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28.04.2014

12:24 Uhr

Außendienst

Wann die Verpflegung teuer wird

VonPaul Lauer

Ein Außendienstmitarbeiter, der monatelang im selben Zimmer übernachtet, muss bei der Pauschale für Essen und Trinken Abstriche machen. Doch kann es lohnen, dem Steuerbescheid zu widersprechen. Der Steuertipp der Woche.

Außendienstmitarbeiter, die unter der Woche im selben Pensionszimmer übernachten, dürfen nur eine verringerte Pauschale für Verpflegung steuerlich geltend machen. dpa

Außendienstmitarbeiter, die unter der Woche im selben Pensionszimmer übernachten, dürfen nur eine verringerte Pauschale für Verpflegung steuerlich geltend machen.

DüsseldorfSind Arbeitnehmer im Rahmen ihres Jobs auf Dienstreisen unterwegs, kann der Arbeitgeber ihnen einen Zuschuss für die zusätzlichen Kosten für die Verpflegung bezahlen – allerdings nur im gesetzlich vorgegebenen Rahmen. Seit Anfang 2014 können Betriebe für diese Verpflegungsmehraufwendungen folgende Beträge steuerfrei zuschießen: 24 Euro für jeden Kalendertag, an dem der Mitarbeiter 24 Stunden auf Dienstreise ist, 12 Euro bei An- und Abreistagen und ebenso 12 Euro je Kalendertag, an dem der Arbeitnehmer mehr als acht Stunden von seiner Wohnung und der ersten Tätigkeitstätte abwesend ist.

Verpflegungsmehraufwendungen können Arbeitnehmer aber auch beanspruchen, wenn sie an ständig wechselnden Orten unterwegs sind. Dazu gehören unter anderem Bau- und Montagearbeiter sowie Leiharbeitnehmer. Im Fachjargon nennt man das eine Einsatzwechseltätigkeit. Der Anspruch auf Verpflegungsmehraufwand ist in diesen Fällen aber auf drei Monate begrenzt.

Denn wenn Beschäftigte mehr als drei Monaten am gleichen Ort arbeiten, gilt das nicht mehr als Einsatzwechseltätigkeit. Genau um diese Frage ging es bei dem Streit um die Verpflegungsmehraufwendungen eines Außendienstmitarbeiters, der zwar an unterschiedlichen Einsatzstellen arbeitete, dies aber immer vom gleichen Ort aus tat.

Welche Rechtskosten sind absetzbar?

Außergewöhnliche Rechtskosten

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen Ausgaben, die zwangsläufig und existentiell notwendig sind. Viele solcher Kosten können Eltern bei der Steuer geltend machen. In der Regel muss ein Selbstbehalt als sogenannte zumutbare Belastung getragen werden. Nachfolgend einige Beispiele, welche Kosten im Bereich Recht anerkannt werden - und welche nicht.

Adoptionskosten

Nicht abzugsfähig, da keine Krankheitskosten und auch nicht aus anderen Gründen zwangsläufig (dies gilt auch für unfreiwillig kinderlose Eltern).

Bestattungskosten

Abzug möglich, sofern kein ausreichender Nachlass vorhanden ist und kein Ersatz durch eine Versicherung erfolgt.

Ergänzungspflegevergütung

(bestimmte Rechtsgeschäfte mit minderjährigen Kindern bedürften der Zustimmung eines gerichtlichen Ergänzungspflegers) – nicht abzugsfähig.

Inhaftierungskosten

Bei Bedürftigkeit des einsitzenden Kindes abziehbar.

Mediationsverfahren

Im Rahmen einer Ehe – Kosten nicht abzugsfähig, da nicht zwangsläufig.

Scheidung

Kosten für Ausspruch der Scheidung selbst und des Versorgungsausgleiches der Eltern abziehbar, nicht aber für Vermögensverteilung. Zuletzt hat jedoch das Finanzgericht Düsseldorf (Az.: 10 K 2392/12 E; Revision zugelassen) entschieden, dass hierbei alle Kosten abziehbar sind. Dies betreffe nicht nur den Ausspruch der Scheidung, sondern auch die Kosten der Vermögensauseinandersetzung der Ehegatten. Hintergrund ist, dass der Bundesfinanzhof den Abzug von Zivilprozesskosten grundsätzlich zugelassen hat. Hier ist die weitere Entwicklung abzuwarten. Notfalls muss zunächst einmal Einspruch eingelegt und das Musterverfahren abgewartet werden.

Straftverteidigungskosten

Für das Kind – bei Minderjährigkeit grundsätzlich abziehbar, bei volljährigem und vor allem selbständigen Nachwuchs nur im Ausnahmefall.

Klage auf Studienplatz

Kosten nicht abziehbar, da Sonderkosten für die Berufsausbildung bereits als spezielle außergewöhnliche Belastung pauschalierend und abschließend geregelt sind.

Umgangsrecht

Prozesskosten dann abziehbar, wenn ein Verfahren zur Wahrung der existenziellen Rechte des Steuerpflichtigen, z.B. Klage auf Sorgerecht eines Elternteils, geführt wird.

Vaterschaftsfeststellungsprozess

Bei ernsthaften Zweifeln an der Vaterschaft sind Kosten hierfür abziehbar.

Quelle

Die Beispiele stammen aus dem Buch „Steuervorteile mit Kindern - Leitfaden für Familien und Steuerberater“ (ISBN: 978-3-8349-4168-8) des Berliner Steuerberaters Markus Deutsch.

Der Streitfall

Im konkreten Fall wohnte der Außendienstmitarbeiter an Werktagen immer im gleichen Zimmer einer Pension. Von dort aus fuhr er jeden Tag zu seinen Kunden innerhalb des Vertriebsbezirks. An den Wochenenden kehrte er zu seinem Familienwohnsitz nach Hause zurück. Für seine Auswärtstätigkeit machte er daher  Verpflegungsmehraufwendungen geltend. Sein Finanzamt war damit aber nicht einverstanden. Es vertrat vielmehr die Auffassung, dass es sich um eine doppelte Haushaltsführung handle, weil der Außendienstler immer im gleichen Zimmer wohnte und Verpflegungsmehraufwendungen daher nur für drei Monate abziehbar seien.

Finanzgericht: Kürzung richtig, Begründung falsch

Im anschließenden Rechtsstreit entschied das Finanzgericht (FG) Sachsen-Anhalt, dass das Finanzamt den Verpflegungsmehraufwand im Ergebnis zu Recht gekürzt hatte (Urteil v. 12.11.2013, 4 K 1498/11). Allerdings folgte das Finanzgericht nicht der Begründung des Finanzamts.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

28.04.2014, 14:53 Uhr

Das ist doch hirnrissig! Wie kann man den Aufenthalt in einem Pensionszimmer mit einer doppelten Haushaltsführung vergleichen? Haben die Richter schon mal in einem Pensionszimmer gekocht, Geschirr gespült, Nahrungsmittel gelagert, etc.? Denn das muss man können, wenn man die Kosten für Essen und Trinken mindern möchte!

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