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14.05.2012

14:08 Uhr

Arbeitsrecht

Darf ich meinen Chef „blöder Sack“ nennen?

VonJens Hagen

Der Druck nimmt zu, in Stressphasen kann es zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern krachen. Im Interview erklärt der Anwalt Christoph Abeln, wann vorlaute Mitarbeiter rausfliegen können.

Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Rechtsanwalt, Inhaber der Kanzlei Abeln, berät leitende Angestellte, Geschäftsführer und Vorstände Pressebild

Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Rechtsanwalt, Inhaber der Kanzlei Abeln, berät leitende Angestellte, Geschäftsführer und Vorstände

Herr Abeln, der Druck auf die Angestellten steigt von Jahr zu Jahr, gerade bei wichtigen Projekten oder in Veränderungsprozessen geht es ab und zu hitzig zur Sache. Welche Folgen können unbedachte Äußerungen gefährlich werden?

Die Kritisierung oder gar Beleidigung des Chefs kann zur Abmahnung oder verhaltensbedingter Kündigung führen. Ein beleidigender Arbeitnehmer verletzt seine arbeitsvertraglichen Pflichten, zu denen auch die Rücksichtnahme auf die berechtigten Belange des Arbeitgebers zählt.

Gilt das auch bei Ausfällen gegenüber Kunden?

Ja. Bei Beleidigungen des Arbeitgebers oder seiner Repräsentanten ebenso wie bei entsprechenden Äußerungen gegenüber Kollegen oder Kunden. Auch Äußerungen außerhalb der Arbeitszeit können eine Beleidigung darstellen, wenn sie dem Arbeitgeber oder einem Vertreter zugehen.

Wann gilt eine Aussage als Beleidigung?

Nicht jede kritische Bemerkung des Arbeitnehmers ist eine Beleidigung. Ein Vorgesetzter muss sachlich begründete Kritik hinnehmen. Auch am Arbeitsplatz gilt das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Das gilt nicht für Schmähkritiken oder Formalbeleidigungen. Die Abgrenzung ist oftmals schwierig.

Inwiefern?

Nicht jede Äußerung, die der Arbeitgeber als grobe Herabwürdigung seiner Person versteht, wird auch juristisch als solche gewertet. Bei der Beurteilung wird stets der Einzelfall geprüft: Welche Bildungsgrad hat der Arbeitnehmer, wie war die psychische Verfassung, die Gesprächssituation? Entlastend wirken auch Provokationen vom Chef oder traditionell raue Umgangsformen im Betrieb.

Kommentare (6)

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aruba

27.09.2010, 16:15 Uhr

Guten Tag,....in meinem Fall war es kein "Falsches Wort " sondern die Wahrheit. Und die war nun ums * verrecken * nicht erwuenscht. besten Dank

Henry Bleckert

27.09.2010, 20:45 Uhr

in den sog. Neuen bundesländern - also der ehemaligen DDR - gibt es schon seit vielen Jahren folgenden Spruch:

"Früher mussten wir in der Kneipe genau aufpassen was wir sagen. Aber auf der Arbeitsstelle konnten wir reden wie uns der Schnabel gewachsen war. Heute ist es genau anders herum ..."

Trueman Show

28.09.2010, 04:12 Uhr

politisch inkorrekte Aeusserungen sind gefaehrlicher als beleidigungen oder jede andere Art von Ausfaellen.
Aber die Wahrheit darf man in Deutschland schon lange nicht mehr aussprechen.

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