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02.10.2013

13:22 Uhr

Arbeitsrecht

Der kalte Krieg im Büro

VonJens Hagen

Deutsche Büros gleichen vielfach Minenfeldern. Die Angst vor Mobbing und intriganten Kollegen geht um. Wann Führungskräfte bei Auseinandersetzungen den Job riskieren und wie sich Mitarbeiter gegen Despoten wehren können.

Nicht immer ist der Umgangston im Job freundlich. Wer bestimmte Grenzen überschreitet, riskiert den Job. Getty Images

Nicht immer ist der Umgangston im Job freundlich. Wer bestimmte Grenzen überschreitet, riskiert den Job.

DüsseldorfHöchstrichterliche Urteile können nicht nur wegweisend, sondern zuweilen auch höchst unterhaltsam sein. So erlaubt eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG 2 AZR 534/08) einen ungewöhnlichen Blick hinter die Kulissen der Sparkassenversicherung Sachsen.

Eine von drei Organisationsleiterinnen soll sich laut ihren Kolleginnen über ihren Vorgesetzten „ehrverletzend und herabwürdigend“ geäußert haben. Laut Urteilstext habe sie behauptet, dass ihr Bezirksleiter sich einer Bandscheibenoperation unterzog, weil er „dringend eine Pause gebraucht hätte, da er in mehrere Machenschaften verwickelt sei“.

In einem weiteren Gespräch soll die Führungskraft erklärt haben, dem Vorgesetzten wäre bereits gekündigt, weil gegen ihn ein Strafverfahren laufe. Diese Aussagen bestätigten zwei Kolleginnen per eidesstattlicher Versicherung. Die Organisationsleitern soll demnach auch erklärt haben, dass der Versicherer unmittelbar vor der Übernahme stehe und eine Leitungsposition gestrichen werden sollte.

Obwohl die mitteilsame Mitarbeiterin alles abstritt und sich angeblich nur über die „Diskrepanz zwischen den Zielvorgaben und den Garantieprovisionen“ ausgelassen hatte, folgte die fristlose außerordentliche Kündigung. Grund: Der Betriebsfrieden sei gestört.

Die Richter des BAG erklärten die Kündigung für unwirksam. Es komme auf die Umstände der Äußerung an, in diesem Falle ein „vertrauliches Gespräch unter Arbeitskollegen“. Arbeitnehmer dürften in dieser Situation davon ausgehen, dass der Inhalt nicht nach außen getragen werde.

Wie Unternehmen mit Problemen umgehen

Vorgesetzte trennen zwischen Person und Sache

Trifft zu: 53 Prozent

Trifft nicht zu: 47 Prozent

Lösungen von Problemen hinterlassen offene Rechnungen

Trifft zu: 35 Prozent

Trifft nicht zu: 65 Prozent

Andere Sichweisen sind erwünscht

Trifft zu: 44 Prozent

Trifft nicht zu: 56 Prozent

Es gibt einheitliche Standard zur Konfliktlösung

Trifft zu: 33 Prozent

Trifft nicht zu: 67 Prozent

Kollegen klären Konflikte unter sich

Trifft zu: 63 Prozent

Trifft nicht zu: 37 Prozent

Unternehmenskultur ist von Wertschätzung und Respekt geprägt

Trifft zu: 52 Prozent

Trifft nicht zu: 48 Prozent

Mitarbeiter müssen nicht damit rechnen, dass sie mit ihren vertraulichen Gesprächen den Betriebsfrieden stören. Auch eine mögliche Lüge über den Inhalt des Gesagten sollte „einer gedeihlichen Zusammenarbeit nicht im Wege stehen“ befanden die Richter. Der Versicherer wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

Das Beispiel zeigt, was passiert, wenn der kalte Krieg im Büro eskaliert. Wie es um die Unternehmenskultur in deutschen Büros bestellt ist, belegt eine repräsentative Umfrage der Unternehmensberatung Rochus Mummert unter 1057 Befragten. 48 Prozent der Arbeitnehmer haben Angst, Fehler zu machen. Jeder dritte fürchtet sich vor Konflikten mit Vorgesetzten, 28 Prozent vor Mobbing am Arbeitsplatz.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

02.10.2013, 15:50 Uhr

vielleicht liegt es auch an den schwachsinnigen Aufgaben die
in den Büros zu erledigen sind..

Sukram

02.10.2013, 16:00 Uhr

Es gibt aber nicht nur Mobbing von Vorgesetzten ggü Mitarbeitern, sondern auch Mitarbeitern untereinander und auch Mobbing oder besser Bossing ggü. dem Chef....
Die Berichte sind hier zu einseitig.

homeoffice

02.10.2013, 19:06 Uhr

Die Loesung waere ganz einfach: HOMEOFFICE

Aber dazu sind die deutschen Konzerne viel zu unflexibel, so dass Kopfarbeiter nach wie vor wie die Weber im 19. Jahrhundert behandelt werden.

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