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20.04.2011

16:22 Uhr

Banker im Visier der Kunden

„Signifikanten Missständen gehen wir nach“

VonJens Hagen

ExklusivKunden sollen Fehler ihrer Banken melden. Das fordert Deutschlands erster Verbraucherschützer Gerd Billen. Wie er gegen die Institute vorgehen möchte und was für die Kunden rausspringen soll verrät er im Interview.

Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband animiert die deutschen Verbraucher dazu, Missstände der Banker einzureichen. Foto: Butzmann. Quelle: Gerd Billen VZBV

Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband animiert die deutschen Verbraucher dazu, Missstände der Banker einzureichen.

Foto: Butzmann.

Herr Billen, Sie rufen Deutschlands Verbraucher auf, Ihnen Unterlagen aus den Beratungsgesprächen zu schicken. Warum sehen Sie Handlungsbedarf? 

Mit der Initiative „Finanzwächter“ bitten wir die Kunden uns Informationen zu den Provisionen der Banken zu schicken. Kunden können entsprechende Musterbriefe auf unserer Homepage herunterladen. Wir haben Indizien, dass viele Banken nicht transparent über Sätze Auskunft geben. Das gilt beispielsweise für Fonds, Zertifikate oder Altersvorsorgeprodukte. 

Was sind Ihre Anhaltspunkte? 

Uns liegen mehrere Fälle von Banken vor, die gegen das Wertpapierhandelsgesetz und  die einschlägige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes verstoßen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Badische Beamtenbank hat in einem Fall 40 Euro für die Auskunft verlangt. Andere Institute verweisen auf das Kleingedruckte in den Verträgen. Dort sind die Provisionen aber nicht transparent gelistet. Laut Gesetz muss jede Bank transparent informieren. 

Wie gehen Sie mit den zugeschickten Unterlagen um? 

Unser erstes Ziel ist es, einen Nachweis zu haben ob etwas falsch läuft und wenn ja in welchen Punkten. Dazu sind wir auf das Wissen und die Erfahrung der Verbraucher angewiesen. Signifikanten Missständen gehen wir nach. 

Wie genau? 

Wenn es geboten ist, nehmen wir Kontakt zur Politik auf. In unstrittigen Fällen informieren wir die Bafin, die als Behörde tätig werden muss. Außerdem führen wir Musterklagen gegen Institute. Nach einer solchen musste die Deutsche Bank etwa eine Klausel streichen, nach der Kunden pauschal auf Erstattung von Provisionen verzichtet sollten. 

Jeder Kunde kann seinen Bankberater bei Ihnen anschwärzen. Fürchten sie keine Hexenjagd? 

Nein. Wir möchten natürlich nicht den kleinen Bankbeamten am Schalter treffen, sondern die Vorstände. Sie sind für die Missstände verantwortlich. Es gibt keine Branche, die sich mit Transparenz so schwer tut, wie die Bankbranche. Uns geht es nur darum das die Banker die Grundregeln der Marktwirtschaft einhalten. Der Kunde muss wissen, was er für ein Produkt zahlt. Bisher ist das häufig nicht so. 

Warum fragen sie nicht direkt bei den Banken nach?

 Weil wir da keine verlässlichen Auskünfte erhalten würden.

Initiative der Verbraucherschützer: Kunden sollen Bankberater anschwärzen

Initiative der Verbraucherschützer

Kunden sollen Bankberater anschwärzen

Die Verbraucherzentralen wollen in einem neuen bundesweiten Projekt Bankkunden als "Finanzmarkt-Wächter" einsetzen. Sie sollen Missstände in der Beratung melden. Den Banken drohen Musterklagen und Meldung bei der Bafin.

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