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10.02.2016

10:41 Uhr

Bargeldbegrenzung

500-Euro-Schein spaltet die Nation

Der Bankenverband hält wenig von der Debatte über Beschränkungen des Bargeldeinsatzes. Eine Umfrage des Verbandes zeigt jedoch: Die Deutschen sehen die Bargeld-Debatte nicht ganz so kritisch.

Mehr als 600 Millionen Exemplare des Scheins sind im Umlauf. ap

Prüfung eines falschen 500-Euro-Scheins

Mehr als 600 Millionen Exemplare des Scheins sind im Umlauf.

FrankfurtDie Debatte in Deutschland tobt: Soll das Zahlen mit Bargeld begrenzt werden? Ist der 500-Euro-Schein ein Werkzeug, das vor allem von Kriminellen eingesetzt wird? Ausgelöst hat die Diskussion ein Vorstoß des Finanzministeriums, Transaktionen ab 5.000 Euro in bar zu begrenzen.

Die Bankenverbände haben sich dazu sehr skeptisch geäußert und versuchen mit Daten einer Umfrage die eigene Position zu untermauern. Bargeldobergrenzen im Alltag hielten 37 Prozent der Befragten für „gut“ oder „sehr gut“ und 58 Prozent für „nicht so gut“ oder „schlecht“, der Rest ist unentschieden.

Allerdings hatte der Verband nicht nach einer 5.000er-Grenze gefragt, sondern die eintausend telefonisch befragten Erwachsenen mit der Aussage konfrontiert: „Wenn größere Beträge – etwa ab 1.000 € – nur noch mit Karte bezahlt werden könnten, fände ich das ...“ Dass nicht nach der diskutierten 5.000-Euro-Marke gefragt wurde, begründet ein Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) damit, dass die Fragen mit dem Umfrageinstitut GfK bereits vor Bekanntwerden des Vorstoßes des Ministeriums abgestimmt worden waren. Die Umfrage fand dann vom 1. bis 5. Februar statt – da war die Debatte schon entfacht und konnte die Antwortenden beeinflussen.

Was für das Bargeld spricht

Die Anonymität des Bargelds...

...ermöglicht es den Bürgern, auch den gesetzestreuen, einen Rest Privatsphäre zu bewahren, der nicht der vollständigen Überwachung oder Überwachbarkeit unterliegt.

Die Zinslosigkeit des Bargelds...

...ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Wer die jetzigen Niedrigzinsen der Notenbanken schon als gefährlich oder als eine Form der kalten Enteignung ansieht, wird froh sein, dass das Vorhandensein von Bargeld eine Zinsuntergrenze setzt.

Die gesellschaftlichen Kosten von Bargeld...

....als Zahlungsmittel, also die Kosten bei allen Beteiligten zusammengerechnet, sind nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank in den meisten Ländern niedriger als die unbarer Bezahlformen.

Der Insolvenzschutz...

...den Bargeld genießt, weil die Notenbank, die es emittiert, nicht Pleite gehen kann, hebt es vom Buchgeld der Geschäftsbanken ab. Wenn eine Geschäftsbank  insolvent wird, können Buchgeld-Guthaben verloren gehen, oder sie werden, wie im Fall Zypern geschehen, im Zuge der Rettung der Banken zusammengestrichen.

Auch zur etwa von SPD-Fraktion und Korruptionsbekämpfern geforderten Abschaffung des 500-Euro-Schein ließ der Verband fragen. Das Ergebnis: Die Nation ist gespalten. 45 Prozent halten ein Ende der Banknote für „sehr gut“ oder „gut“, 34 Prozent für „nicht so gut“ oder „schlecht“. Ein Fünftel ist unentschieden.

Sowohl die Bargeldobergrenze als auch die Abschaffung großer Geldscheine wird im Zuge der Terrorismus- und Korruptionsbekämpfung gefordert. Andere Länder haben bereits Obergrenzen für den Einsatz von Bargeld, in Italien etwa liegt das Limit bei 3.000 Euro.

Kommentare (37)

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Rainer von Horn

10.02.2016, 11:31 Uhr

"Es sei „überhaupt nicht die Rede“ davon, den Besitz von Bargeld beschränken oder verbieten zu wollen."

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Aber. es muss schnell gehen!

Terrorismus-Finanzierungen laufen grossteil übers "hawala-banking" ab. Und die trifft man mit dem Bargeldverbot nicht. Zudem können Terroristen auf andere Währungen oder andere Vermögensgegenstände ausweichen. Was man jedenfalls nicht erreichen wird, ist, dass Terroristen online-Banking betreiben. Lächerlich das Ganze.

Worum es Schäuble und Co. wirklich geht, ist die ersatzlose Streichung des Bargeldes, um Negativzinsen und Schuldenschnitte nach der Zypern-Blaupause flächendeckend in ganz Europa durchsetzen zu können, ohne dass der Bürger noch irgendeine Gegenwehr hat. Dass der Bürger gleichzeitig gegenüber dem Banken- und Staatsapparat gläsern dasteht, ist ein schönes Nebenprodukt dieser feuchten Orwell-Träume.

Herr hpeter malter

10.02.2016, 11:32 Uhr

Den meisten Bürgern dürfte es wohl kaum klar sein, worum es hier geht. Von der Regierung werden sie bewußt in Unkenntnis gehalten u die Volksvertreter, die ihre Wähler aufklären müßten, werden von den Parteien gegängelt u ihrer Aufgabe wohl kaum gerecht aus Furcht vor Folgen für ihre zukünftige Karriere im Öffentl. Dienst.

Herr C. Falk

10.02.2016, 11:46 Uhr

Stefan Menzel tönt ins Publikum "Das Bargeld muss weg", nicht etwa nur der 500 Euro-Schein, sondern das Bargeld als solches.

Nach der bekannten Salamitatik , ist also zunächst die 500 Euronote fällig und Begrenzung der Bargeldzahlungen auf einen bestimmten Betrag, innerhalb der nächsten Jahre soll die Daumenschraube immer weiter angezogen werden, bis Bargeld völlig verschwunden ist.

Herr Menzel und die Feinde des Bargelds vergessen allerdings, dass der politische Widerstand gegen deratige Pläne einer totalen Kontrolle, kein geringer sein wird.

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