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25.02.2014

13:40 Uhr

Arbeitsrecht

Schuften bis der Arzt kommt

VonCatrin Gesellensetter

Macht das Erwerbsleben wirklich krank oder sind die Deutschen einfach nur schlecht organisiert? Beides, sagen Experten. Dabei ließen sich die Missstände durchaus beheben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind in der Pflicht.

Arbeit kann krank machen: Im Schnitt fehlen Arbeitnehmer knapp zweieinhalb Tage pro Jahr wegen Depressionen, Belastungs- oder Angststörungen.

Arbeit kann krank machen: Im Schnitt fehlen Arbeitnehmer knapp zweieinhalb Tage pro Jahr wegen Depressionen, Belastungs- oder Angststörungen.

DüsseldorfDeutschland ist gestresst. Wohin man auch blickt – es wimmelt von ausgebrannten, erschöpften und überarbeiteten Menschen. Ob Manager oder Postbotin, Chefärztin oder Fließbandarbeiter: Die Volkskrankheit Burn-Out grassiert in allen sozialen Schichten, trifft Männer ebenso wie Frauen und ist weit gehend unabhängig davon, ob beziehungsweise wie weit sich die Betroffenen auf der Karriereleiter bereits nach oben gearbeitet haben.

Inzwischen, so warnen Psychologen, seien sogar schon Schüler betroffen, weil sie sich dem Konkurrenzkampf mit anderen nicht gewachsen fühlen. Auch junge Mütter und Hausfrauen brächen immer häufiger unter dem Anspruch zusammen, Heim und Familie perfekt zu managen.

Oberster Stresstreiber ist und bleibt für die meisten allerdings der regelmäßige Broterwerb – auch wenn die Arbeitsbedingungen in Deutschland so gut sind wie nie zuvor. Eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse belegt: 52 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen sehen ihren Job als Stressfaktor Nummer eins an. Das schlägt aufs Gemüt. Und damit auf die Gesundheit.

So unterschiedlich reagieren wir auf Stress

Gene

Stressforscher schätzen, dass Stressanfälligkeit zu 30 Prozent genetisch bedingt ist.

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Mutter

Frauen, die während der Schwangerschaft hohe Cortisolwerte aufweisen, bekommen stressanfälligere Babys.

Kindliche Erfahrungen

Traumatische Erlebnisse in den ersten sieben Lebensjahren, der Zeit der Entwicklung der Identität, können lebenslänglich stressanfälliger machen.

Persönlichkeit

Erfolgsorientierte, ehrgeizige, sehr engagierte, ungeduldige und unruhige Menschen sind besonders stressanfällig.

Charakter

Feindseligkeit, Zynismus, Wut, Reizbarkeit und Misstrauen erhöhen das Infarktrisiko um 250 Prozent. Humor hingegen zieht dem Stress den Stachel. Eine Studie an 300 Harvard-Absolventen zeigte: Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Humor bewältigen Stress besser.

Selbstbestimmung

Der wichtigste Faktor, der über Stressanfälligkeit bestimmt, ist die Kontrolle über das eigene Tun. Je mehr man den Entscheidungen anderer ausgeliefert ist, desto höher das Infarktrisiko.

Wertschätzung

Wer für seine Arbeit Anerkennung in Form von Lob oder einem angemessenen Gehalt bekommt, verfügt über eine bessere Stressresistenz.

Status

Wer eine gute Stellung in der Gesellschaft hat, verfügt auch über einen Panzer gegen Stress. Das ist auch bei Pavianen zu beobachten: Gerät das Leittier durch einen Konkurrenten in eine Stresssituation, schnellt der Cortisolspiegel hoch, normalisiert sich aber rasch wieder. Bei den Rangniedrigeren ist der Cortisolspiegel ständig erhöht.

Glaube

Einer der stärksten Stresskiller ist das Gebet. Studien belegen: Der Glaube an eine höhere Macht, die das Schicksal zum Guten wenden wird, beugt vielen Krankheiten vor.

Fast jeder sechste Krankschreibungstag geht nach Kassenangaben inzwischen auf psychische Störungen zurück. Im Schnitt fehlen Arbeitnehmer knapp zweieinhalb Tage pro Jahr wegen Depressionen, Belastungs- oder Angststörungen.

Eine Anfang des Jahres veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer belegt zudem: Bei fast jedem zweiten Frührentner sind psychische Erkrankungen die Ursache für die Pensionierung – viele davon gehen auf Stress und Überlastung zurück. Doch fühlen sich die Deutschen mit ihrer Arbeit so unwohl?

Kommentare (21)

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BITTEkaufMICH

25.02.2014, 13:59 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

karma

25.02.2014, 15:40 Uhr

Krankheit beginnt im Kopf und so lange wir nicht akzeptieren, dass JEDE Krankheit von uns selbst verursacht wird, wird sich nichts ändern.

Gesunder Geist
gesunder Körper

billyjo

25.02.2014, 16:39 Uhr

Gesunder Geist
gesunder Körper

Man hat schon mal den Eindruck es findet ein Wettbewerb statt:
"Wer hat die schönste Krankheit!!"

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