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16.02.2016

12:02 Uhr

Bargeld in Griechenland

Das Land der 500er

VonGerd Höhler

Viele Griechen horten ihr Erspartes in bar. Gerne in großen Scheinen. Banken appellieren, das Geld zurückzubringen. So könnten sie mehr Kredite auszahlen. Doch das Misstrauen der Bürger ist groß.

Aus Zweifel an Politikern und Banken horten die Griechen ihr Geld lieber in bar. dpa

Schlange vor Geldautomat

Aus Zweifel an Politikern und Banken horten die Griechen ihr Geld lieber in bar.

AthenDie Aussicht, dass die Tage des 500-Euro-Scheins gezählt sein könnten, raubt vielen Griechen den Schlaf. Denn viele haben beträchtliche Bestände der lilafarbenen Banknoten unter der Matratze.

Schon immer lautete das Motto in Griechenland: Bargeld lacht – auch damit Geschäfte für die Finanzbehörden nicht aktenkundig werden. Die Angst vor einem Zusammenbruch des Bankensystems, einer Staatspleite und einer Rückkehr zur Drachme hat den Trend zum Bargeld verstärkt. Seit Beginn der Schuldenkrise Ende 2009 haben sich die Einlagen der griechischen Banken nahezu halbiert. Allein 2015 fielen sie von 160 auf 123 Milliarden Euro – eine Reaktion auf den Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza.

Bankexperten schätzen, dass die Griechen mindestens 20 Milliarden Euro in Schließfächern und Truhen, unter den Dielen ihrer Wohnungen, zwischen der Bettwäsche und in anderen Verstecken bunkern. Zum Einsatz dürften viele 500-Euro-Noten kommen, denn die sind am leichtesten zu transportieren und nehmen am wenigsten Platz weg. Im Alltag trifft man den Schein praktisch nicht mehr an, auch die Banken haben fast keine. „Einen Fünfhunderter bekomme ich nur selten in die Finger, selbst Zweihunderter sind rar“, berichtet der Kassierer einer Athener Bankfiliale.

Fakten zum Bargeld

Bargeld-Obergrenze

Die Debatte um die von der Bundesregierung vorgeschlagene Bargeld-Obergrenze beschäftigt auch die EU-Finanzminister. Hier ein paar Fakten zum Bargeld.

Zahlungsmittel seit Jahrtausenden

Bargeld, zunächst in Form von Münzen, später auch als Papiergeld, ist ein Jahrtausende altes Zahlungsmittel. Seit 2002 gilt in Deutschland das Euro-Bargeld und löste die D-Mark ab. Herausgegeben wird das Geld von den Notenbanken, in Deutschland von der Bundesbank.

Der Euro

Euro-Münzen und Scheine gelten in allen Euro-Ländern als gesetzliche Zahlungsmittel. In der Eurozone sind laut EZB derzeit fast 19 Milliarden Euro-Scheine im Gesamtwert von etwas mehr als einer Billion im Umlauf. Dazu kommen rund 116 Milliarden Münzen im Wert von knapp 26 Milliarden Euro.

Bargeld in Deutschland beliebt

Im Gegensatz zu Ländern wie Schweden oder Dänemark ist Bargeld in Deutschland noch immer sehr beliebt: Gut die Hälfte (53 Prozent) der Einkäufe im Einzelhandel werden bar bezahlt. Insgesamt sind laut Bundesbank sogar 79 Prozent aller Transaktionen Barzahlungen. Bis zur Grenze von 50 Euro erfolgen demnach die meisten Zahlungen in bar. Im Schnitt hat jeder Deutsche laut Bundesbank 103 Euro an Banknoten und Münzen im Geldbeutel.

Obergrenzen in europäischen Staaten

Obergrenzen für Bargeldzahlungen gibt es in zwölf europäischen Staaten. In Italien sind Bargeldgeschäfte bis zu einer Höhe von 3000 Euro erlaubt, zuvor waren es sogar nur 1000 Euro. In Frankreich gilt eine Obergrenze von 1000 Euro. Bei Beträgen darüber müssen Kunden entweder mit Karte oder etwa per Überweisung bezahlen. (Quelle: dpa)

Die Flucht in Banknoten hat dazu geführt, dass in Griechenland viel Bargeld existiert. Das hängt auch mit der großen Schattenwirtschaft zusammen, die auf 25 Prozent des offiziell ermittelten Bruttoinlandsprodukts geschätzt wird. Die Krise und insbesondere der Syriza-Wahlsieg haben die Nachfrage nach Banknoten aber steigen lassen. So erhöhte sich die Bargeldsumme von rund 30 Milliarden Euro im November 2014 auf aktuell über 50 Milliarden. Das entspricht knapp 28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: In anderen Euro-Staaten beläuft sich der Bargeldbestand auf sechs bis acht Prozent des BIP.

Kommentare (31)

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Herr Alex Lehmann

16.02.2016, 12:14 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Hans Mayer

16.02.2016, 12:18 Uhr

Volle Zustimmung, wir gehen noch weiter und lassen nur das nötigste auf der Bank, alles andere wird seit vielen Jahren konsequent abgeräumt.
Wahltag ist Zahltag!
Frau Merkel, treten Sie zurück, Sie schaffen das!

Glaubtreu Kogelnig

16.02.2016, 12:24 Uhr

Wer braucht den 500 Falschgeld ich habe Franken, Dollar und meine geliebten
1000 DM Scheine.

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