Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2014

06:16 Uhr

Arbeitsrechts-Interview

„Führungskräfte werden zu Freiwild“

VonJens Hagen

Gutverdiener sollten weniger Kündigungsschutz haben, fordert Star-Anwalt Jobst-Hubertus Bauer. Kollege Christoph Abeln will besseren Schutz, sonst kämen Vorgesetzte unter die Räder. Ein Streitgespräch.

Flur des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt: Auch ungeliebte Führungskräfte haben Rechte. dpa

Flur des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt: Auch ungeliebte Führungskräfte haben Rechte.

Die Gehälter in den Unternehmen driften auseinander. Trotzdem gilt in großen Unternehmen in vielen Fällen für eine Putzkraft das gleiche Arbeitsrecht wie für einen hoch bezahlten Manager. Braucht es eine Reform des Arbeitsrechts?
Jobst Hubertus Bauer: Wir brauchen unbedingt eine Reform des Kündigungsschutzgesetzes. Einem Unternehmen sollte es ermöglicht werden, sich von Führungskräften gegen eine Zahlung einer Abfindung zu trennen. Das aktuelle Recht sorgt für einen Bestandsschutz des Arbeitsplatzes. Das kann dazu führen, dass sich Führungskräfte nach drei oder vier Jahren nach der gewünschten Trennung wieder in das Unternehmen einklagen. Kosten und Nachwirkungen sind unberechenbar und den Unternehmen nicht zumutbar.

Christoph Abeln: Nein, wir brauchen keine Reform. Da ist Kollege Bauer auf dem Holzweg. Denn schon mit dem bisherigen Gesetz haben Unternehmen gute Gestaltungsspielräume, etwa wenn sie Mitarbeiter als leitende Angestellte führen. Warum sollten sie da für mangelnde Kreativität auch noch belohnt werden? Wenn man Herrn Bauers Ideen zu Ende denkt, kommt man zu einer Zweiklassengesellschaft in Sachen Kündigungsschutz. Und das kann wohl nicht im Interesse der Beteiligten liegen.

Jobst-Hubertus Bauer  ist Partner bei Gleiss Lutz. PR

Jobst-Hubertus Bauer ist Partner bei Gleiss Lutz.

Bauer: Die Eingruppierung als Leitende ist in der Praxis kaum möglich, wie sollen etwa in einem Unternehmen mit tausend Angestellten zwanzig oder mehr Angestellte die vorgeschriebene Personalverantwortung erhalten? Die haben doch in der Realität nur Geschäftsführer, Vorstände oder Personaler. Nein, wir brauchen dringend eine Reform, Unternehmen brauchen endlich Rechtssicherheit.

Herr Bauer, wie könnte so eine Reform aussehen?
Bauer: Ich bin ein großer Freund von klaren Regeln. Alle Personen, die mehr als 150.000 Euro verdienen, sollten rechtlich Führungskräfte sein. Unabhängig von den Geschäftsmodellen und den Branchen. Das wäre keine Revolution, im Betriebsverfassungsgesetz gibt es eine bereits ähnliche Hilfsregelung.

Abeln: In einigen Branchen, wie beispielsweise dem Einzelhandel, gäbe es keine Führungskräfte mehr, da alle Filialleiter dann einfache Angestellte wären...

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

btw

03.02.2014, 07:46 Uhr

Die wenigsten haben das Wort Führungskraft überhaupt begriffen: siehe Ludwig XVI.
Aber wenns ans geköpft gehen sollte, als habe man selbst nie geköpft, dann setzt es ein: entweder Haltung oder das große Geheule über die Ungerechtigkeit der Welt.

Account gelöscht!

03.02.2014, 08:19 Uhr

Mitarbeiter sind schon lange Freiwild.

RDA

03.02.2014, 08:46 Uhr

Ich habe einen anderen Vorschlag: Geschäftsführer und Vorstände haften mit ihrem gesamten Privatvermögen und sämtlichen Betriebsrentenansprüchen für die Steuerzahlungen der Firma. Falls die Firma einen steuerlichen Verlust ausweist, müssen die Herren eine Eingliederungsvereinbarung bei ihrem Finanzamt unterzeichnen, dass die Firma im Folgejahr ihren Verlustvortrag völlig abbaut und wieder einen Gewinn ausweist. Nur Neugründungen sind für 10 Jahre davor gefeit. Wenn im Folgejahr nach wie vor ein Verlust besteht, streich der Fallmanager als Sanktion 30% des Verlustortrages und pfändet den Managern 30%ihres Gehaltes und ihrer Betriebsrentenansprüche (letztere z.B. per Grundschuldeintrag in ihr Häuschen). Auch Vermögen und Einkomen der Bedarfsgemeinschaft des Managers werden herangezogen. Ist der Verlust im nachfolgende Jahr immer noch nicht abgebaut, wird der Verlustvortrag vollständig gestrichen und die Grundschuld wird vollstreckt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×