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03.12.2013

17:46 Uhr

Arbeitsrecht

Trauma unterm Tannenbaum

VonCatrin Gesellensetter

Alkoholisierte Kollegen, unerfreulich nahbare Chefs, Reden, die die Welt nicht braucht: Betriebliche Weihnachtsfeiern sind nicht immer der Höhepunkt des Jahres. Doch ein Boykott der Veranstaltung kann Probleme bereiten.

Nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt, sondern auch in vielen Betrieben wird im Advent gefeiert. dpa

Nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt, sondern auch in vielen Betrieben wird im Advent gefeiert.

MünchenDie einen schlemmen im Sterne-Restaurant, andere feiern mit Würstchen und Bier auf dem Büroflur. Manch einer gönnt der Belegschaft dieses Jahr sogar etwas ganz Besonderes und besucht den Zirkus. Oder ein Koch-Spektakel: Bei der Organisation der betrieblichen Weihnachtsfeiern sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Erlaubt ist, was das Budget hergibt – und den Organisatoren opportun erscheint.

Den Geschmack der Belegschaft treffen die Verantwortlichen aber längst nicht immer. Und auch aus juristischer Sicht wären viele Unternehmen besser beraten, sich gegen das adventliche Gemeinschafts-Event zu entscheiden.

Kein Arbeitnehmer hat schließlich einen Anspruch darauf, dass sein Chef eine Weihnachtsfeier ausrichtet. Arbeitgeber, die sich dagegen entscheiden, ersparen sich nicht nur das Gemecker über Location, Essen oder Rahmenprogramm – sondern auch Ärger mit dem Finanzamt oder den Arbeitsgerichten. Denn Betriebsfeiern sind weit mehr als nur ein geselliges Zusammensein unter Kollegen. Sie sind vor allem eine geschäftliche Veranstaltung. Und über deren Ausgestaltung kann es schon einmal Streit geben.

Rechte auf der Weihnachtsfeier

Kein befohlenes Fröhlichsein

Niemand kann gezwungen werden, zur Weihnachtsfeier zu erscheinen, wenn er das nicht möchte. Wer mag, darf jedoch mitfeiern. Der Arbeitgeber selbst hat also nicht das Recht, einzelne Mitarbeiter auszuladen.

Dienstliche Feier – privates Vergnügen

Auch wenn die Weihnachtsfeier – wie meist – abends und damit außerhalb der Arbeitszeiten stattfindet, entstehen für die Teilnahme keine Überstunden.

Alkohol und die Folgen

Wer mit dem Ziel „jetzt werde es Krieg geben“ auf eine Betriebsfeier geht und dort in angeheitertem Zustand seinen Chef als „Wichser“, „Arschloch“ und „arme Sau“ bezeichnet, riskiert die außerordentliche Kündigung (LAG Hamm, Az.: 18 Sa 836/04).

Finger weg von den Kollegen

Wer auf der Weihnachtsfeier eine Prügelei mit Kollegen beginnt, muss selbst dann mit einer fristlosen Kündigung rechnen, wenn er seit 20 Jahren für das Unternehmen arbeitet (ArbG Osnabrück, Az.: 4 BV 13/08).

Unfallschutz unter Tannenbaum

Auf offiziellen Betriebsfeiern ist die Belegschaft über die gesetzliche Unfallversicherung versichert. Etwas anderes kann hingegen bei abteilungsinternen Veranstaltungen gelten, die von den Mitarbeitern selbst organisiert und finanziert werden. Hier greift der gesetzliche Unfallschutz meist nicht.

Unversichert in die Verlängerung

Mit dem offiziellen Ende der Weihnachtsfeier endet in der Regel auch der Versicherungsschutz. Wer also nach der betrieblichen Veranstaltung noch privat um die Häuser zieht, sollte dabei nach Möglichkeit unfallfrei bleiben – oder privat versichert sein.

Problemfall Partymuffel

Dass der Vorgesetzte die Feier vor allen anderen verlassen hat, bedeutet aus versicherungsrechtlicher Sicht nicht zwingend, dass die Veranstaltung beendet ist – zumindest, wenn das Gros der Belegschaft noch länger bleibt. Feiern hingegen nur noch drei von 18 Mitarbeitern mehrere Stunden weiter, überwiegt der private Charakter – und der Unfallversicherungsschutz entfällt (LSG Hessen, Az.: L 3 U 71/06).

Kein Anspruch auf Geschenke

So musste sich vor kurzem zum Beispiel ein Kölner Handelsunternehmens vor Gericht verantworten, das mit der Organisation der Weihnachtsfeier ein paar besonders kreative Köpfe beauftragt hatte. Diese beschlossen, den Abwärtstrend bei den Teilnehmerzahlen zu stoppen und neue Anreize zu setzen, das Fest zu besuchen. Zu diesem Zweck überreichten sie allen anwesenden Kollegen ein iPad mini im Wert von etwa 400 Euro – als Überraschungsgeschenk.

Die Freude der so Bedachten war groß. Ein Mitarbeiter aber fühlte sich um sein Präsent betrogen. Er war zum Zeitpunkt der Weihnachtsfeier krankgeschrieben – und deshalb leer ausgegangen. Wieder genesen verlangte er umgehend, auch ihm ein kostenloses Tablet zukommen zu lassen. Als der Chef sich weigerte, klagte der enttäuschte Mann. Sein Argument: Erstens habe er das Recht, so zu behandelt werden, sie die anderen Kollegen auch. Zweitens sei das iPad Teil seiner Vergütung. Und die stehe ihm auch im Krankheitsfalle zu.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

04.12.2013, 10:29 Uhr

Nicht einmal die einmal im Jahr anstehende Weihnachtsfeier und eventuelle Geschenke gönnt einem der Staat und hält immer schön die Hand auf. Wie schaut es eigentlich aus mit all den Geschenken und anderen Zuwendungen, die unsere Politiker ständig erhalten (natürlich nicht als solche gekennzeichnet)? Und gilt bei denen auch die 110 Euro Regel, wenn sie sich auf verschiedenen gesellschaftlichen Veranstaltungen etc rumtummeln?

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