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18.11.2012

11:23 Uhr

Antrag noch bis Jahresende

Nettogehalt mit Steuerfreibeträgen aufbessern

VonAndreas Toller
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Wer mit einer hohen Steuerrückzahlung rechnet, kann stattdessen eventuell monatlich mehr Netto vom Brutto rausschlagen. Das geht mit einem Steuerfreibetrag. Wie das funktioniert und warum es eilt.

Zum Beispiel mit der richtig Steuerklasse lässt sich Geld sparen. gms

Zum Beispiel mit der richtig Steuerklasse lässt sich Geld sparen.

DüsseldorfELStAM kommt – mit zwei Jahren Verspätung. ELStAM steht für „Elektronische Lohnsteuer-Abzugsmerkmale“. Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich nichts anderes als die elektronische Lohnsteuerkarte – die ab 2013 ihren alten Pappkameraden ablöst. Nach diversen Pannen bei der Umsetzung scheint es diesmal tatsächlich zu klappen.

Im digitalen Verfahren erfasst ELStAM alle für die Lohnsteuererhebung wichtigen persönlichen Daten, etwa Familienstand, Religionszugehörigkeit, Steuerklasse, Kinderzahl und: die Frei- und Pauschbeträge. Wegen der zweijährigen Verschiebung von ELStAM mussten die Freibeträge in den vergangenen beiden Jahren nicht neu beantragt werden, sondern blieben entsprechend der Einträge auf der Lohnsteuerkarte 2010 automatisch erhalten. Nun aber ist ein Neuantrag fällig. Und damit Steuerzahler auch etwas davon haben, sollten sie sich beeilen.

Das Wichtigste zu den ElStAM

Welche Daten werden gespeichert?

Das Bundeszentralamt für Steuern speichert die Steuerklasse, die Anzahl der Kinderfreibeträge sowie sonstige Freibeträge und die Religionszugehörigkeit. Außerdem: die melderechtlichen Daten wie Heirat, Geburt eine Kindes sowie Kircheneintritt oder -austritt, die wie bisher von den Gemeinden an die Finanzverwaltung übermittelt werden.

Wie ändere ich mich meine ELStAM?

Um die elektronisch gespeicherten Merkmale zu ändern, müssen Arbeitnehmer einen Antrag bei ihrem Finanzamt stellen.

Wer darf die ELStAM abrufen?

Nur der Hauptarbeitgeber kann alle Angaben abrufen. So genannte Nebenarbeitgeber können nur einen Teil der Informationen sehen: Steuerklasse VI, Religionszugehörigkeit und gegebenenfalls einen Freibetrag.

Welche Kontrollmöglichkeiten haben Arbeitnehmer?

Der Arbeitnehmer kann unter www.elsteronline.de (Rubrik: Arbeitnehmer) jederzeit einsehen, welche Daten über ihn gespeichert sind und welche Arbeitgeber diese in den vergangenen zwei Jahren abgerufen haben.

Kann ich den Zugang beschränken?

Der Arbeitnehmer kann selbst bestimmen, welche Arbeitgeber die Daten abrufen dürfen. Dafür wird es drei Listen geben: Positivliste, Teilsperrung und Vollsperrung.

Was macht ein Arbeitgeber ohne Zugang?

Kann er die Daten nicht einsehen, muss ein Arbeitgeber die Lohnsteuer gemäß Steuerklasse VI abführen.

Wo finde ich die verwendeten Daten?

Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer einen Ausdruck der Lohnabrechnung mit den übermittelten ELStAM aushändigen.

Wie erfahren Arbeitgeber von Datenänderungen?

Wenn sich die Lohnsteuerabzugsmerkmale des Steuerzahlers ändern, kommen Arbeitgeber eine Nachricht, dass sie die ElStAM neu abrufen müssen.

Noch sieben Wochen bis zum Jahresende. Höchste Zeit also, auch seine Finanzen auf Vordermann zu bringen. Damit ein bislang auf der Lohnsteuerkarte eingetragener Freibetrag auch 2013 greift, muss er bis zum Jahresende neu beantragt werden. Wer sogar für 2012 noch rückwirkend Freibeträge anmelden möchte, hat nur noch zwei Wochen Zeit: Einträge sind nur noch bis 30. November dieses Jahres beim Finanzamt möglich - und sollten dem Arbeitgeber unverzüglich durch einen Ausdruck der aktuellen ELStAM-Daten mitgeteilt werden.

Das kann sich allerdings lohnen. „Durch den Schachzug kann unter Umständen ein Großteil des Arbeitslohns für November und Dezember steuerfrei bleiben", sagt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL). Auch vom Weihnachtsgeld bleibt dann dank Freibetrag netto deutlich mehr übrig.

Die jährliche Anstrengung gegen die Steuerlast ist längst Teil deutscher Lebensart. Hinzu kommt: In kaum einem anderen Industrieland ist Belastung durch Steuern so stark gestiegen wie zuletzt in Deutschland, hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD, festgestellt. Nach OECD-Zahlen erhöhte sich 2011 die Steuerbelastung gemessen am Bruttoinlandsprodukt von 36,1 Prozent im Jahr zuvor auf 37,1 Prozent.

Im OECD-Schnitt stieg die sogenannte Fiskalquote hingegen nur minimal von 33,8 auf 34,0 Prozent. Die Erhöhung der Abgabenlast ist für deutsche Zahler besonders bitter, denn Steuereinnahmen des Bundes sprudeln wie nie. Erst kürzlich hat die Regierungskoalition damit angefangen, die Abgabenlast zu senken - allerdings nur durch die Abschaffung der Praxisgebühr und die Senkungen der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Eine echte Senkung der Einkommensbesteuerung ist weiterhin nicht in Sicht.

Kommentare (1)

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Steuerzahler

18.11.2012, 21:23 Uhr

Sinnvoller wäre deutlich weniger Staat und viel mehr individuelle fiskalische Grundrechte, denn das Netto steht defacto gar nicht zur freien Verfügung. Ich bin mündig genug mein Geld so zu nutzen, wie ich es für richtig halte. "Der sanfte Verlust der Freiheit" von Prof. Kirchhof zeigt sehr anschaulich genau diese Problematik auf. Wenn doch nur endlich irgendjemand seitens der Politik auf diesen Mann hören würde.

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