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15.07.2014

16:07 Uhr

Außergewöhnliche Belastung

Schweigegeld ist nicht steuerlich absetzbar

VonPaul Lauer

Bestimmte Ausgaben, die von existenzieller Bedeutung sind, können Steuerzahler in ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Schweigegelder gehören aber - meistens - nicht dazu.

Schweigegeld ist keine unvermeidbare Ausgabe, der Staat kann deshalb nicht beteiligt werden. Imago

Schweigegeld ist keine unvermeidbare Ausgabe, der Staat kann deshalb nicht beteiligt werden.

DüsseldorfDie Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit ist ein wesentlicher Grundsatz des deutschen Steuerrechts. Jeder soll nur so viel zahlen, wie ihm zumutbar ist. Um diesem Prinzip gerecht zu werden, hat der Gesetzgeber unter anderem das pauschale System aus Grund- und Kinderfreibeträgen sowie den Sonderausgabenabzug eingeführt. Darüber hinaus gibt es noch eine dritte Option: die außergewöhnliche Belastungen.

Solche Belastungen liegen nach Paragraf 33 des Einkommensteuergesetzes dann vor, wenn sie außergewöhnlich sind, zwangsläufig entstehen, notwendig und angemessen sind und für den Steuerzahler einen erheblichen zusätzlichen finanziellen Kraftakt darstellen. Solche Ausgaben können dann bei der Steuererklärung angegeben werden und die Steuerlast senken.

Kauf eines Teppichs im Ausland beim Zoll nicht deklariert

Auf diese Kriterien berief sich auch ein Ehepaar, das in seiner Einkommensteuererklärung für 2011 Aufwendungen für ein „Ermittlungsverfahren wegen Erpressung“ über 14.500 Euro inklusive Anwaltskosten geltend machte. Dahinter verbarg sich offenbar eine handfeste Erpressungsgeschichte. Denn im April 2005 hatten die Eheleute während eines Auslandsurlaubs einen Teppich gekauft, der auch wenige Monate später geliefert wurde.

Wie aus heiterem Himmel meldete sich sechs Jahre später die ausländische Lieferfirma und teilte mit, dass eine Prüfung der Zoll- und Finanzbehörde ergeben hätte, dass die Käufer bei der Ausreise keine Erklärung beim Zoll abgegeben hätten. Diese Mitteilung verband die Firma mit der Drohung, dass der Zoll den Teppich konfiszieren und ein Strafgeld von 7.000 Euro kassieren werde.

Software für den Steuerdschungel

Steuer-Software

Computerprogramme sind eine gute Alternative zu ellenlangen Steuerformularen. Sie übernehmen das Ausfüllen und geben Tipps zum Steuersparen. Die Kosten für die Software sind sogar von der Steuer absetzbar. In komplizierten Fällen ist ein Lohnsteuerhilfeverein oder ein Steuerberater aber meist die bessere Wahl.

Günstige Programme

Es gibt zwei Klassen von Steuersoftware. Preiswerte und schlichte Lösungen kosten ab zehn Euro und sind teils auch im Supermarkt zu haben. Sie helfen bei einfachen Steuerfällen. Auch das kostenlose Programm Elster-Formular der Finanzämter ist für einfache Fälle geeignet - hier gibt es allerdings keine Steuerspartipps.

Teure Programme

Wer hohe Werbungskosten etwa für Fahrten oder doppelte Haushaltsführung hat, ist mit den umfangreichen und teureren Programmen besser bedient; genauso Kapitalanleger, Immobilienbesitzer und ungeübte Anwender. Wer sich einmal für ein Programm entschieden hat, sollte dabei bleiben. Das spart Zeit fürs Einarbeiten und erleichtert die Übernahme von Daten aus dem Vorjahr.

Installation

Die Installation läuft bei den meisten Programmen problemlos. Das Nachsehen haben manchmal Nutzer von Apple-Computern oder Rechnern mit Linux: Die meisten Programme gibt es nur für Windows. Eine Alternative sind reine Internetprogramme - diese haben manchmal aber nur wenige Detailfragen. Aufpassen sollten Anwender, dass ihnen bei der Installation keine kostenpflichtigen Update-Abonnements angeboten werden.

Aktualisierung

Bei allen Programmen ist direkt nach der Installation eine Aktualisierung Pflicht, weil bei der Programmierung die neuesten Steueränderungen noch nicht berücksichtigt wurden. Die Hersteller verbessern die Programme zudem laufend und merzen dabei Fehler aus. Diese Updates sollte die Software auf jeden Fall kostenlos anbieten.

Erste Schritte

Am Anfang steht bei allen Programmen die Eingabe der persönlichen Daten wie Name, Adresse, Anzahl der Kinder, Steuernummer und zuständiges Finanzamt. Danach wählt das Programm die benötigten Formulare aus.

Menüführung

Die meisten Programme bieten verschiedene Wege zur Eingabe der Daten. Versierte Benutzer können die einfache Formulareingabe wählen, für Einsteiger bietet sich der Interview-Modus an - hier fragt das Programm Schritt für Schritt die nötigen Daten ab. Bei den meisten Programmen tauchen jeweils Steuerspartipps und Erklärungen auf dem Bildschirm auf, auch gibt es teils Verknüpfungen zu Nachschlagewerken oder erklärende Videos. Die Qualität der Tipps unterscheidet meist die preiswerten von den teureren Programmen.

Ab zum Finanzamt

Viele Programme überprüfen die Eingaben der Nutzer direkt bei der Eingabe oder vor dem Abschluss auf Plausibilität. Elster macht das etwas grober, die Kaufsoftware genauer. So lassen sich vor allem Tippfehler und Zahlendreher vermeiden. Zudem informieren die Programme über den Stand der Steuererstattung oder -nachzahlung. Die meisten Programme schicken die Steuererklärung direkt über das Internet an das Finanzamt.


Gleichzeitig bot sie auch einen Ausweg an: Um diese Strafe zu vermeiden, solle das Ehepaar das Geld über die „Western Union“ an die Firma überweisen. Die Eheleute fühlten sich nach eigenen Angaben so massiv unter Druck gesetzt, dass sie dem Vorschlag folgten. Nach Auskunft ihrer Bank sei der Betrag schon fünf Minuten nach der Einzahlung abgehoben worden. Daraufhin erstatteten sie im Dezember 2011 Strafanzeige und beauftragten ihre Rechtsanwältin mit der Wahrnehmung ihrer Interessen.

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