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19.05.2014

12:53 Uhr

Au-Pair und Kita

So viel zahlt der Fiskus für Kinderbetreuung

VonPaul Lauer

Muss sich der Fiskus vollständig an den Kosten für die Kinderbetreuung beteiligen? Nein, sagt der Bundesfinanzhof. Doch engagierte Eltern fragen nun das Bundesverfassungsgericht. Was Betroffene jetzt tun können.

Eine ordentliche Kinderbetreuung ist wichtig - und kostet oftmals viel Geld. dpa

Eine ordentliche Kinderbetreuung ist wichtig - und kostet oftmals viel Geld.

DüsseldorfKinder kosten viel Geld, doch der Staat greift den Familien unter die Arme. Zum Beispiel bei den Kosten für die Kinderbetreuung, diese können Eltern steuerlich absetzen. Das ist allerdings immer an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. So war es auch in einem aktuellen Streitfall, der sich auf das Steuerjahr 2008 bezieht.

Bei der damaligen Gesetzeslage hatten verheiratete Eltern folgende Möglichkeiten, um die Kosten bei der Steuererklärung geltend zu machen:

  • Werbungskosten: für Kinder bis 14 Jahre, wenn beide Eltern erwerbstätig waren. Der Abzug war auf zwei Drittel der tatsächlichen Kosten, höchstens jedoch 4000 Euro begrenzt.
  • Sonderausgaben: zwei Drittel der Kosten, höchstens 4000 Euro je Kind im Alter zwischen drei und sechs Jahren – des Weiteren für Kinder bis zum 14. Lebensjahr, wenn ein Elternteil erwerbstätig und der andere in Ausbildung oder krank war oder wenn sich beide Elternteile in Ausbildung befanden oder krank waren.
  • Außergewöhnliche Belastung: bei Beschäftigung einer Haushaltshilfe wegen Krankheit des Steuerpflichtigen oder eines Kindes.
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen: 20 Prozent der Lohnkosten, höchstens 600 Euro pro Jahr.

Wann ist das Kind ein Kind?

Minderjährige

Bei Minderjährigen haben die Eltern immer einen Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag. Egal, ob der Nachwuchs schon berufstätig ist oder nicht.

Volljährige unter 25

Bei volljährigen Kindern, die aber das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, gibt es nur unter bestimmten Bedingungen Kindergeld, siehe nachfolgend.

Berufsausbildung

Wenn der Nachwuchs eine erste Berufsausbildung macht oder studiert, haben die Eltern weiter Anspruch auf Kindergeld.

Übergangszeit

Zwischen Abitur und Studienbeginn und allgemein zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn der Ausbildung liegen oft einige freie Monate. Während einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten wird das Kindergeld weiter gezahlt.

Kein Ausbildungsplatz

Wer seine Berufsausbildung nicht fortsetzen kann, da er keinen Ausbildungsplatz bekommen hat, wird in dieser Zeit mit Kindergeld unterstützt. Allerdings muss der Ausbildungswille da sein.

FSJ und FÖJ

Wenn unter 25-Jährige ein freiwilliges soziales (FSJ) oder ökologisches (FÖJ) Jahr leisten, gibt es währenddessen Kindergeld. Das gilt aber nur bis zum 21. Lebensjahr.

Behinderung

Wenn Sohn oder Tochter wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht selbst für ihren Unterhalt sorgen können, bekommen die Eltern Kindergeld.

Besondere Konstellation im Streitfall
In dem Streitfall lag eine besondere Konstellation vor. Die Eheleute hatten drei Kinder unter vier Jahren, nur der Ehemann war berufstätig, und für die Betreuung der Kinder hatten sie zusätzlich ein Au-Pair-Mädchen engagiert. In ihrer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2008 machten sie folgende Betreuungskosten geltend: 2325 Euro Kindergartenbeiträge, 662 Euro für eine Spielgruppe und 3842 Euro für das Au-Mädchen. In Summe machte das 6829 Euro.

Mit Blick auf die Gesetzeslage stellte das Finanzamt aber eine andere Rechnung auf. Zwar berücksichtigte es die Kosten für den Kindergarten und die Spielgruppe vollständig (2987 Euro), die Kosten für das Au-Pair-Mädchen indes nur zu einem Drittel (1280 Euro). In Summe machte das 4267 Euro, von denen das Amt – wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben – nur zwei Drittel als Sonderausgaben zuließ, also 2844 Euro. Für die Au-Pair-Ausgaben gestand das Finanzamt zusätzlich noch eine Steuerermäßigung für eine haushaltsnahe Dienstleistung (600 Euro) zu.

Die Eltern waren aber weder mit dieser Rechnung noch der Begründung einverstanden und klagten auf volle Anerkennung der Au-Pair-Aufwendungen. Außerdem meldeten sie Zweifel an, ob die Beschränkung des Abzugs der Kosten verfassungsgemäß ist.


Kommentare (1)

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Account gelöscht!

19.05.2014, 13:58 Uhr

Den größten Teil der Kinderbetreuungskosten zahlt ohne bereits der Steuerzahler.

Und magisch Begabte dürfen dabei die Vermehrung der triebgesteuerten, irrational handelnden Muggels noch mit finanzieren.

Es wird Zeit, aus dem Muggel-System auszubrechen.

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