Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.09.2013

10:20 Uhr

Arbeitsrecht

Im Visier der Chefs

VonJens Hagen

Die Gangart gegenüber Mitarbeitern wird härter. Wer in Ungnade fällt, wird oft brutal hinausgedrängt. Mit welchen Tricks die Chefs Angestellte loswerden möchten - und welche Rechte Betroffene haben.

Flur des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt: Auch ungeliebte Führungskräfte haben Rechte. dpa

Flur des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt: Auch ungeliebte Führungskräfte haben Rechte.

DüsseldorfAls Führungskraft muss man sich auch schon mal die Hände schmutzig machen. Das lernen Leitende mit Personalverantwortung spätestens beim Besuch eines einschlägigen Seminars zum Arbeitsrecht.

„Die Kündigung störender Mitarbeiter“ - so lautet der Titel einer Veranstaltung, die von einer Kanzlei mit Büros in fünf deutschen Städten organisiert wurde. Laut Programm lernen die Führungskräfte zuerst einmal, ihre Angestellten in fünf Klassen zu unterteilen: in „Querulanten“, „Pflichtenverletzer“, „Schlechtleister“, „Mobber“ oder „zu häufig fehlende Arbeitnehmer“.

Nach der ersten Kaffeepause um 11.30 Uhr geht es den Ungeliebten dann an den Kragen. Ihre Chefs lernen, wann der Einsatz von Privatdetektiven, Videoüberwachung oder „Datenzugriff und Auswertung“ als Vorbereitung einer verhaltensbedingten Kündigung zulässig ist.

Die nächsten Punkte auf der Tagesordnung: das „Schaffen fester Regeln, Verbote und Vorgaben zur späteren Konkretisierung von relevanten Pflichtverletzung“ und die „konkrete Erfassung von störenden Pflichtverstößen“. Damit sollen unzufriedene Chefs gerichtsfest dokumentieren können, wie ihre Mitarbeiter in die von ihnen aufgestellten Fallen tappen. Tipps zur Kündigung von Mitarbeitern, die wegen Krankheit oder Überforderung ihr Pensum nicht mehr schaffen, runden die Veranstaltung ab.

Wie Unternehmen Führungskräfte weichkochen

Zielvorgaben

Aufgaben und Aufträge werden unbestimmt gehalten und laufend verändert.

Zeugnis

Schlechte Beurteilungen werden bewusst erstellt um spätere Ablehnungen in internen Bewerbungsprozessen zu rechtfertigen.

Überforderung oder Degradierung

Projektaufgaben werden ohne die erforderlichen Sach- und Personalressourcen übertragen.

Sterbezimmer

Führungskräfte werden in besondere Abteilungen ausgegliedert.

Listenplatz

Führungskräfte werden auf besondere „schwarze“ Listen gesetzt. Quelle: Abeln Rechtsanwälte.

Die Unternehmen rüsten auf, wenn es darum geht, das strenge deutsche Arbeitsrecht in ihrem Interesse zu nutzen. „Die Hire-and-Fire-Mentalität ist längst in deutsche Chefetagen eingezogen“, sagt Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Inhaber der gleichnamigen Kanzlei in Berlin. „Die Bandagen werden härter, vor allem Führungskräfte werden nach wenigen Jahren wieder ausgetauscht.“

Vertreter der Leitenden schlagen Alarm. „Immer mehr große Unternehmen gehen mittlerweile rüde gegen unliebsame Führungskräfte vor“, sagt Ulrich Goldschmidt, Rechtsanwalt und Hauptgeschäftsführer vom Verband "Die Führungskräfte". „Es braucht Generationen, bis das verlorene Vertrauen wieder hergestellt werden kann“, fügt Goldschmidt hinzu.

Auf den nächsten Seiten erklärt Handelsblatt Online, wie Unternehmen missliebige Mitarbeiter wieder loswerden möchten und welche Rechte Betroffene haben.

Kommentare (21)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.09.2013, 10:39 Uhr

" „Es braucht Generationen, bis das verlorene Vertrauen wieder hergestellt werden kann“"
Nicht nur bei den Führungskräften, auch Mitarbeiter haben das Vertrauen verloren und sich in die innere Kündigung zurück gezogen. Der Schaden durch fehlende Motivation wird häufig unterschätzt. Glauben doch die jungen Führungskräfte, sie könnten alles steuern, kontrollieren und beherrschen. Aber sie glaubens halt nur.

Account gelöscht!

09.09.2013, 10:54 Uhr

Das ist gerade im Gesundheitssystem bei den privatisierten Krankenhäusern vernünftig.

Endlich schafft man mal rechtlich brauchbare Instrumente, um diese lästigen Ärzte mit deren völlig überzogenen Gehaltsforderungen mal Paroli zu bieten.

Mit Telemedizin kann man endlich schon die Facharzt-Konsilien über das firmeneigene Netzwerk so gestalten, daß man immer nur einen Facharzt braucht und der Patient einfach per Webcam die teuerste Diagnose bekommt.

Eigentlich ist jeder Schnupfen ja auch eine neurologische Erkrankung, wenn man es mal vernünftig und fachmännisch betrachtet.

Bevor dann zuviele verschiedene Meinungen den Cashflow behindern, ist es auch besser einfach nur ganz wenige Chefärzte einzustellen, die dann 20% übertariflich bekommen, dafür aber den Kram mitmachen. Dafür brauchen die dann auch keine Weiterbildungen mehr zu machen. Wozu auch?

Diese Ärzte maulen sowieso immer nur rum und in der Klinik haben die sowieso keinen Einfluss auf die Stellenschlüssel.

Da können die paar noch verbleibenden Ärzte sich auf den Kopf stellen und mit den Ohren schlackern.

Aber die verstehen sich sowieso nicht mehr, weil keiner die Sprache vom anderen sprechen kann.

Wenn die Klinik-Angestellten sich nicht zB über die Berufsgenossenschaften vernetzen, und die Stellenschlüssel auch mal von der BG gemeinsam mit den Betriebsräten unterzeichneten Arbeitsplänen ausgearbeitet werden, solange ist ein Klinikbetrieb doch eine supergeile Geld-Druckmaschine?

Ich weis gar nicht, was sich alle so darüber aufregen? Funktioniert doch? Geld im Solidartopf ist doch da? Strom kommt ja auch aus der Steckdose?

Man muß die Angestellten nur genug einschüchtern, dann spuren die schon.

Neulich hab ich zusammen mit dem Hausmeister, äh Abteilungsleiter "Facilitymanagment", der einem Arzt auch in einem persönlichen Gespräch erklärt, daß wir keine Parkausweise brauchen und es okay ist, wenn der Hausmeister Knöllchen verteilt. Ist ja auch meine Firma.

Da kann ich machen, was ich ich will !!!

Account gelöscht!

09.09.2013, 10:56 Uhr

Da haben sich schon manche gewundert das der "ungeliebte" Mitarbeiter in einer anderen Firma durchaus als KOnkurrenz mehr geleistet hat.
Der Fisch stinkt immer zuerst am Kopf. Und wer nicht führen kann, ist ein Versager. Und mit Versagern arbeitet niemand gern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×