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25.11.2016

14:56 Uhr

Apple Pay und Co.

Das Smartphone-Geld kommt

VonElisabeth Atzler

Mit dem Handy bezahlen ist in Deutschland bisher kaum möglich, Apple Pay noch nicht auf dem Markt. Aber mehrere Banken testen mittlerweile die Smartphone-Geldbörse. Wird sie sich schon bald durchsetzen?

Bisher kann man in Deutschland noch kaum mit dem Smartphone bezahlen. Das könnte sich jetzt rasch ändern. dpa

Das Handy als Geldbörse

Bisher kann man in Deutschland noch kaum mit dem Smartphone bezahlen. Das könnte sich jetzt rasch ändern.

FrankfurtEs war nur ein kurzer Moment, in dem Deutschland auf einer besonderen Karte auftauchte – und rasch wieder verschwand. Aber es reichte, um ein Thema zu setzen und die Fangemeinde in Wallung zu bringen: Der iPhone-Hersteller Apple zeigt im Internet, in welchen Ländern sein Bezahldienst Apple Pay funktioniert. Ende Oktober war zeitweise auch Deutschland dort zu sehen, obwohl es Apple Pay – das Bezahlen mit dem iPhone oder sogar der Apple Watch – hier eigentlich noch nicht gibt.

Das flüchtige Erscheinen wurde als Fingerzeig interpretiert, dass Apple Pay sehr bald in Deutschland starten könnte. Denn Apple Pay gibt es längst nicht mehr nur in den USA, im Sommer startete der Bezahldienst in Frankreich und in der Schweiz.

Was für das Bargeld spricht

Die Anonymität des Bargelds...

...ermöglicht es den Bürgern, auch den gesetzestreuen, einen Rest Privatsphäre zu bewahren, der nicht der vollständigen Überwachung oder Überwachbarkeit unterliegt.

Die Zinslosigkeit des Bargelds...

...ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Wer die jetzigen Niedrigzinsen der Notenbanken schon als gefährlich oder als eine Form der kalten Enteignung ansieht, wird froh sein, dass das Vorhandensein von Bargeld eine Zinsuntergrenze setzt.

Die gesellschaftlichen Kosten von Bargeld...

....als Zahlungsmittel, also die Kosten bei allen Beteiligten zusammengerechnet, sind nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank in den meisten Ländern niedriger als die unbarer Bezahlformen.

Der Insolvenzschutz...

...den Bargeld genießt, weil die Notenbank, die es emittiert, nicht Pleite gehen kann, hebt es vom Buchgeld der Geschäftsbanken ab. Wenn eine Geschäftsbank  insolvent wird, können Buchgeld-Guthaben verloren gehen, oder sie werden, wie im Fall Zypern geschehen, im Zuge der Rettung der Banken zusammengestrichen.

Doch das Bezahlen mit dem Smartphone steht in Deutschland noch ganz am Anfang. Während anderswo das Handy als Geldbörse üblich ist, sind in Deutschland solche Zahlmöglichkeiten kaum bekannt.

Nach wie vor dominiert die Bargeldliebe: Mehr als die Hälfte der Umsätze an der Ladenkasse werden bar gezahlt, bei gut 20 Prozent zücken Kunden die EC-Karte, oft auch Debitkarte und neuerdings Girocard genannt. So bezahlen die Deutschen im Schnitt 55-mal pro Jahre mit der Karte, in Norwegen beispielsweise ist das 400-mal der Fall.

Jetzt aber tasten sich auch die deutschen Geldhäuser an Handy-Zahlungen heran. Die Deutsche Bank testet die Funktion für Smartphone mit dem Android-Betriebssystem bereits. Ab Anfang nächsten Jahres soll das Angebot allen Kunden offenstehen, so ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses.

Der Kunde wird dann, wenn er die App öffnet, gefragt, ob er eine Kreditkarte hinzufügen möchte. Eine kurze Bestätigung reicht, damit die Mastercard im Smartphone hinterlegt ist. Bis 25 Euro kann man dann an der Ladenkasse nur mit dem Handy zahlen, für höhere Beträge muss der Kunde noch die Geheimnummer eingeben.

Denn die wesentlichen Startvoraussetzungen sind mittlerweile erfüllt: Derzeit stellen viele Einzelhändler ihre Kassenterminals auf die NFC-Technologie um, auf die die meisten Handy-Bezahlsysteme setzen und die über kurze Distanz Daten per Funk überträgt. Mit einer Bankkarte mit NFC-Chip kann man kontaktlos an der Ladenkasse bezahlen - dasselbe funktioniert, wenn die Karte im Handy hinterlegt ist.

Kommentare (21)

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Herr Jürgen Mücke

25.11.2016, 09:07 Uhr

Das Smartphone - Geld kommt!

Kann gerne Geld auf meinem Smartphone kommen. Von Apple oder sonst wer.

Dann vergolde ich es sogar!

Nur Bahres ist Wahres! Pfui deupel mit dem Transaktionskosten und gläsernen Menschen

Masse zahlt. Staat und Unternehmen profitieren. So siehts doch aus. Bunk-Run unterbinden ist deren Strategie

Herr Jürgen Mücke

25.11.2016, 09:07 Uhr

Bank-Run unterbinden wollen Se!

Herr F. Gessw.

25.11.2016, 10:28 Uhr

Oh je, geht es hier wieder los mit den Fortschrittsfeinden. Ich warte dann mal auf Herrn Hofmann ;-).

Ich sag's nochmal, wer dem "System" nicht traut, muss was an diesem System ändern. Es besteht auch nur aus Menschen - und solange wir noch in einer Demokratie leben, kann man einen guten Teil davon unblutig austauschen. Die Leute müssen nur den Arsch hochkriegen.

Bargeld ist furchtbar unpraktisch. Meinetwegen kann es das gerne weiterhin irgendwie geben, weil es ein ganz klein wenig Druck auf Banken und Politik macht - aber ich bin froh, dass langsam endlich schnellere, sicherere und vor allem Steuerhinterziehung vermeidende Alternativen kommen. Es nervt einfach tierisch, wenn vor mir 4 Leute mit Dyskalkulie, Kurzsichtigkeit oder beidem sich von der ebenfalls genervten Kassiererin die Münzen aus der Hand zählen lassen - oder am besten gleich Ihre Geldbörse ausschütten und danach wieder einsammeln.

Bei Beträgen bis 25€ dauert bei mir der Bezahlvorgang jetzt genau 2 Sekunden, Karte draufhalten, fertig. Aber auch bei höheren Beträgen mit Code geht es um Längen schneller.

Und kommen Sie mir bitte nicht mit dem Argument, wenn ich die Karte verliere (oder gar ausgeraubt werde), ist das ganze Geld weg. Das Gegenteil ist richtig, Karten kann ich sofort sperren, aber Bargeld ist weg.

Was den gläsernen Menschen angeht, sorry, aber die Sorgen darum kommen viel zu spät. Jeder mit Smartphone wird permanent getracked, jeder User von Google, Amazon, Facebook und Konsorten ist schon so viel transparenter, als den Meisten klar ist - da hilft es auch nicht, Benzin oder Hotelrechnungen für das kleine Stelldichein bar zu zahlen.

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