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04.02.2016

13:03 Uhr

Bargeld abschaffen?

Vom Messias der Kartenindustrie

VonKathrin Witsch

Erst fordert die SPD die Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Jetzt plant Finanzminister Schäuble eine 5000-Euro-Obergrenze beim Barzahlen. Ja, sind die Deutschen denn die neuen Schweden? Eine Glosse.

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Das Bargeld muss weg!

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DüsseldorfBargeld fördert Schwarzarbeit und unhygienisch ist es auch noch. Das sagt Ex-Abba Mitglied Björn Ulvaeus. In dessen Heimatland Schweden sind Münzen und Scheine nämlich out. So was von out, dass selbst Brötchen mit der Kreditkarte bezahlt werden.

Täglich stehen verzweifelte Touristen vor schwedischen Busfahrern. Tickets gibt es nur noch über die Handy-App. Das sind übrigens meistens Deutsche und Russen, diese verzweifelten Touristen. Und was soll einem ein kaputter Terminal in der Kirche anstelle des Opferstocks sagen? Ist das dann ein Zeichen Gottes? Tut mir leid, ich habe heute leider keine Erlösung für dich. Und überhaupt fällt es dann auch auf, wer nur fünfzig Cent für die Kollekte übrig hat – Online-Banking sei dank. Da klimpert halt alles nicht mehr so schön gleich.

Diese Länder fahren Kampagnen gegen Bargeld

Dänemark

In ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung hat die dänische Regierung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Frankreich

Ab September 2015 wird für Bürger, die in Frankreich leben, die Bargeldzahlungsgrenze auf 1.000 Euro (bis dahin 3.000 Euro) begrenzt. Für ausländische Bürger liegt die Grenze – um den Tourismus nicht zu stark zu beeinträchtigen ‒ bei 10.000 Euro (bisher 15.000 Euro). Quelle: Buch „Bargeldverbot“, S. 27

Belgien

Seit Januar 2014 hat sich die zulässige Bargeldsumme für Waren und Dienstleistungen von 5.000 Euro auf 3.000 Euro verringert.

Spanien

Barzahlungen von über 2.500 Euro sind nach einem Gesetz vom 30. Oktober 2012 verboten, wenn eine der Parteien professionell oder gewerblich tätig ist. Es dient angeblich dem Kampf gegen Steuerbetrug.

Italien

Barzahlungen von mehr als 1.000 Euro sind in Italien seit Anfang 2012 verboten (Direktive zur Nachvollziehbarkeit von Finanzierungen, vor der Barzahlung mit hohen Beträgen wird gewarnt).

Griechenland

Ab Jahresanfang 2011 sind Geschäfte mit einer Barzahlung von 1.500 Euro und mehr illegal, wenn zumindest ein Partner gewerblich aktiv ist.

Schweden

Kampagne zur Bargeldabschaffung „Bargeldfrei jetzt!“ (Kontantfritt Nu), getragen von der Gewerkschaft für Finanzdienstleister „Finansförbundet“ und „Svensk Handel“ mit Sprüchen wie „Bargeld braucht nur noch deine Oma ‒ und der Bankräuber“ oder „Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität“.

Andererseits lässt sich die Seele vielleicht befrieden, wenn man seine Kreditkarte kurz durch das Lesegerät des Obdachlosen vor der Kirche zieht. Im Dezember vergangenen Jahres hat ein arbeitsloser IT-ler die Chance doch tatsächlich genutzt. Er sammelt sein Geld mit einem mobilen Bargeldleser ein.

Und wer sich den Seelenfrieden lieber herbeiwünschen möchte, wirft dann Plastik anstatt einer Münze? Dann schwimmen bald lauter Kreditkarten wie tote Fische an der Oberfläche der Wunschbrunnen.

Bargeldgrenze von 5000 Euro: Die Schein-Debatte

Bargeldgrenze von 5000 Euro

Die Schein-Debatte

Droht das Ende der bürgerlichen Freiheit, wenn große Beträge nicht mehr bar bezahlt werden dürfen?

Für den Anführer des Bargeldboykotts, Björn Ulvaeus, vielleicht gar keine unrealistische Vorstellung. Hat immerhin ein Jahr ohne Bargeld gelebt, bevor er sich zum Messias der Kartenindustrie aufschwang. Ausgerechnet die schwedische Pop-Ikone. Dabei wäre er ohne den Song „Money Money Money“ um ein paar Scheinchen leichter. Von einer Neuauflage des Songs sei ihm aber abgeraten – „Creditcard Creditcard Creditcard“ klingt nicht gerade hitverdächtig.

Eines muss man ihm dann aber lassen: Er zieht sein Ding durch. Im Abba-Museum in Stockholm hat er das Bezahlen mit Münzen und Scheinen gleich komplett verboten. „Wir akzeptieren kein Bargeld“, steht auf einem Schild vor dem Eingang. Knallhart.

Kommentare (7)

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elly müller

04.02.2016, 13:23 Uhr

Ja, das nenne ich volle Kontrolle und es wird so kommen, denn genau das ist gewollt.

Die Verbrecher, die tatsächlich ihr Schwarzgeld hier in Umlauf bringen, könnte eine funktionierende Polizei oder z.B. Meldepflicht bei Immobilienkauf mit Bargeld, absolut schachmatt setzen. Dazu muss man uns nicht das Bargeld wegnehmen!!!

Schäuble signalisierte Italien, dass er der euroäischen Einlagensicherung zustimmen wird!
Das ist dann das Ende vom Ende! Der Sparer haftet dann für all die Pleitestaaten und das ist gut so, meint die EU!!!!
Tja und dann bleibt das Geld auf dem Konto denn bares gibt es kaum noch und fertig ist die Kontrolle und die Haftung!!!

NEIN ich will nicht mit dem Handy bezahlen, NEIN ich will nicht, dass sich alle an meinen Daten gütlich tun. NEIN und nochmals NEIN!

Hat schon mal einer bemerkt wie plötzlich solche Dinge ganz kurz angerissen werden mit dem Wissen, dass der Deutsche mehr mit der Flüchtlingswelle beschäftigt ist!!!!
Praktisch, der Michl der so leicht an der Nase herum zu führen ist:)

Account gelöscht!

04.02.2016, 13:32 Uhr

Bargeld bedeutet für den Bürger die Freiheit zu haben sich gegen den Staat zu wehr zu setzen. Bargeld bedeutet für den Bürger Selbstbestimmung.
Bargeld bedeutet für den Bürger über sein erworbenes Geld/Leistung unabhängig vom Staat zu verfügen. Überwachung und Kontrolle der Staates muss endlich eingedämmt werden bevor wir freien und selbstbestimmten Bürger nur noch zu Sklaven eines Staates/Lobbyverein werden. Danke!

Herr Peter Delli

04.02.2016, 14:09 Uhr

Vom Messias.......
Das Bargeld stört die herrschende Klasse doch so sehr, dass sogar der Messias
einschreiten muss, nachdem Herr Menzel auf dem Jakobsweg ist.

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