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24.01.2012

09:52 Uhr

Arbeitsrecht

Was Mitarbeiter die Pleite ihrer Firma kostet

VonJens Hagen

Hunderttausende Mitarbeiter von Pleite-Firmen bangen wie die Angestellten von Schlecker um ihr Geld. Wer auf Abfindung und Gehalt verzichten muss und welche Risiken Mitarbeiter in kriselnden Unternehmen eingehen..

Ungewisse Zukunft: Schlecker ist insolvent. Reuters

Ungewisse Zukunft: Schlecker ist insolvent.

DüsseldorfJetzt ist es auch offiziell: Die Drogeriemarktkette Schlecker hat gestern beim Amtsgericht Ulm Insolvenz in aller Form angemeldet. Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz entscheidet jetzt über Wohl und Wehe des Konzerns.

Eine Insolvenz bedeutet für die Mitarbeiter eine größte Belastungsprobe. Wenn der Arbeitgeber zahlungsunfähig ist, müssen sie im schlimmsten Fall auf Gehälter und Abfindungen verzichten. Was die Mitarbeiter von Schlecker aktuell erleben, ist in Deutschland durchaus verbreitet. Im vergangenen Jahr gab es laut Auskunftei Creditreform rund 30.000 Unternehmensinsolvenzen, darunter Manroland, Sellner, Schlott und Teldafax. Der volkswirtschaftliche Schaden liegt laut Creditreform bei 23,3 Milliarden Euro.

In Deutschland verloren im vergangenen Jahr 236.000 Mitarbeiter wegen einer Pleite ihrer Unternehmen ihren Job – und müssen um ihre arbeitsrechtlichen Ansprüche bangen. Bisher sicher geglaubte Abfindungen können bei Insolvenzen, Outsourcing oder Übernahmen dahin schmelzen. Handelsblatt Online zeigt, welche Rechte Betroffene haben und welche Risiken Mitarbeiter in kriselnden Unternehmen eingehen.

Das Interesse der Beteiligten ist klar: Der Arbeitgeber oder Insolvenzverwalter möchte den Mitarbeiter möglichst günstig aus seinem Vertrag freikaufen. Der Arbeitnehmer möchte eine möglichst hohe Entschädigung für den Verlust seines Arbeitsplatzes. Für ihn gilt als Ziel, in jeder Lage des Verfahrens die Abfindungssumme zu optimieren. "Die Abfindung wird umso höher ausfallen, je stärker die Rechtsposition des Arbeitnehmers ist", sagt der Berliner Rechtsanwalt Christoph Abeln.

Schlecker: Mitarbeiter bangen um Jobs

Schlecker

Mitarbeiter bangen um Jobs

Der vorläufige Insolvenzverwalter bei Schlecker will rasch eine Lösung finden.

Wenn ein Sozialplan vereinbart wurde, ist bei einer Insolvenz immer der Zeitpunkt der Vereinbarung entscheidend. Ansprüche aus dem Sozialplan, der vor dem Insolvenzverfahren geschlossen wurde, sind ungeschützt. Sie sind sogenannte einfache Insolvenzforderungen, stehen also mit Forderungen anderer Gläubiger auf einer Stufe und sind oft wertlos.
Wird der Sozialplan innerhalb von drei Monaten vor dem Antrag auf Insolvenzeröffnung geschlossen, besteht partieller Schutz. Der Sozialplan kann vom Insolvenzverwalter und dem Betriebsrat widerrufen werden. "Ohne Widerruf gilt die vereinbarte Abfindung", sagt Abeln.

Kommentare (9)

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Afindung_trifft_Praxis

24.01.2012, 10:22 Uhr

Bitte machen sie den Arbeitnehmern nicht solche Hoffnungen auf eine üppige Abfindung.

Goldene Handschläge bzw. signifikante Abfindungen kommen vor, ja, allerdings in der Regel nur bei Unternehmen, die einen Ruf zu verlieren haben, wie bekannte Großkonzerne oder absolut solide Mittelständler.

Das bei einer Insolvenz signifikante Abfindungen gezahlt werden, ist wohl eher selten und auf Medien-bekannte "Groß-Fälle" begrenzt! Die Abfindungen sind in diesen Fällen jedoch oft bescheiden (zB. 2 brutto Monatsgehälter nach 25 Dienstjahren…).

Auch ohne Insolvenz hat der Arbeitgeber oft die besseren Karten:

1) Ohne Kündigungsschutz ist die Chance auf eine Abfindung in der Praxis immer gleich Null!
2) Manche „Dienstleistungsunternehmen“ sprechen eine fristlose Kündigung aus, zahlen kein Gehalt und „hungern“ die Mitarbeiter aus. Bis zum Prozess (Hauptverhandlung!) kann es ein geschickter Anwalt schon mal 18 Monate hinziehen. Wer hält das durch?
3) Kann der Arbeitgeber nachweisen, dass die betriebswirtschaftliche Lage „sehr schlecht“ ist und werden ganze Bereiche/Abteilungen geschlossen, sind Abfindungen selten (ohne Sozialplan) oder dann oft mager.
4) Ausgliederungen von Betriebsteilen (mit anschließenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten) erlauben es, Leute auf mittlere Sicht ohne Abfindung "los" zu werden. Ansprüche an die „alte“ Firma sind nach einem Jahr schwer durchzusetzen.

Selbst wenn die Grund-Voraussetzungen gegeben sind, wie unbefristetes Arbeitsverhältnis nach der Probezeit, Unternehmen unterliegt grundsätzlich dem Kündigungsschutz, keine Personen- oder verhaltesbedingte Kündigung, keine wirtschaftlich notwendige Betriebsstilllegung wird in der Regel nur in ca. 25 % der Fälle eine Abfindung auch gezahlt.

Oliver

24.01.2012, 10:49 Uhr

Dachte immer, die hätten Rückstellungen zu leisten. Ach, vergaß, die Banken gehen als Gläubiger vor. :-(

Thomas-Melber-Stuttgart

24.01.2012, 11:46 Uhr

Ja, die "armen" Mitarbeiter - bekommen ja auch bloß Insolvenzgeld. Nach den kleinen Gläubigern - Handwerkern u.a. - fragt ja niemend.

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