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06.07.2015

11:47 Uhr

Arbeitszimmer

Zweimal absetzen ist nicht erlaubt

VonConstanze Elter

Wer die Kosten für sein häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen möchte, hat es oft nicht leicht. Eine klare Absage vom Finanzgericht bekam jetzt ein Steuerzahler, der gleich in zwei Wohnungen arbeitete.

Ein häusliches Arbeitszimmer kann die Steuern senken - zwei aber nicht. dpa

Aktenstapel im Büro

Ein häusliches Arbeitszimmer kann die Steuern senken - zwei aber nicht.

NeustadtSo mancher Arbeitnehmer muss pendeln und dabei auch größere Entfernungen in Kauf nehmen. Wer sich dafür eine zweite Wohnung am Arbeitsort nimmt, kann die Kosten für die doppelte Haushaltsführung in der Regel steuerlich geltend machen. Anders sieht es allerdings beim Thema Arbeitszimmer aus: Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz entschied jetzt, dass ein Steuerpflichtiger – selbst wenn er aus beruflichen Gründen zwei Wohnungen hat – keine zwei Arbeitszimmer in der Steuererklärung ansetzen kann (Az.: 2 K 1595/13).

Im Streitfall handelte es sich um einen Angestellten, der auch selbstständig tätig war und Seminare und Fortbildungskurse anbot. In seiner Steuererklärung machte er die Kosten in Höhe von knapp 2.575 Euro für beide Arbeitszimmer geltend – das eine in seiner Wohnung in Thüringen, das andere in Rheinland-Pfalz. Begründung: Er benötige in jeder Wohnung einen Arbeitsplatz, um seiner Selbstständigkeit nachzugehen. Das Finanzamt strich jedoch die Aufwendungen für das eine Arbeitszimmer und ließ nur Kosten in Höhe von 1250 Euro zu. Das Finanzgericht schloss sich dieser Sichtweise an.

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Beim Einspruch gegen den Steuerbescheid ist Eile geboten. Steuerzahler müssen nicht jedes Nein der Beamten akzeptieren.

Grundsätzlich können Ausgaben für ein Arbeitszimmer nur sehr beschränkt in der Steuererklärung untergebracht werden. Die vollständigen Aufwendungen erkennt das Finanzamt lediglich dann an, wenn der Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer liegt. Ist dies nicht der Fall und verfügt der Selbstständige über keinen anderen Arbeitsplatz, dürfen jährlich immerhin noch nachgewiesene Kosten bis zu 1250 Euro als Betriebsausgaben angesetzt werden.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung machen?

Keine Pflicht zur Steuererklärung

Alleinstehende Arbeitnehmer, die nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind, müssen in der Regel keine Steuererklärung abgeben. Das ändert sich, wenn ...

Nebeneinkünfte

- wenn Nebeneinkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr erzielt wurden.

Mehrere Arbeitgeber

- der Arbeitnehmer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt ist oder war.

Gesamtbetrag der Einkünfte über 8.354 Euro

- keine Einkünfte aus einer Arbeitnehmertätigkeit mit Lohnabzug erzielt wurden, aber der Gesamtbetrag der Einkünfte bei einem Ledigen im Jahr 2014 beispielsweise durch eine Rente über 8.354 Euro liegt.

Lohnersatzleistungen

- Lohnersatzleistungen wie beispielsweise Arbeitslosen- und Elterngeld über 410 Euro pro Jahr bezogen wurden.

Freibetrag eingetragen

- auf der Lohnsteuerkarte ein Freibetrag eingetragen wurde.

Ehegatte in Steuerklasse V oder VI

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und einer der Ehegatten nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wurde.

Besteuerung nach Faktorverfahren

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und die Ehegatten nach dem sogenannten Faktorverfahren besteuert wurde.

Sonstige Bezüge nicht einbezogen

- der Arbeitnehmer nacheinander bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt war und ein Arbeitgeber einen sonstigen Bezug (beispielsweise Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Abfindungen) versteuert hat, bei dem der Arbeitslohn beim anderen Arbeitgeber nicht mit einbezogen wurde.

Scheidung

- der Arbeitnehmer geschieden wurde – oder der Ehegatte gestorben ist – und er im gleichen Jahr wieder geheiratet hat.

Verlustvortrag

- zum Ende des Vorjahres ein sogenannter Verlustvortag festgestellt wurde – beispielsweise Verluste aus Vermietung und Verpachtung.

Dieser Höchstbetrag, so argumentierte das Finanzgericht Rheinland-Pfalz, sei sowohl personen- als auch objektbezogen. Daher könne er nur einmal jährlich und nicht zweifach oder mehrfach gewährt werden.

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