen Immobilienmarkt investieren sollte. Die Beteiligung erfolgte über eine treuhänderisch gehaltene Kommanditbeteiligung.

Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 GmbH & Co. KG

Der Nachfolgefonds zum Deutsche S&K Sachwerte GmbH & Co. KG versprach die gleiche Strategie wie der Vorgänger. Auch hier sollten Anlegergelder als Darlehen an S&K Gesellschaften vergeben werden, die dann im Immobilienmarkt investieren sollten.

S&K Investment GmbH & Co. KG und S&K Investment Plan GmbH & Co. KG

Als Private-Equity Fonds sollten die vorstehenden Beteiligungsangebote nicht nur der Immobilienfinanzierung, sondern der S&K Gruppe auch zum Wachstum dienen.

„Vario” Produkte

Die sogenannten „Vario” Produkte (Vario Zins, Vario Flex, Vario Loan, Vario First und Vario Prime) der Deutsche Sachwert Emissionshaus AG (DSW), die in S&K Gesellschaften investiert haben.

MIDAS Mittelstandsfonds

Die MIDAS Mittelstandsfonds Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6 GmbH & Co. KGs, die von der S&K Gruppe 2011 übernommen wurden.

SHB-Fonds

Die SHB-Fonds der SHB Innovative Fondskonzepte AG, an denen die S&K Gruppe über die Muttergesellschaft beteiligt ist, insbesondere die SHB Altersvorsorgefonds, SHB Renditefonds 6 und die SHB Fonds Fürstenfeldbruck und München.

DCM-Fonds

Die DCM-Fonds der DCM AG, die seit 2012 von der S&K gehörenden DCM Verwaltungs GmbH und der DCM Service GmbH verwaltet werden.

Asset Trust AG

Die Asset Trust AG bewog Anleger in der Vergangenheit dazu, Lebensversicherungen gegen Investments in S&K zu tauschen. Auch über die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG beteiligen sich Anleger an S&K.

Köller und Kollegen verursachten einen der größten Anlegerskandale der Nachkriegsgeschichte. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt werden knapp hundert Personen beschuldigt, rund 12.000 Fondsanleger seien betroffen, der Schaden soll bei rund 200 Millionen Euro liegen.

Angesichts des Ausmaßes des Skandals stellt sich die Frage, warum die S&K-Chefs Anleger so lange hinters Licht führen durften, ohne dass es auffiel - ohne dass Ermittler, Finanzaufseher oder schlicht die Polizei eingriff. Nach Informationen von Handelsblatt Online hätte zumindest die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) schon vor Jahren misstrauisch werden können. Sie schritt aber nicht ein. Die Folge: Anleger investierten weiter in die S&K-Fonds und bangen jetzt um ihr Geld.

Mehr als ein Jahr ist es jetzt her, dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft in einer bundesweiten Razzia Köller, Stephan Schäfer und Kollegen fest nahm. Seitdem sitzen die ehemaligen S&K Chefs und fünf weitere Komplizen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft zeigt sich optimistisch, dass die Haftzeit auch nach dem nächsten Prüfungstermin am 22. März fortdauert.

Kommentare (10)

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27.02.2014, 09:27 Uhr

Herr Schäuble muss sich als oberster Aufseher einmal Gedanken darüber machen, was er mit seiner BaFin will.

Von einer Finanzaufsicht kann man offensichtlich nicht reden. Ein Lobbyistenverein ist da schon eher die Interpretation.

Nach der AXA vermeledet heute auch die Allianz einen Gewinnsprung. Gleichzeitig gehen die Versicherer mit Unterstützung der BaFin hin und kürzen den Versicherten bei Endfälligkeit der Lebensversicherungen die Auszahlungen. Da muss doch auch ein Bundesfinanzminister ins Grübeln kommen. Oder?

Es ist dringend an der Zeit, dass die BaFin unter die Aufsicht des Verbraucherschutzministerium kommt und von dort klare Weisungen erhält!

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27.02.2014, 09:29 Uhr

Herr Schäuble muss sich als oberster Aufseher einmal Gedanken darüber machen, was er mit seiner BaFin will.

Von einer Finanzaufsicht kann man offensichtlich nicht reden. Ein Lobbyistenverein ist da schon eher die Interpretation.

Nach der AXA vermeledet heute auch die Allianz einen Gewinnsprung. Gleichzeitig gehen die Versicherer mit Unterstützung der BaFin hin und kürzen den Versicherten bei Endfälligkeit der Lebensversicherungen die Auszahlungen. Da muss doch auch ein Bundesfinanzminister ins Grübeln kommen. Oder?

Es ist dringend an der Zeit, dass die BaFin unter die Aufsicht des Verbraucherschutzministerium klare Weisungen erhält!

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27.02.2014, 09:40 Uhr

In unseren Behörden findet man die gleichen Volltrottel wie unter den vielen Privat-Anlegern, die sich wegen der versprochenen Traumrenditen in Betrügergeschäfte einlassen.

Egal ob es sich um Inhaber-Schuldverschreibungen, virtuelle Währungen, Junkbonds oder geschlossene Fonds handelt, sehr häufig greift der Doofe zu.

Ich muß ehrlich gestehen, dass ich wenig Mitleid empfinde.

Wenn man die unzureichende Finanz- und Personalausstattung der Kontrollbehörden betrachtet, hat man das gleiche Gefühl wie bei der ebenfalls unterpersonalisierten Steuerfahndung, dass der Betrug stillschweigend hingenommen wird.

Auf der anderen Seite stehen dann durchgekallte Staatsanwälte, die unserem Grüß-August a.D. Vorteilsannahme von 750 € nachweisen wollen und dafür einen erfolglosen millionenteuren Prozeß anzetteln.

Von Herrn Mollath wollen wir garnicht reden, der in eine Irrenanstalt eingewiesen wurde, weil er Geldwäscheaktivitäten angezeigt hatte.

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