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21.01.2010

10:22 Uhr

Bankberatung

Der faule Trick mit dem Tüv-Siegel

VonChristoph Sandt

Tüv-Zertifikate sollen die Qualität eines Produktes bewerten. Doch eine Studie stellt nun die Verlässlichkeit der Tüv-Siegel bei Finanzdienstleistungen in Frage. Demnach werde bei der Vergabe die fachliche Qualität der Finanzdienstleister zu wenig geprüft.

Tüv-Mitarbeiter prüfen nicht nur Autos, sondern auch Finanzberater. Die Ergebnisse sind aber wenig aussagekräftig, kritisieren Berater. dpa

Tüv-Mitarbeiter prüfen nicht nur Autos, sondern auch Finanzberater. Die Ergebnisse sind aber wenig aussagekräftig, kritisieren Berater.

FRANKFURT. Versicherungsberater haben die Verlässlichkeit von Tüv-Zertifikaten für Finanzdienstleister infrage gestellt. Die fachliche Qualifikation sowie die Qualität der Beratung würden „zu wenig bis gar nicht“ geprüft, fasste Finanzexperte und Sachbuchautor Werner Siepe gestern das Ergebnis seiner Studie zusammen. Der Schwerpunkt der Prüfungen liege auf weichen Kriterien wie Kundenzufriedenheit und Service.

Siepe beanstandete, dass Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe die Zertifikate zu irreführender Werbung missbrauchten: „Die Tüv-Siegel sind Verkaufshilfen für die Finanzdienstleister.“ Auftraggeber der Studie waren zwei Versicherungsberater und ein kleinerer Konkurrent der Tüv-Unternehmen. Diese wiesen die Kritik zurück, kündigten zum Teil aber auch Änderungen an.

Siepe listet eine Reihe von Beispielen für „fragwürdige Tüv-Siegel“ auf. So habe etwa die zur LBBW-Gruppe gehörende BW-Bank als erste Bank vom Tüv Süd das Siegel „Tüv-geprüfte Beratungsqualität“ erhalten, obwohl sie in einem Test über die Anlageberatung von Banken den letzten Platz belegt habe. Und der Tüv Nord habe einem inzwischen insolventen Spezialvertrieb für private Krankenversicherungen, der MEG AG, das Zertifikat „Tüv-geprüfte Kundenzufriedenheit“ verliehen. Dabei seien fragwürdige Methoden bei der Versicherungsvermittlung in der Branche bekannt gewesen.

Tüv Süd spricht von intensiven Prüfungen und weist Kritik zurück

Eine Sprecherin des Tüv Süd wies die Vorwürfe als nicht haltbar zurück. Die fachliche Qualität der Beratung und die Qualifikation der Berater würden intensiv getestet. So werde etwa die BW-Bank jährlich überprüft. Dies dauere drei bis vier Monate, wobei über 400 anonyme Testberatungen stattfänden.

Auch der Tüv Nord verwahrte sich gegen die Kritik. Man habe etwa bei der MEG lediglich die Kundenzufriedenheit geprüft und sauber gearbeitet, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen räumt aber an anderer Stelle einen gewissen Reformbedarf ein und überarbeitet die Kriterien für die Zertifizierung von geschlossenen Fonds. So soll das Notensystem abgeschafft werden, um „zu verdeutlichen, dass der Tüv Nord keine Ratingagentur ist“. Zudem wird ein Fachbeirat eingesetzt. Bis dahin sei das Zertifikat vom Markt genommen worden, erklärte das Unternehmen.

Verbraucherschützer hatten moniert, dass der Tüv Nord riskanten Anlageprodukten zum Teil sehr gute Noten gegeben habe. Diese seien irreführend gewesen, weil sie sich allein auf die Plausibilität des Fondsprospekts, nicht aber auf die Qualität und Sicherheit der Produkte bezogen hätten.

Die Auftraggeber der Studie waren die Kanzlei des Versicherungsberaters Dieter Olejar in Kirchheim, die Berliner Versicherungsberater-Gesellschaft von Hans-Hermann Lüschen sowie die Technische Überwachungsgemeinschaft TÜg in Freiburg.

Kommentare (1)

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B. Giertz

23.01.2010, 13:38 Uhr

Es wird allerhöchste Zeit, dass mal jemand darauf aufmerksam macht.
Diese Schmierenkomödie sollte endlich beendet werden.
Der TÜV als alles-Prüfer ...

Wie es schon im Namen steht:
TECHNiSCHER(!) Überwachungs-Verein !
Darauf sollte sich der TÜV beschränken
und froh sein, dass er als "private" Organisation hoheitliche befugnisse übernehmen darf (z.b. bei der Führerschein-Prüfung)
Was übrigens niemanden aufregt -
seltsamerweise ...

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