Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2010

17:07 Uhr

Anwendungsschreiben

Fiskus definiert die Regeln der Abgeltungsteuer neu

VonOliver Holzinger

In dem umfangreichen Anwendungserlass regelt das Bundesfinanzministerium längst nicht alles rund um die private Geldanlage. Schlimmer noch: Verschiedene Produkte behandelt das Papier nunmehr ungünstiger, so dass Sparer wider Erwarten doch Steuern zahlen müssen.

Ein Jahr nach Einführung der Abgeltungssteuer legt der Fiskus nun einen Anwendungserlass vor. gms

Ein Jahr nach Einführung der Abgeltungssteuer legt der Fiskus nun einen Anwendungserlass vor.

DÜSSELDORF. Rund ein Jahr nach Einführung der Abgeltungsteuer hat das Bundesfinanzministerium (BMF) jetzt endlich das lang erwartete Anwendungsschreiben veröffentlicht. Die insgesamt 105 Seiten führen bei den Kreditinstituten zwar nicht dazu, dass sie alle Geschäftsvorfälle 2009 noch einmal aufrollen müssen. Für Anleger und ihre Berater ergibt sich jedoch die Gelegenheit, den Inhalt des Erlasses in allen Einzelheiten für die Steuererklärung zu verwenden (Az. IV C 1 - S 2252/08/10004).

Dabei ist auf jeden Fall eine intensive Auseinandersetzung mit dem Erlass ratsam, da wider Erwarten doch noch einige Änderungen vorgenommen wurden, die bislang von Fiskus und Kreditwirtschaft anders eingestuft worden sind. Leider regelt das BMF im umfangreichen Anwendungserlass längst nicht alles rund um die private Geldanlage. Zusätzlich müssen noch die beiden Verwaltungsschreiben zu Investmentfonds aus dem August und Kapitallebensversicherungen aus dem Oktober 2009 mit zusammen fast 200 Seiten studiert werden. Nachfolgend einige wichtige Aspekte für den privaten Anlegeralltag.

Zeit für Verluste ist abgelaufen

Sind bei einer Bank im Jahr 2009 Verluste mit Wertpapieren oder am Terminmarkt aufgelaufen, die nicht mit positiven Erträgen ausgeglichen worden sind, fließt der verbleibende negative Saldo beim Institut in einen Verlustverrechnungstopf und wird aufs Folgejahr vorgetragen. Zwar kann der Kunde den Verlust abrufen, um dann über die Steuererklärung positive Kapitaleinnahmen über andere Banken, Versicherungserlöse oder Erträge aus Auslandskonten entsprechend zu mindern. Doch dafür ist es jetzt zu spät. Der Antrag musste bis zum 15. Dezember 2009 gestellt werden.

Das BMF stellt klar, dass spätere Anträge nicht mehr berücksichtigt werden und eine Verlustverrechnung im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung nicht möglich ist. Der aufgelaufene Verlust steht also bei der Bank für 2010 und nicht beim Finanzamt für 2009 zur Verfügung. Glück haben nur Anleger, die im vergangenen Jahr Depots vollständig auf ein anderes Institut übertragen hatten. Hier wird der Verlust bescheinigt und nicht automatisch als Verlustposten auf die neue Bank umgebucht.

Geänderte Auffassung

Verschiedene Produkte behandelt das BMF nunmehr ungünstiger, so dass Sparer wider Erwarten doch Steuern zahlen müssen. Ein Beispiel sind die Discountzertifikate, die schlechter gestellt werden, wenn es bei Fälligkeit die unter den Schwellenwert gefallenen Aktien anstelle des Nennwerts gibt. Ungünstig fällt auch die geänderte Sichtweise zu American Depositary Receipts (ADRs) aus.

Oliver Holzinger ist Steueranwalt und geschäftsführender Redakteur von "Der Betrieb". www.der-betrieb.de

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×