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19.04.2012

12:45 Uhr

Arbeitsrecht

„Die Ablehnung hat ein Geschmäckle“

VonJens Hagen

Haben Bewerber ein Recht darauf, den Grund für eine Ablehnung zu erfahren? Der Arbeitsrechtler Martin Fink erklärt im Interview die Auswirkungen eines aktuellen Urteils des Europäischen Gerichtshofes.

Martin Fink ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei der Kanzlei Beiten Burkhardt in München. PR

Martin Fink ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei der Kanzlei Beiten Burkhardt in München.

Herr Fink, die Wirtschaft wartete mit Spannung auf ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Auskunftspflicht an abgewiesenen Bewerbern. Ist die Erleichterung jetzt groß?

Ja, der Worst Case für die Arbeitgeber ist ausgeblieben. Abgewiesene Arbeitnehmer haben kein pauschales Recht auf Auskunft. Unternehmen müssen nicht in jedem Fall begründen, warum sei einen Bewerber nicht genommen haben.

Was wäre, wenn das Gericht anders geurteilt hätte?

Das hätte die Personalauswahl in den Unternehmen revolutioniert. Um nur eine Auswirkung zu nennen: Firmen, die auf Rechtssicherheit Wert legen, hätten sich überlegen müssen, ob sie nicht etwa alle geeigneten Kandidaten zu Bewerbungsgesprächen einladen müssen, um den Vorwurf der Diskriminierung im Keime zu ersticken. In der Praxis wäre das nicht möglich gewesen, auf interessante Jobs können sich ja hunderte qualifizierte Bewerber melden.

So überraschend kommt das Urteil nicht, immerhin hatte der Generalanwalt keine generelle Auskunftspflicht gefordert…

…und damit der Praxistauglichkeit Rechnung getragen. Für Arbeitgeber drohen trotz des vermeintlich positiven Ausgangs Konsequenzen.

Welche?

Der EUGH verweist auf die Einzelfallentscheidung. Wenn das Unternehmen berechtigte Auskünfte generell abweist, sich also bei Nachfragen Bewerber Tod stellt, kann dieser Umstand zu Lasten des Arbeitgebers bei der Prüfung berücksichtigt werden, ob Indizien für eine Diskriminierung vorliegen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

22.04.2012, 09:41 Uhr

Ein Unternehmen hat das Recht, sich die Leute auszusuchen, die es passend findet für die zu besetzende Position.

Es geht ja nicht zu wie im Supermarkt nach dem Motto "1x Mensch bitte". Der Bewerber muss ins Team passen, es muss funken zwischen ihr/ihm und dem Teamleiter, der beim Bewerbungsgespräch dabei ist.

Wenn bestimmte Ablehnungsgründe verboten sind, dann werden eben andere, erlaubte Ablehnungsgründe vorgeschoben. Das hilft also auch nicht weiter. Ist eher verwirrend und hinderlich für den Bewerber.

Und dass man bei jeder eingereichten Bewerbung einen Ablehnungsgrund nennt, bevor man sie zurück schickt ist vielleicht sinnvoll für den Bewerber, aber viel Arbeit für die Personalabteilungen - und wie gesagt, dann werden unwahre aber erlaubte Ablehnungsgründe vorgeschoben.

Ein Glück für die Personalabteilungen ist schon mal, dass die Arbeitsämter keine Zwangsbewerbungen der Arbeitslosen mehr fordern, dass war vielleicht ein sinnloses Chaos. Der Spuck ist zum Glück vorbei.

toscana

23.04.2012, 09:59 Uhr

Liebe Freunde, wenn schon eine Verniedlichung aus dem Schwabenland, dann müssen Sie die auch richtig schreiben: das Wort schreibt man " Gschmäckle"

CJB

11.05.2012, 22:09 Uhr

Zitat: "Ein Glück,...dass die Arbeitsämter keine Zwangsbewerbungen der Arbeitslosen fordern ..."

Wer verbreitet denn ein solches Märchen?? Ich bin gerade mit soetwas konfrontiert, also erscheint mir diese Aussage jenseits der Realität!

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