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27.04.2014

16:48 Uhr

Bargeld-Transfer

Zyperns schwarze Listen

VonGerd Höhler

Trotz geschlossener Banken und Kontrollen gelang es in der Zypernkrise einigen Bankkunden, Gelder ins Ausland zu transferieren. Jetzt prüft der Ethik-Ausschuss des Parlaments, ob verdächtige Transfers aufdeckt werden.

Zwei-Euro-Münze aus Zypern: Wer brachte in der Krise sein Geld ins Ausland? dpa

Zwei-Euro-Münze aus Zypern: Wer brachte in der Krise sein Geld ins Ausland?

Als Zyperns Finanzkrise Mitte März 2013 mit der Schließung der Banken ihren dramatischen Höhepunkt erreichte, ging die Angst um auf der Mittelmeerinsel. Mit jedem Tag, den die Geldinstitute geschlossen blieben, wuchs die Verzweiflung der Menschen: Bricht das Bankensystem zusammen, sind die Ersparnisse verloren?

In langen Schlangen standen die Zyprer vor den Geldautomaten an. Aber mehr als hundert Euro am Tag gaben die nicht heraus. Die Lufthansa flog tonnenweise Euro-Banknoten aus Frankfurt auf die Insel, damit die Geldinstitute wenigstens die Automaten auffüllen konnten.

Als am 27. März die Banken endlich wieder öffneten, schlug die bittere Stunde der Wahrheit: Die Laiki-Bank, das zweitgrößte Institut der Insel, wurde in den Konkurs geschickt. Einlagen über 100.000 Euro waren verloren.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Bei der Bank of Cyprus wurden Inhaber nicht versicherter Guthaben teilenteignet, um das Geldinstitut zu rekapitalisieren. Das war der Preis für die Rettungskredite, mit denen die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) die Inselrepublik vor dem drohenden Staatsbankrott bewahrten. Kapitalverkehrsrestriktionen sollten die schwankenden Banken stabilisieren, nachdem die Schalter wieder öffneten. Auslandstransfers sind bis heute noch eingeschränkt.

Während damals Hunderttausende Sparer um ihr Geld zitterten und viele ihr Vermögen verloren, dürften sich einige entspannt zurückgelehnt haben. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es nicht wenigen Bankkunden gelang, in jenen Wochen trotz geschlossener Banken größere Guthaben ins Ausland zu transferieren und so vor dem „Haircut“ zu retten.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

28.04.2014, 08:41 Uhr

Fühlen sich Schäuble & Merkel eigentlich noch wohl, wenn sie wissen, daß sie deustche Steurgelder dafür verwendeten um russisches Schwarzgeld zu sicher? Vermutlich schon, Merkel zählt Oligarchen zu ihrem Freundeskreis + Schäuble hat einen "Nebenjob" als Gouverneur beim ESM.

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